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„Dschungelcamp“ und Nikolaus-Entgleisungen in der Theaterweihnacht im Studio 16

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Mit einem sehr bunten und vielseitigen Reigen von Szenen stimmte die Kulturfabrik NUTS die Besucher der diesjährigen Theaterweihnacht im Studio 16 in Traunstein darauf ein, dass die staade Zeit durchaus von vielen schrägen Zwischentönen geprägt sein kann.


Vor dem ersten Auftritt empfing ein märchenhaft-mystisch beleuchteter Zauberwald die Besucher vor dem Theater und sorgte damit für Staunen. Der charmante Theaterraum selbst war wie ein Weihnachtswald dekoriert, mit viel Schmuck und fantasievollen Geschenken unter dem dichten Tannengrün. Sichtliches Vergnügen bereitete den Zuschauern die Kindergruppe des Theaters. Sie erzählte die Heilige Nacht aus der Sicht einer Bäuerin, deren Nachtruhe durch die zahlreichen Besucher des heiligen Geschehens in ihrem Stall immer wieder gestört wird. Maria und Josef, die Hirten, der Stern von Bethlehem und schließlich die Heiligen drei Könige: Alle klopfen an die Tür und bekommen auf ihre Fragen die immer unwirscher erteilte Auskunft: „Im Stall hinterm Haus“.

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„Es wird scho glei dumpa“ mit bluesig-modernen Untertönen stimmte der Schauspieler und Kabarettist Klaus Bierdimpfl zum Empfang auf seiner Gitarre an. Beim Stück „Weihnachten mit dem Muselmann“ philosophierte er über seine Erfahrungen mit einem Asylbewerber aus Syrien, mit dem man das Fest der Feste gefeiert hat. Nur dumm, dass dem Mann offensichtlich das nötige Verständnis fehlt und er so fürchterlich transpiriert. „Nächstes Jahr lassen wir uns einen Erithreer kommen“, zieht er als Fazit – schließlich will man zu Weihnachten ja ein Zeichen für Nächstenliebe setzen.

Willy Schwenkmeier machte sich Gedanken darüber, warum wir immer weniger Weihnachten feiern, sondern zu „Merry Christmas“ nurmehr „Santa Claus“ kommt, der „presents“ unterm „Christmas Tree“ bunkert. Ebenso, wie wir im Fernsehen immer mehr von filmischer Kost aus den USA dauerberieselt werden, werde auch der deutsche Brauch, das Weihnachtsfest zu feiern, immer mehr amerikanisiert. Passend dazu präsentierte Schwenkmeier seine Beobachtungen in gereimter Form, wofür er Lacher am Stück erntete.

Nicht weniger humorvoll zeigte sich Sebastian Schuhbeck aus Kammer. Als kabarett-gestählter Lehrer vom Chiemgau-Gymnasium in Traunstein – „der Schule mit der höchsten Papstdichte“ – gab er aufschlussreiche Einblicke in alterstypische Reaktionen und Verhaltensweisen pubertierender Schüler und den passenden Umgang damit. Allein schon von der begleitenden Geruchskultur her sei der Wechsel zwischen unterschiedlichen Klassenstufen ein echtes Erlebnis. Etwa wenn man sich in Klassen mit einer Gruppe tibetanischer Mönche wähne, in der die Luft zum Atmen dünn werde und dann in Räume komme, in denen die Duftnuancen unterschiedlichster Deos einem die Sinne schwinden lassen. Nicht weniger denkwürdig sei es, wenn die Vorliebe für Tätowierungen mit chinesischen Schriftzeichen beim Blick in die Speisenkarte eines Chinarestaurants auf einmal herbe Rückschläge serviere.

Mit Szenen aus seinem neuen Kabarettprogramm streifte Schuhbeck auch den hohen Wert heutiger Reality-TV-Programme. Das „Dschungelcamp“ etwa sei höchst sozial, weil abgehalfterte und potientiell arbeitslose C-Promis hier vor einem Schicksal als Transfergeldempfänger bewahrt würden und „einfach aufgeräumt“ seien. Ökologisch wertvoll sei die Sendung, „weil Stars nicht einfach im Dschungel entsorgt, sondern einer neuen Verwendung zugeführt“ würden. Ebenso sei der pädagogische Wert auf Schüler zu beachten: „Wollt ihr so enden wie der …..?“

Die Lacher auf seiner Seite hatte Schuhbeck zudem bei der Parodie, auf wie unterschiedliche Weisen man als Lehrer auf Hausaufgabenversäumnisse von Schülern reagieren kann: Wie Don Corleone im Mafia-Epos „Der Pate“, wie Eddie Murphy in „Beverly Hills Cop“ oder mit einer philosophisch-fundamentaltheologisch inspirierten Antwort im Stile Papst Benedikts XVI.

Der Tücke der richtigen Namenswahl bei Verheirateten widmete sich Uschi Unterbichler in einer parodistischen Betrachtung der Theaterweihnacht im Studio 16. Passend zur Adventszeit schlüpfte Willi Schwenkmeier zum Programmabschluss als leidenschaftlicher und altgedienter Nikolaus noch mal ins passende Kostüm und zeigte, wie ein Familienbesuch in einer modernen Familie trotz vorigem Weihnachtsmann-Coaching nach allen Regeln der Kunst entgleisen kann. Etwa, wenn der gereizte Heilige auf einen Schlag zum polternden Rabauken mutiert, der dem langweilig-gechillten Teen hinterm Smartphone gehörig die Meinung geigt.