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»Durch die Schmerzen wie unter Schock«

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Traunstein – Um die Vergewaltigung einer 31 Jahre alten, tschechischen Lastwagenfahrerin und Körperverletzung ging es am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs. Angeklagt ist ein 35-jähriger, deutscher Lkw-Fahrer. Der Mann aus dem Landkreis Rottal-Inn sprach von »einvernehmlichem Geschlechtsverkehr«. Die nicht deutsch sprechende Frau beschuldigte ihn im Sinn der Anklage von Staatsanwältin Katharina Achhammer. Die Hauptverhandlung wird am Montag fortgeführt.


»Er packte mich an den Haaren«

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Die 31-Jährige war laut Anklage am 22. August 2014 mit ihrem voll beladenen Lastzug auf der Rückfahrt von Italien. Ihr Ziel war Prag. Auf der Bundesstraße 15 nahe Haag habe sie eine Rast eingelegt. Sie sei nach Erledigung ihrer Notdurft im Wald in ihr Fahrzeug eingestiegen und habe sich die Landkarte angeschaut: »Dann kam er. In Sekunden sprang er in die Kabine, packte mich oben am Kopf an den Haaren, zog mich daran und schlug mich in den Bauch. Dann sprang er ins Auto, warf mich aufs Bett hinter den Sitzen. Es ging alles sehr schnell.« Wehren habe sie sich kaum können: »Ich war durch das Zerren an den Haaren und die Schmerzen wie unter Schock.« Die 31-Jährige trug damals zahlreiche Hämatome, dazu Schürfwunden und Blutaustritte am Kopf durch ausgerissene Haare davon, wie Ärzte bescheinigten.

Das Geschehen auf dem Parkplatz, zu dem der 35-Jährige eine ganz andere Version lieferte, war zeitlich gut einzugrenzen: Es dauerte genau 15 Minuten – wies doch der Fahrtenschreiber des Angeklagten diese Pause aus. Er behauptete, die Kollegin sei kurz nach ihm auf dem Parkplatz eingetroffen, habe ihn »mehrmals angelächelt«. Er habe erst weggesehen, »weil es mir unangenehm war«. Sie habe wieder zu ihm geschaut. Dann sei er hingegangen und habe gefragt: »I give you money for sex.« Dazu habe er mit den Fingern eine Geldzahl gezeigt. »Ich wollte, dass sie mich gleich versteht«, sagte der 35-Jährige.

Vorsitzender Richter Erich Fuchs war erstaunt über das forsche Vorgehen: »Vielleicht bin ich zu naiv oder zu alt. Wenn mich eine Frau anlächelt und ich geh hin und sage ‚I give you money for sex’ – da riskiere ich doch eine Watschn.« Des 35-Jährigen Antwort lautete: »Ich hatte schon Erfahrung mit solchen Frauen. Sie war angezogen mit Jeans und geschminkt. Es hat ja auch geklappt. Sie hat eingewilligt.« Erst hinterher, so der Angeklagte, habe er nach dem »Preis« gefragt. Die Tschechin habe auf Deutsch »50 Euro« gefordert. Er habe aber nur mehr 30 Euro und ein paar Münzen in seinem Lastwagen gehabt.

»Meine Welt ging kaputt«

Er berief sich auf eine von ihm auf eine Telefonrechnung geschriebene »Quittung« mit folgendem Text: »Hiermit bestätigt diese Person gegen 30 Euro und Kleingeld käuflichen Sex.« Die nicht deutsch sprechende Frau hatte auf den Wisch, den sie nicht verstand, ihren Namen setzen müssen. »Damit sie mich nicht nachträglich wegen der fehlenden 20 Euro anzeigt«, erklärte der 35-Jährige. Danach habe er Tschüss gesagt und sei in Richtung seines Arbeitgebers aufgebrochen. Dort wusch er sein Fahrzeug. Kurz danach traf auch schon die Polizei ein und konfrontierte ihn mit den Vergewaltigungsvorwürfen. Der verheiratete 35-Jährige gab an, damals »sprachlos, fassungslos« gewesen zu sein: »Meine Welt ging kaputt.«

Dass seine Welt nicht so heil sein kann, wurde in seiner Vernehmung deutlich. Am Vormittag des 22. August 2014 hatte er einer Dame via Sex-Chat mitgeteilt: »Ich bin geil, Hase.« Er räumte ein, regelmäßig Bordelle in Landshut besucht zu haben, sich mit den Preisen auszukennen, auch in Tschechien. Den Angeklagten verteidigen Alexandra Strasser aus Landshut und Sewarion Kirkitadse aus München. kd