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»Du musst sterben, für dich ist kein Platz«

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Ein psychisch kranker Nigerianer schlug einen 28-jährigen Jordanier in einer Asylbewerberunterkunft in Raubling nieder und verletzte ihn schwer. Gestern ordnete das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs in einem Sicherungsverfahren die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des 36-Jährigen in der Psychiatrie an. Der Beschuldigte machte Notwehr geltend und behauptete, der Mitbewohner sei zuvor in der Küche mit einer Pfanne auf ihn losgegangen. Das glaubte jedoch niemand.


Die beiden Asylbewerber waren im Juni 2015 zeitgleich von Ingolstadt nach Raubling verlegt worden. Zunächst gab es keine Probleme. Nach kurzer Zeit meinte der 36-Jährige, andere Männer wollten ihn umbringen. Mehr als einmal drohte er dem 28-Jährigen, er werde ihn töten. Der von Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner angeklagten Tat am 21. November ging am 24. Juli eine Schlägerei voraus. Der Nigerianer versetzte einem anderen Bewohner einen Schlag. Als der 28-Jährige schlichten wollte, richtete sich die Aggression gegen ihn. Dabei wurde ihm ein Ring aus dem Ohr gerissen.

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Am 21. November kochte der Jordanier gegen 21 Uhr gerade, als der Angeklagte erschien und sagte: »Mit dir ist Schluss. Du musst sterben. Für dich ist kein Platz hier.« Der Jordanier wollte gerade in sein Zimmer gehen, als der Beschuldigte mit einem Holzstock zurückkam und das Opfer seitlich ins Gesicht schlug. Das Opfer stürzte blutend zu Boden, war kurz bewusstlos. Ein zweiter Schlag verfehlte sein Ziel und landete an der Kücheneinrichtung. Einen dritten Hieb verhinderte ein Zeuge, der den 36-Jährigen samt Stock von hinten umgriff.

Seit längerem bestehende paranoide Schizophrenie

Der Täter konnte sich losreißen und wurde kurz danach am Bahnhof Raubling festgenommen. Seither saß er in vorläufiger Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Die Sachverständige Verena Klein vom Bezirksklinikum in Taufkirchen attestierte ihm eine seit längerem bestehende paranoide Schizophrenie mit bedrohlichen Wahnideen. Die Schuldfähigkeit zur Tatzeit sei aufgehoben gewesen. Die Wiederholungsgefahr sei hoch, die Voraussetzungen für Unterbringung seien erfüllt.

Der Jordanier hatte eine Hirnblutung, eine offene Nasenbeinfraktur und einen Bruch der vorderen Kieferhöhlenwand erlitten. Fünf Tage musste er nach einer Operation im Krankenhaus bleiben. Bis heute leidet er an lockeren Zähnen, Gefühllosigkeit des Oberkiefers und Schmerzen auf der rechten Gesichtsseite. Psychisch hat er die Tat gut verkraftet, wie er im Zeugenstand berichtete. Eine abstrakte, jedoch keine konkrete Lebensgefahr bescheinigte der Sachverständige Christian Braun vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München.

Ein 26-jähriger Asylbewerber schilderte, alle Bewohner hätten Angst vor dem Beschuldigten gehabt: »Er wollte ständig Streit anfangen. Der Mann ist verrückt. Er hat uns allen schon gedroht, uns umzubringen.« Zwei Zeugen erschienen gestern nicht vor dem Schwurgericht. Der eine, der den Täter umklammert hatte, war glaubhaft verhindert: Er sitzt in Italien im Gefängnis. Der zweite Zeuge muss wegen unentschuldigten Nichterscheinens 300 Euro Ordnungsgeld zahlen.

Das Opfer tauchte zwar auf, jedoch mit Verspätung. Der Mann erklärte, er habe im Landratsamt Rosenheim aus Geldmangel um Vorstrecken der Fahrtkosten gebeten und die gerichtliche Ladung vorgezeigt. Ein Sachbearbeiter habe das Geld verweigert mit der Begründung, er müsse nicht mehr als Zeuge aussagen. Eine Mitarbeiterin der Gemeinde Raubling fand den 28-Jährigen schließlich via Handy und chauffierte ihn persönlich zur Verhandlung. Der Vorsitzende Richter sprach ihr den Dank des Schwurgerichts aus.

»Schlag mit dem Stock erfolgte in Tötungsabsicht«

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner wies im Plädoyer auf Unterbringung den angeblichen Angriff mit der Pfanne als »reine Schutzbehauptung« zurück. Der Schlag mit dem Stock sei in Tötungsabsicht erfolgt. Nur durch Zufall sei nicht mehr passiert. Hinzu kämen die Todesdrohungen. Bestraft werden könne der 36-Jährige aufgrund seiner Erkrankung nicht.

Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim argumentierte, sein Mandant habe den Schlag eingeräumt. Die Notwehrlage habe sich in der Beweisaufnahme nicht bestätigt. Bei Schlägen an den Kopf sei immer ein gewisses Risiko enthalten. Einen Tötungsvorsatz verneinte er jedoch. Der zweite Schlag sei nicht gegen das Opfer gerichtet gewesen. Der Beschuldigte habe nur eine gefährliche Körperverletzung und Bedrohung begangen. Auch Baumgärtl beantragte Unterbringung. Im Urteil sagte der Vorsitzende Richter, der versuchte Totschlag sei nicht beweisbar. Der Satz »ich töte dich« habe keine große Bedeutung gehabt, sei von dem Nigerianer oft gesagt worden. Die Kammer habe auf gefährliche Körperverletzung und Bedrohung erkannt. Dafür könne der 36-Jährige nicht bestraft werden. Bliebe er unbehandelt, seien mit hoher Wahrscheinlichkeit erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten. kd