weather-image
20°

»Ein Übungstag ist dafür da, um zu lernen«

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Bei Baggerarbeiten wurde ein Mann verschüttet. Feuerwehr und Rettungsdienst waren im Einsatz, um den Schwerverletzten aus dem nach und nach einstürzenden Schacht zu retten. Eine aufwändige Rettungsaktion, die rasches sowie sehr koordiniertes Arbeiten erforderte. (Foto: Volk)

Inzell – Einen gemeinsamen Übungstag hatten die Feuerwehren im südlichen Trauntal zusammen mit weiteren Rettungsdiensten in Inzell.


190 ehrenamtliche Helfer, davon 145 Feuerwehrler aus Vogling, Ruhpolding, Siegsdorf, Hammer, Eisenärzt, Inzell, Vachendorf, Bergen, Holzhausen, Grabenstätt, Erlstätt und Weißbach, dazu 20 Sanitäter des Roten Kreuzes und der Bergwacht sowie Polizei und Übungsbeobachter, Verletztendarsteller und andere Organisatoren nahmen daran teil.

Anzeige

An 13 verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet wurden Notfallsituationen in Szene gesetzt. Helfer der Realistischen Unfalldarstellung des Roten Kreuzes sorgten für täuschend echte Verletzungen und die Komparsen für die schauspielerische Darstellung. Aufgabe der Rettungskräfte war es, auf Alarm oder Anforderung hin zu den verschiedenen Unglücksorten zu fahren und dort schnelle Hilfe zu leisten. Was die Helfer erwartete, blieb vorab geheim. Erst als die Rettungs- und Löschtrupps an den Unfallstellen ankamen, erfuhren sie, um welche Art von Notfall oder Unglück es sich handelte.

Enge Zusammenarbeit für schnellstmögliche Hilfe

In Szene gesetzt wurde ein Unfall mit einem Mountainbike auf der Forststraße bei Zwing, bei dem ein Kind im Fahrradanhänger schwer verletzt wurde. Floriansjünger, Bergwachthelfer und Rettungssanitäter mussten bei der Rettungsaktion eng zusammenzuarbeiten, um bestmögliche und schnelle Hilfe zu gewährleisten. In einem Bauernhof war durch einen Stromausfall der Laufkran an der Hallendecke ausgefallen. Eine Person im Führerhaus geriet in Panik und musste aus luftiger Höhe gerettet werden. Diese Aufgabe, die von den Übenden ganz unterschiedlich gelöst wurde, verlangte kluges und taktisches Vorgehen und Besonnenheit.

In der Kläranlage musste eine bewusstlose Person aus einem Schacht gerettet werden, im Betonwerk ging es um die Rettung einer Person von einem Hochsilo, die einen Suizid angekündigt hatte, und auf einer Baustelle kam es zu einer schweren Pfählungsverletzung durch Baustahl. Um in einem Wohnhaus im Ortszentrum zu einem Verletzten mit einer Kohlenmonoxidvergiftung zu gelangen, der im Gebäude einen Holzkohlegrill entzündet hatte, war die Öffnung der Türe mit Spezialgerät erforderlich.

Spektakulär war auch ein Verkehrsunfall mit zwei Autos, von denen eins eine steile Böschung hinabstürzte, das zweite abzustürzen drohte. Mehrere Personen waren schwer verletzt und mussten mit hydraulischen Rettungsgeräten aus den Wracks befreit werden. Eine große Herausforderung für die Rettungskräfte war außerdem ein Tiefbauunfall. Bei Baggerarbeiten wurde ein Mann verschüttet, der Baggerfahrer selbst musste reanimiert werden, in Folge einer akuten internen Erkrankung.

Bei den verschiedenen Notfallsituationen waren routiniertes Arbeiten, die koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsdienste, gepaart mit Improvisationsgabe und der notwendigen Eigensicherung der Helfer gefragt. Ihre Kenntnisse in der Erstversorgung von Verletzten mussten die Feuerwehrler häufig unter Beweis stellen, so auch bei einem nachgestellten Brand in einem Wohnhaus in der Schmelz. Zehn Personen wurden in dem Gebäude vermutet, aus dem starker Brandrauch quoll und eine Frau hilfeschreiend auf dem Balkon stand. Sie wurde über Steckleitern gerettet. Während sich mehrere Löschtrupps um das Gebäude postierten und löschten, starteten die Atemschutzträger einen Innenangriff, um die Menschen aus dem verrauchten Wohnhaus in Sicherheit zu bringen.

Koordiniert wurde der Übungstag von der Übungsleitstelle »Florian Inzell«, die aus den Einsatzleitfahrzeugen der Feuerwehren Grabenstätt, Siegsdorf und Inzell und der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung gebildet wurde. Auch die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung des BRK war vor Ort. Von diesem Bereitstellungsraum an der Max-Aicher-Arena aus wurden die Einheiten zu den Einsätzen beordert.

Kreisbrandinspektor Georg König, Initiator des Übungstags, zog am Ende eine insgesamt positive Bilanz der Leistungen, gab jedoch auch unumwunden zu, dass zum Teil schwerwiegende Fehler gemacht wurden. Defizite zu erkennen, diese zu besprechen und gemeinsam aufzuarbeiten, sei jedoch Sinn von Großübungen. Generell hätten alle Teilnehmer gezeigt, dass sie bestens ausgebildet sind und dass professionelle Hilfe geleistet werde. »Ein Übungstag ist dafür da, um zu lernen, Probleme zu erkennen und es künftig besser zu machen«, so das Fazit von König. Noch nicht optimal wurde die Kommunikation mit dem neu eingeführten Digitalfunk bewertet. An mehreren Einsatzstellen war eine Funkverbindung nicht oder nur eingeschränkt möglich. Ein erwarteter weiterer Sendemast im Inzeller Tal wird für Abhilfe sorgen, hieß es.

Gemeinde Inzell spendierte zum Dank eine Brotzeit

Seine Freizeit für einen langen und auch anstrengenden Übungstag zu verwenden, verdiene Dank und Anerkennung, betonte König und würdigte die eifrige Mitarbeit aller Teilnehmer. Dem schloss sich auch Inzells Bürgermeister Hans Egger an, der die Übungen beobachtete. Er zeigte sich begeistert vom Engagement der Übenden, ob Floriansjünger oder Sanitäter. Nach dem fast sechsstündigen Übungsmarathon bedankte sich die Gemeinde Inzell bei den Teilnehmern mit einer stärkenden Brotzeit. pv