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Eigene Organisation für Kleinvermieter geplant

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Die bisherige Miss Chiemgau, Annette Weißenbacher (rechts), und die neue Miss Chiemgau, Manuela Mügge, umrahmten den Tag mit Gesang und Ziachspiel. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Privatzimmer-Vermieter sollen eine ähnliche Organisation bekommen wie die Höfe mit »Urlaub auf dem Bauernhof«. Das steht für Landrat Hermann Steinmaßl, Vorsitzender des Chiemgau Tourismus, und Chiemgau-Geschäftsführer Stephan Semmelmayr ganz oben auf der Agenda. Dies war eines der wichtigsten Ergebnisse eines Fachgesprächs beim fünften Tourismustag Chiemgau mit knapp 200 Besuchern im Festsaal Inzell.


Zufrieden zeigte sich Steinmaßl mit den 500 Millionen Euro touristischem Jahresumsatz im Kreis Traunstein, hinter dem 10 000 Arbeitsplätze stünden, und der »enorm gestiegenen« Bekanntheit und Beliebtheit des Chiemgaus als Urlaubsziel. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Gäste im Chiemgau um rund sechs Prozent; die Übernachtungen nahmen um gut drei Prozent zu. Damit lag der Chiemgau über dem Bayern-Schnitt.

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Mit Bedauern stellte Steinmaßl fest, dass die Beherbergungsbetriebe nach wie vor ein »Nadelöhr« seien. Seit der Wende sank die Zahl der Gästebetten im Chiemgau von 48 000 auf nunmehr knapp 31 000. Matthias Untermayer aus Truchtlaching, Vorsitzender von »Urlaub auf dem Bauernhof«, macht Sorge, dass vor allem die Kleinvermieter wegbrechen. Dort erhalte der Urlauber nur Frühstück und belebe daher untertags und abends das Dorf mit Bäcker, Metzger und Wirtshäusern. Stefan Semmelmayer sieht den Vermietern schärferen Wind des internationalen Wettbewerbs ins Gesicht blasen: Man könne heute billiger nach Mallorca fliegen als mit dem Auto in den Chiemgau fahren. Das Podium war sich einig, dass nur Investitionen in mehr Qualität bewirken können, dass sich das Vermieten auch für Kleinvermieter in Zukunft noch lohnt. Beste Erfahrungen beim Umbau seiner Ferienwohnungen im Mojerhof machte Untermayer trotz deutlicher Preisanhebung.

Mit Klaus-Dieter Graf von Moltke, der in Reit im Winkl zwei Hoteldörfer mit zum Teil bauernhofähnlichen Häusern plant, war er sich einig: Der Gast suche heute »Heimat auf Zeit«, Wertschätzung und persönlichen Service. Moltke will den Service eines Luxushotels mit dem Reiz des persönlichen Refugiums kombinieren. Um Gemeinde und Bevölkerung für seine Vorhaben zu gewinnen, setzte er auf Transparenz. Der Preis sei zweitrangig, meinte er: Der Gast wolle für sein Geld das Bestmögliche erhalten. Er betrachte die Aufnahme von Gästen als große Bereicherung für seine Familie, die ihn sehr zufrieden mache, da ihm bewusst werde, dass er mit keinem seiner Gäste tauschen wolle.

Semmelmayr hob als zeitlos aktuellen Vorteil der Zimmervermietung die Arbeitsplätze daheim hervor. Für Steinmaßl war die Kernfrage, wie man das der jungen Generation wieder attraktiv machen kann. Früher habe die Vermietung nicht berufstätigen Frauen die Chance gegeben, etwas Eigenes aufzubauen. Heute sei die Selbstständigkeit der Frauen durch gute Berufsausbildung meist bereits gegeben.

Für die Gründung einer neuen Organisation für Kleinvermieter wollen Steinmaßl und Semmelmayr zunächst 20 bis 30 »willige« Vermieter gewinnen. Ziel ist, einander zu unterstützen, zum Beispiel durch gemeinsamen Einkauf oder gegenseitiges Aushelfen, wenn Vermieter selbst Urlaub machen wollen. Der Landrat will sich weiter für Zuschüsse für Investitionen stark machen. Hier muss auch nach Ansicht von Harald Schwarzbach von der Wirtschaftsförderung dringend etwas passieren: Viele Hotels hätten von der »Regionalförderung« des Bayerischen Wirtschaftsministeriums profitiert. »Im Privatvermieterbereich ist da im Moment gar nichts vorhanden.« Siegi Walch, dritter Bürgermeister in Inzell, forderte noch intensivere Lobbyarbeit in München. Semmelmayr möchte sich zudem noch mehr um Tagesgäste bemühen: »Auch der Tagesgast hinterlässt monetäre Spuren«. Auch der Norden des Chiemgaus hat seiner Ansicht nach viel vom Tourismus: Firmen täten sich wegen der Schönheit der Region leichter, Mitarbeiter zu finden, oder könnten Aufträge bei Neubauten in Tourismusgemeinden erhalten. »Tourismus ist die personifizierte Gastfreundschaft«, rundete Untermayer das von Evi Dettl von Radio Bayernwelle Südost moderierte Gespräch ab. Wenn man das umsetze, habe auch der Kleinvermieter im Chiemgau eine »goldene Zukunft«.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner forderte dringend, das »Kirchturmdenken« zu überwinden und die zwei Verbände »Chiemsee-Alpenland« und »Chiemgau Tourismus« zu vereinen. vm