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Durchweg positive Erfahrungen

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Traunreut – Der Wirtschaftsbeirat der Stadt Traunreut organisiert am kommenden Mittwoch eine Veranstaltung mit dem Titel »Integration als Chance für die Wirtschaft, Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Asylbewerber und Flüchtlinge«. Im Hinblick auf diesen Abend hat unsere Zeitung in Traunreuter Betrieben nachgefragt, die bereits Asylbewerber als Auszubildende eingestellt haben. Die bisherigen Erfahrungen der Arbeitgeber sind durch die Bank positiv. Als wichtigstes Kriterium wird jedoch von allen Chefs genannt, dass die Bewerber die deutsche Sprache beherrschen müssen.


Seit Anfang September sind drei junge Männer in Ausbildung in Traunreut. Jan B. aus Syrien lernt Einzelhandelskaufmann im Frischemarkt Klück, Miragha G. aus Afghanistan macht eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger im AWO-Seniorenzentrum und ein noch Minderjähriger aus Somalia lernt im Möbelhaus Jobst den Beruf des Fachlageristen. Alle drei absolvierten zunächst erfolgreiche Praktika, bevor sie ihren Ausbildungsplatz erhielten.

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»Es ist für ihn nicht nur ein Job«

Richtig ins Schwärmen kommt Robert Jekel, Leiter des Seniorenzentrums, wenn er von Miragha erzählt: »Man merkt deutlich, dass es für ihn nicht nur ein Job ist. In der Kultur, aus der er kommt, werden alte Menschen sehr geehrt und das zeichnet ihn für diese Arbeit aus.« Der 26-Jährige ist seit September 2013 in Deutschland und wohnte zu der Zeit, als er sich in Traunreut auf Arbeitssuche machte, noch in Engelsberg in der Gemeinschaftsunterkunft. Er absolvierte mehrere Praktika im Krankenhaus in Altötting, in einem Hotel und eben auch im Seniorenzentrum. Dort ist er nun als Auszubildender vorwiegend in der ambulanten Pflege tätig, was bedeutet, dass er sich auch immer wieder auf neue Menschen einstellen muss.

»Er kommt mit seiner freundlichen Art überall bestens an«, freut sich sein Chef. Allerdings war für die Einstellung auch mit entscheidend, dass er bereits sehr gute Deutschkenntnisse hatte. »Dieser Beruf ist sehr kommunikativ, man muss mit den Leuten reden können, ohne deutsche Sprache geht da gar nichts«, weiß Robert Jekel. Er würde aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit dem jungen Afghanen jederzeit wieder einen Asylbewerber einstellen.

Jan war schon rund ein Jahr in Deutschland, als er im vergangenen Herbst seine Lehre im Frischemarkt Klück begann, und beherrschte die deutsche Sprache ebenfalls schon sehr gut. Er wohnte damals noch als unbegleiteter Minderjähriger in der Jugendsiedlung und absolvierte an der Walter-Mohr-Realschule seinen Schulabschluss. Bei einem Praktikum im Frischemarkt merkte er, dass ihm die Arbeit Spaß macht, und Geschäftsinhaber Peter Klück sah gleich, dass der junge Mann sehr interessiert und motiviert ist und eine rasche Auffassungsgabe hat: »Ich war echt überrascht, mit welchem Ehrgeiz Jan an die Sache herangeht. Er hat ein Ziel vor Augen und das verfolgt er konsequent.«

Junger Syrer ist ein »echter Gewinn«

Für Peter Klück sind Arbeitnehmer wie der junge Syrer ein »echter Gewinn«. Der freundliche und höfliche, junge Mann kommt nach eigenen Angaben und den Beobachtungen des Chefs bestens mit den vorwiegend weiblichen Kolleginnen aus und wird auch von den Kunden anerkannt und respektiert. Der beinah 19-Jährige ist schwerpunktmäßig in den Bereichen Getränke, Obst und Gemüse tätig. Für ihn war es anfangs eine echte Herausforderung, das große Sortiment an Waren kennenzulernen, die vielen verschiedenen Sorten und Hersteller zu unterscheiden.

Gut ins Team aufgenommen wurde auch der Auszubildende im Möbelhaus Jobst. »Die Mitarbeiter im Lager sind ihm gegenüber sehr offen, haben ihn schnell integriert. Ich weiß, dass er dort in guten Händen ist und als Mensch wahrgenommen wird«, betont Gerhard Jobst. Als Lagerist habe er einen verantwortungsvollen Job, den er gut mache. Der junge Mann beendete letztes Jahr die Mittelschule und machte verschiedene Praktika, ehe er sich im Möbelhaus bewarb. »Einzelne können wir in unseren Betrieben schon unterbringen«, erklärt der Firmenchef. Aber was aus den vielen Menschen werden soll, die alle Arbeit oder eine Ausbildungsstelle suchen, weiß er nicht. mix