weather-image

Ehrgeiziges Ziel rückt näher

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Der Stromverbrauch im Landkreis Traunstein ist insgesamt gestiegen. Allerdings kommt immer mehr Strom aus Erneuerbarer Energie. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für Energietechnik an der Hochschule Amberg-Weiden.

Traunstein. Den Strombedarf im Landkreis Traunstein, ausgenommen den der Großindustrie, bis 2020 zu Hundert Prozent aus Erneuerbarer Energie (EE) zu decken – dieses ehrgeizige Ziel ist ein Stück näher gerückt. Im Ausschuss für Kreisentwicklung, Energie und Verkehrsfragen berichtete Claus Hollweck vom Institut für Energietechnik an der Hochschule Amberg-Weiden, dass der Stromverbrauch insgesamt gegenüber 2011 von 987 Gigawattstunden auf 1005 Gigawattstunden im Jahr 2012 gestiegen sei. 666 836 Megawattstunden davon wurden aus Erneuerbarer Energie gewonnen.


Davon konnten 74 Prozent des Strombedarfs aller Privathaushalte, kommunaler Liegenschaften sowie kleiner und mittlerer Unternehmen zusammen gedeckt werden. 2011 lag dieser Wert bei etwas über 50 Prozent. Die EE-Quellen waren vor allem Biomasse, Photovoltaik und Wasserkraft.

Anzeige

»Ausreißer nach oben«

Der Referent erläuterte zur Vorgehensweise, die erhobenen Daten stammten von 16 Energieversorgern, aus Umfragen in Kommunen und bei Unternehmen. Die Hochschule habe dabei eng mit Dr. Birgit Seeholzer vom Landratsamt zusammengearbeitet. Die privaten Haushalte hätten 416 262 Megawattstunden verbraucht, je Einwohner zwischen 2000 und 2700 Kilowattstunden. »Ausreißer nach oben« seien die Touristikgemeinden im südlichen Landkreis aufgrund der vielen Gästeübernachtungen.

In der Verbrauchergruppe »Kommunale Liegenschaften« mit einem Gesamtverbrauch von 39 336 Megawattstunden entfalle auf die Stadt Traunstein mit knapp 13 000 Megawattstunden der Löwenanteil – wegen der Kreisklinik und zahlreicher anderer Einrichtungen von Kreis und Kommune. Aus Datenschutzgründen nur eine Gesamtsumme nannte Claus Hollweck für die Gruppen »kleine und mittlere Unternehmen« und »Große Betriebe«: Sie benötigten im Jahr 2012 zusammen 549 487 Megawattstunden elektrische Energie. Heraus stachen dabei »stromintensive« Kommunen wie Trostberg, Traunreut, Traunstein, Siegsdorf und Tacherting.

Bei den einzelnen Energiequellen zeigte Claus Hollweck »erfreuliche Steigerungen« bei der Stromerzeugung durch Wasserkraftanlagen auf. Mittels solcher Anlagen seien 2012 158 747 Megawattstunden gewonnen worden. Ein ebenfalls positives Bild böten Biomasseanlagen mit 183 560 Megawattstunden Strom und die Photovoltaik mit 140 474 Megawattstunden. Am meisten Solarenergie werde in Tacherting und Kienberg erzeugt. Nur wenig angestiegen sei Strom aus Windkraft mit 6598 Megawattstunden. In den insgesamt 496 687 Megawattstunden aus Erneuerbarer Energie seien 7308 Megawattstunden als Kreisanteil am Strom aus der Müllverbrennung in Burgkirchen enthalten, fügte Hollweck an.

Unter dem Strich sei der EE-Anteil im Landkreis Traunstein kontinuierlich gestiegen – von 2005 noch 226 Gigawattstunden bis zu den heutigen knapp 497 Megawattstunden. Inzwischen gebe es mehrere Gemeinden, die ihren ganzen Strombedarf aus EE decken und sogar einen mehr oder weniger großen Überschuss erzielen können: Altenmarkt, Engelsberg, Kienberg, Palling, Pittenhart, Schnaitsee, Seeon-Seebruck, Spitzenreiter Tacherting und Taching am See.

Das Fazit von Claus Hollweck: »Es ist schon viel passiert. Aber es kann noch jede Menge hinzugebaut werden.« Die meisten Kommunen könnten ihren Strombedarf über EE decken – mit Ausnahme der großen Städte und der Fremdenverkehrsgemeinden, »in denen Windkraft nicht gewünscht ist«. Von einer »sehr erfreulichen Entwicklung« sprach Vizelandrat Josef Konhäuser, der den Vorsitz in dem Ausschuss hat.

»Es herrscht ein Riesenbedarf an Tomaten«

In der anschließenden Diskussion äußerte Hans Schupfner, Bayernpartei, Zweifel am Ausbau der Windkraft wegen der gesetzlichen Vorgaben. Ob es angesichts des immensen Aufwands sinnvoll sei, mittels Geothermie hierzulande »Tomaten zu züchten«, stellte Franz Obermayer, FW/UW, in den Raum. Dazu Martin Czepan, Bündnis 90/Die Grünen: »Bei der CO2-Bilanz spielen Tomaten eine große Rolle. In den Niederlanden wird Erdgas, in Spanien sehr viel Wasser dafür verbraucht. Es herrscht ein Riesenbedarf an Tomaten. Eigentlich sind sie eine Riesenchance, auch wegen der Arbeitsplätze.« »Ich hoffe, die Tomaten, die vielleicht in Kirchweidach wachsen, werden nicht nach Italien gefahren«, ergänzte Konhäuser, SPD, mit Augenzwinkern.

Den weiteren Weg und die Einflussmöglichkeiten des Landkreises für noch mehr EE beleuchtete Robert Aigner, CSU. Beim Thema Windkraft könne »nichts gegen die Bevölkerung unternommen werden«. Auf Frage von Franz Helmberger, CSU, informierte Dr. Birgit Seeholzer über derzeit zehn »Claims« für Geothermieprojekte. Die von Helmberger ebenfalls angeschnittenen Schiffsmühlen seien in Deutschland nicht so einfach zu realisieren. Insgesamt werde viel in Richtung Erneuerbare Energien geforscht. Zum Thema Energieeinsparung verwies Helmut Kauer, ÖDP, auf Papier aus frischem Holz. Recycling-Papier erfordere deutlich weniger Energie. kd