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»Ehrenamt ersetzt keine professionelle Förderung«

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Traunstein. »Jedes Kind hat das Recht auf Schutz und das Recht, zu lernen. So steht es in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes«, sagt Barbara Kaulfuß, Geschäftsführerin des Traunsteiner Kinderschutzbunds. Dabei sei die Umsetzung dieser Grundrechte gerade bei Kindern von Asylbewerbern gar nicht immer so einfach. Denn schulpflichtig sind diese Kinder wie einheimische Kinder auch, und zwar in dem Moment, in dem sie hier ankommen. So werden sie auch eingeschult. Aber für den Deutsch-Unterricht dieser Kinder sei bisher zumindest offiziell keiner so recht zuständig. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei sehr gut, aber »auch die sind überlastet. Wir sind da alle von der Entwicklung regelrecht überrollt worden.«


Wie auch anderenorts im Landkreis Traunstein, so gibt es auch in der Großen Kreisstadt etliches an ehrenamtlichem Engagement für Asylbewerber und ihre Kinder. So kümmert sich der Kinderschutzbund im Rahmen der Familienhilfe um die Kleinen. »Wir unterstützen die Kinder in der Schule und sind mitverantwortlich für die Lernpaten. Die nehmen die Kinder aus dem Unterricht raus und lehren in Absprache mit dem Lehrer den gleichen Stoff einzeln«, so Kaulfuß. Mit Hilfe vieler Helfer erhalten so die Kinder »ganz viel Deutsch-Unterricht«.

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Soweit man das bewerkstelligen könne, helfe man auch den Eltern beim Erlernen der Sprache und bei der Einschulung ihrer Kinder oder anderen Behördengängen. »Da wird schon auch vom Landkreis viel getan, dass die Leute ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen und genug zu essen haben. Aber an der Sprachförderung hapert's noch. Das ist bisher rein ehrenamtlich organisiert.«

Doch das Ehrenamt stoße hier gerade an Belastungsgrenzen. Ehrenamtlich sei das Maß an Förderung, das notwendig sei, auf Dauer nicht zu leisten. »Das Ehrenamt kann immer nur anstoßen, begleiten und unterstützen, das Hauptamt aber nie ersetzen«. Zusätzlich sei auf alle Fälle eine professionelle Fachkraft für Deutsch als Fremdsprache notwendig.

Also hat der Kinderschutzbund mit Hilfe von Sponsoren seit Anfang Februar bis zum Schuljahresende eine solche Fachkraft organisiert, die in zehn Unterrichtsstunden pro Woche an der Ludwig-Thoma-Grundschule die Kinder mit Migrationshintergrund – also nicht nur Kinder von Asylbewerbern – aus dem Unterricht nimmt und sie in einem eigenen Raum die Sprache lehrt, damit sie dem Unterricht überhaupt folgen können.

Den Sprachkurs bezahlt zur Hälfte (2000 Euro) die Stadt Traunstein, die sich ohnehin sehr für die Asylbewerber einsetzt. 1000 Euro steuerten die Damen des »Inner Wheel« Chiemgau bei, einer Frauen-Organisation, die aus Frauen und Witwen von Rotariern entstand. Weitere jeweils 500 Euro kommen von den dem Club Soroptimist Traunstein, einer weiteren sozial engagierten Frauen-Vereinigung, und vom Lions-Club Chiemsee-Bedaium, so Kaulfuß.

Doch müsse die Zuständigkeit für die Einstellung professioneller Deutsch-Lehrer – nicht nur in Traunstein – so bald wie möglich geklärt werden. »Natürlich sind wir in einer Situation, mit der wir alle erst klarkommen müssen, aber mir bereitet die grundsätzliche Tendenz Sorge, das Ehrenamt dauerhaft dazu einzuplanen, Löcher im Bildungsangebot zu stopfen.« coho