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Eigene Zufahrt für neues Baugebiet gefordert

Inzell. Groß war das Interesse mit etwa 90 Besuchern, als die Planungen für ein sechs Hektar großes Neubaugebiet in Gschwall vorgestellt wurden. Die Gemeinde hatte drei Architekturbüros um Entwürfe gebeten. Am Ende konnten die Bürger ihren »Favoriten« mit Klebepunkten kennzeichnen. Wolf Steinerts Ideen fanden am meisten Zustimmung.

Interessiert betrachteten die Bürger bereits vor Beginn der Infoveranstaltung die Entwürfe der Architekten, wie hier die Skizze von Wolf Steinert. (Foto: Mergenthal)

Einleitend hob Bürgermeister Martin Hobmaier hervor, dass die Bürgerbeteiligung der Gemeinde sehr wichtig sei. Auch die Gemeinderäte sähen die Entwurfsskizzen zum ersten Mal. In einer per Los bestimmten Reihenfolge präsentierten die Büros ihr Konzept, während jeweils die anderen Architekten draußen warteten. Den Anfang machte der Weißbacher Architekt Michael Dufter in einer Arbeitsgemeinschaft mit Michaela Krammer aus Bergen, gefolgt vom Traunsteiner Landschaftsarchitekten Wolfgang Schuardt mit Kollegin Eva Weber und Wolf Steinert aus Übersee mit Andrea Mörtl.

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Alle Planungsbüros orientierten sich am Gelände, das von einem Moränenrücken geprägt ist – ein in sich sehr unebenes Hochplateau. Viele Grünflächen, eine gute Fußweg-Vernetzung sowie ein begrünter Dorfmittelpunkt, der die alte und neue Siedlung sowie den alten bäuerlichen Weiler verbindet, fanden sich in allen Entwürfen. Mehrfach wurde auch die Idee eines »Dorfkramers« vorgebracht.

Die größten Unterschiede gab es bei der Situierung eines Mischgebiets, wo nicht störendes Gewerbe zulässig ist und das sich vor allem für Dienstleister eignet. Dufter/Krammer siedelten dieses in der Mitte des Neubaugebiets an, angrenzend an die neue Dorfmitte mit Gemeinschafts- und Versorgungseinrichtungen. Bei Schuardt/Weber ist das Mischgebiet, wo auch Tierhaltung möglich ist, im Norden und setzt nach Nordosten die Struktur des alten Dorfes fort. Erschlossen wird es durch einen tiefer gelegten Hohlweg, der weniger Lärm verursacht, und die Straße zwischen altem Dorf und bestehender Siedlung. Allein Steinert siedelte das Mischgebiet ganz im Südosten an der von der Bundesstraße 306 nach Gschwall führenden Straße an, um den Lieferverkehr vor den neuen Wohnhäusern abzufangen. Als Einziger hält er zudem durch eine eigene Erschließungsstraße für das Neubaugebiet das bestehende Wohngebiet völlig von neuem Verkehr frei.

Die Arge Dufter-Krammer schlug zwei Spielplätze vor, während Schuardt/Weber auf Spielstraßen setzten und wie Steinert auf die Spiel- und Treff-Möglichkeiten in einem »Dorfanger«. Unterschiede gab es in der Baudichte: Der Weißbacher schlug 45 bis 48 in vier Bauabschnitten realisierte Wohneinheiten vor, der Traunsteiner an die 100 Häuser: Auf jeder Parzelle soll ein zweites Haus Platz haben, um Mehr-Generationen-Wohnen, Gästevermietung oder ein Kleingewerbe zu ermöglichen. Nur 32 bis 35 Wohnhäuser würde Steinert errichten.

Anschließend stellten sich die Planer den Fragen der Bürger. Unbehagen machte mehreren die Ungewissheit, welche Betriebe in ein Mischgebiet kommen und wie viel Verkehr und Lärm diese verursachen. Einhellig wurde eine eigene Zufahrt für das Neubaugebiet gefordert, um die Gschwaller Straßenanlieger nicht noch mehr zu belasten. Wilfried Hess wies auf das Linksabbieger-Problem an der B 306 hin sowie auf die Gefahr für die vielen zusätzlichen Schulkinder, die über die Bundesstraße müssten. Mirjam Dempewolf, Organistin in der Christuskirche, die mit ihrem Mann, Kirchenvorstand Markus Ruf, gerne in der Gemeinde bauen würde, regte eine Verbesserung der dunklen, uneinsichtigen Radweg-Unterführung an der Bundesstraße an und zeigte sich begeistert von der Dorfkramer-Idee. Ruf gab zu bedenken, dass ein Mischgebiet der Versorgung mit Handwerkern diene sowie Arbeitsplätze vor Ort schaffe und so den Verkehr verringern könne. Er könne es sich ganz am Rand zur Bundesstraße hin vorstellen. Für CSU-Gemeinderat Bernhard Jung liegen die Vorteile eines Mischgebiets mit seinen größeren Grundstücken darin, dass es eine Mischung von Wohnen und Arbeiten, ein Wachsen von Betrieben sowie flexiblere Arbeitszeiten zulässt. vm