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Eifrig tanzten die Pfannenflicker

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Foto: Humm

Bergen. Als ein hohes Gut sehen die Bergener das Brauchtum an und sie sind stolz auf ihre industrielle und kulturelle Vergangenheit. Besonders intensiv beschäftigt sich damit der örtliche Trachtenverein und erinnert in regelmäßigen Abständen an vergangene Bräuche und führte am Faschingssonntag nach zehn Jahren wieder den traditionellen »Tanz der Pfannenflicker« auf.


Das Fest erstreckte sich über den gesamten Tag und der Pfannenflickertanz wurde in den Ortsteilen Hausen, Mühlwinkl, Au, Anger, Pletschau, Weidach, Weißachen, Gries, Stocka und auf dem Dorfplatz in Bergen aufgeführt. Viele Einheimische aber auch Gäste aus benachbarten Orten sahen sich diese traditionelle und unterhaltsame Veranstaltung an.

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Der Brauch geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals traten die Knappen der Eisenbergwerke und die Pfannenflicker der Salinen bei festlichen Gelegenheiten mit ihren Tänzen auf. Oftmals wird der Pfannenflicker-Tanz auch in Zusammenhang mit der Pestzeit in der Mitte des 17. Jahrhunderts genannt. Als im Chiemgau die Pest wütete, waren die Pfannenflicker die Ersten, die sich danach wieder hinaus ins Freie wagten.

Nachdem die Zunft der Pfannenflicker ausgestorben ist, hat der Trachtenverein das brauchtumsmäßige Erbe übernommen und pflegt die Tänze und damit die Erinnerung an die schwere Pestzeit. Der zeitliche Abstand von ursprünglich 25 Jahren wurde inzwischen auf zehn Jahre verkürzt, um den Tanz öfters aufführen zu können.

Das »Dirndl« das mit dem Pfannenflicker tanzen will, muss dabei eine ganz besondere Voraussetzung erfüllen: Ledig und vor allem ein »Bursche« muss es sein. Bis heute hält sich der Bergener Trachtenverein an die Regel fest, dass sich ausschließlich nur Männer am Pfannenflickertanz beteiligen dürfen. So bildeten die »Tänzerinnen« mit ihrer Verkleidung und teilweise recht beachtlichen Bartstoppeln im Gesicht auch heuer wieder ein originelles Bild.

Der Tanz selbst war wieder eine Mischung aus Gesten und Gesang. In den fünf Strophen eines alten überlieferten Liedes wurden auf humorvolle Weise die eine oder andere Unart, wie das Verteilen von leichten Ohrfeigen oder das Spucken auf den Boden, dargestellt.

Begleitet wurde am Veranstaltungstag der Zug von zwei Polizisten in historischen Uniformen. Voraus ging der Wirt mit der Wirtin zusammen mit zwei Musikanten. Hoch zu Ross durfte der Vorreiter nicht fehlen, ehe die Tänzer kamen. Die Akteure wurden nach den Aufführungen in den einzelnen Orten meist noch auf eine kleine Brotzeit eingeladen und mussten sich danach manchmal sputen, um rechtzeitig am nächsten Ort zu sein.

Zum Ausklang des Festes trafen sich die Akteure wie auch die Besucher dann noch im Gasthof Post in Bergen. OH