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»Du hast Waging erst eine Geschichte gegeben«

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Mit üppig ausgestatteten Geschenkkörben und einer symbolischen Platzbenennung würdigte zweiter Vorsitzender Alfons Schmuck (von links) den langjährigen Vorsitzenden Franz Patzelt, hier zusammen mit seiner Frau, beim Jubiläumsabend. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Mit einem Gottesdienst und einer Feier im Pfarrsaal beging der Verein für Heimatpflege und Kultur Waginger See sein 25-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt standen dabei ein Rückblick auf die Vereinsaktivitäten und die Würdigung der Verdienste des Vorsitzenden Franz Patzelt. Es gab etliche Geschenke und viel Lob für Patzelt. Das Geschenk aber, das er sich wohl am meisten gewünscht hatte, war nicht dabei: ein neuer Vorsitzender. Der Verein sucht nach wie vor einen Nachfolger für Patzelt, der das Amt seit der Generalversammlung nur noch kommissarisch ausübt.


Werte, die es verdienen, verwirklicht zu werden

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Den Abend eröffnete Moderator Helmut Loipfinger, der sich unter anderem Gedanken machte, wie groß denn der Bedarf nach Kultur und Heimatpflege wäre. Patzelt antwortete, Heimat und Kultur seien Werte, die es verdienten, verwirklicht zu werden. Dabei werde allerdings häufig vergessen, dass diese Kultur auch von irgendjemand hergestellt werden müsse. Vor allem aber dürfe die Kultur nicht nur als »Zutreiberin oder Sahnehäubchen für merkantile Veranstaltungen« gesehen werden.

Patzelt zählte nur kurz die Aktivitäten seines Vereins auf: Musiktage, Jahreshefte, Konzerte und Ausstellungen, Bajuwarenhaus-Bau, Kampf um den Kauf des alten Pfarrhofs seitens der Gemeinde, Ferienprogramm, Exkursionen, Vorträge, Filme und das Waginger Heimatbuch. Dieses treibe den Verein derzeit am meisten um.

Patzelt würdigte besonders den zweiten Vorsitzenden und Initiatoren der Musiktage, Alfons Schmuck, Schriftführerin Christl Heiß und Schatzmeisterin Annemarie Geierstanger, den »Allrounder« Helmut Loipfinger, Familie Nominacher von der Bajuwarentruppe, aber auch die Gemeinde, den Bauhof und die Sponsoren.

Lob gab es auch von Dritter Bürgermeisterin Hedwig Witzleben, dem bisherigen Vorsitzenden des historischen Vereins Rupertiwinkel, Hans Roth, und vom Zweiten Vorsitzenden Alfons Schmuck. Hedwig Witzleben hob im Auftrag von Bürgermeister Herbert Häusl vor allem Patzelts Engagement für das Heimatbuch heraus, durch das nicht nur die Waginger Geschichte für die Nachwelt aufbereitet werde, sondern auch die Identität und der Zusammenhalt der Waginger gestärkt würden. Der Dank der Gemeinde gelte Patzelt auch für seine jahrzehntelange Tätigkeit als Ortsheimatpfleger.

Verein hat auch unpopuläre Themen aufgegriffen

Hans Roth brachte den Zeitungsartikel von der Vereinsgründung 1989 mit. Der Verein habe durchaus auch unpopuläre Themen aufgegriffen. Der Verein habe es mit seinen Veranstaltungen immer auch geschafft, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. Er sei schon gespannt auf das Heimatbuch, denn: »Wer schreibt, der bleibt.«

Schmuck erinnerte daran, wie ihn seinerzeit Franz Patzelt gefragt habe: »Mach ma was mit der Waginger Geschichte? Duast mit?« Und er habe mitgemacht. Aus den vielfältigen Aktivitäten griff Schmuck nur einige heraus: die Ausgrabung der Bajuwarengräber, den Bau des Bajuwarenmuseums, den Bau des Bajuwarenhauses und die Herausgabe von 24 Jahresheften. Patzelts Verdienste seien auch über Waging hinaus gesehen worden: So sei er von Traunstein mit dem Max-Fürst-Preis ausgezeichnet worden. »Du hast Waging erst eine Geschichte gegeben«, brachte Schmuck Patzelts Verdienste auf den Punkt.

Der Verein ehrte Patzelt mit üppig befüllten Geschenkkörben, für seine Frau gab es Blumen, und schließlich überreichte ihm Schmuck noch augenzwinkernd ein Schild mit der Aufschrift »„Franz-Patzelt-Platz« – eine Ehrung, die ihm ebenso gebühre wie den Bürgermeistern, denen sie in letzter Zeit zuteil geworden ist. Umrahmt wurde der Abend von Stücken der Tenglinger Stubnmusi und Liedern des Waginger Kirchenchors.

Pfarrer Ager hatte bei seiner Predigt festgestellt, da die Heimat so schön sei, brauche sie jemanden, der sich um sie kümmert. Die weltlichen wie fürstlichen Herren der vergangenen Jahrhunderte hätten miteinander gewetteifert, wer die schönsten Bauten hinstellen könne. Dies sei eine Blütezeit für Handwerker und Künstler gewesen. Zudem habe das dafür ausgegebene Geld dann in der Kriegskasse gefehlt.

Kunst und Kultur auch heute nicht vernachlässigen

Der Pfarrer appellierte an die Verantwortlichen in der heutigen Zeit, neben all den anderen Ausgaben ebenfalls Kunst und Kultur nicht zu vernachlässigen. Waging sei ein »Superbeispiel« dafür, meinte der Pfarrer in Hinblick auf die beschlossene Finanzierung des Heimatbuchs. Neben der Förderung von Kultur im äußeren Bereich sollte man aber auch im Inneren, in der Seele, eine hohe Lebenskultur an den Tag legen und das im Evangelium gehörte Gebot der Liebe leben.

Zum Abschluss wurde ein Film gezeigt, der Schicksale von fünf Leuten aus Waging und Taching zeigt, die vor Jahrzehnten aus ihrer Heimat ausgewandert sind. he

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