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Drudenhax und Allelujawasser

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Vor Blitz und Unwetter schützte man sich früher mit schwarzen Wetterkerzen und mit verschiedenen Zeichen sowie mit Ornamenten in den Pfettenbrettern. (Foto: T. Eder)

Grassau. An alte, längst in Vergessenheit geratene Bräuche erinnerte die Ausstellung »Drudenhax und Allelujawasser« beim Grassauer Advent. Mit viel Liebe zum Detail arrangierte Caroline Zeisberger mit ihren engagierten Helfern Siegi Götze, Anette Grimm, Monika und Ludwig Sailer, Renate Frank eine gelungene Zusammenstellung von Bräuchen im Advent.


Im Advent stellte die Hausmutter eine Schüssel und einen Löffel auf den Stubentisch und zündete die Herbergsleuchte an, damit Maria und Josef wussten, wo sie ein Nachtlager finden können. Aber auch an die Herkunft des Adventskranzes erinnerte Siegi Götze, den ein Hamburger Theologe 1839 erfand. Er schmückte ein Wagenrad mit 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen. Erst 1930 gab es in München den ersten Adventskranz mit vier Kerzen, so Götze.

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Keinen religiösen Hintergrund haben die Barbarazweige. Sie werden am 4. Dezember gebrochen, blühen an Weihnachten und galten als Glücksbringer. An dem Brauch, die Kinder an Nikolaus zu beschenken, habe sich kaum etwas geändert. Allerdings haben Perchtenläufe und dergleichen in dieser Gegend keine Bedeutung. Heute sei aber der Nikolaus zur Randfigur degradiert, bedauerte Götze. Der Brauch des »Frauentragens«, die geweihte Muttergottesstatue von Haus zu Haus auf Herbergssuche zu schicken, wird heuer zum ersten Mal in Grass-au wieder belebt.

Mit typischen Gewändern der Klöpfler wurde auch auf diesen Brauch hingewiesen. Klöpflernächte sind alle Donnerstage zwischen Andreas (30. November) und Thomas (21. Dezember). Waren es früher die Dorfarmen, die von Haus zu Haus gingen, so sind nun überwiegend Kinder unterwegs und singen Klöpflerlieder.

Auch eine alte Spinnstube wurde nachgebaut, in der der Drudenhax, ein fünfstrahliger Stern, aufgemalt war. Dieser sollte vor Hexen und bösen Geistern schützen. Zum Schutz vor Unwettern gab es neben geweihten, schwarzen Wetterkerzen auch den roten Wetterhahn, die vor Feuer und Blitzeinschlägen schützen sollten. Auch auf den Formbrettern an der Stirnseite des Dachs wurden Ornamente gesägt, die Blitze darstellen und Einschläge verhindern sollten.

Weiter widmete sich die Ausstellung dem Heiligen Abend, dem Stefanitag und den Rauhnächten wie auch dem Dreikönigstag und endete mit Lichtmess, 2. Februar. Lichtmess hat wie viele andere Bräuche auch sowohl einen christlichen wie einen heidnischen Ursprung. Mit Mariä Lichtmess geht zum einen die Weihnachtszeit zu Ende, zum anderen das bäuerliche Arbeitsjahr. Früher wechselten dann die Knechte und Mägde ihren Dienstherrn. Mit diesem Fest endete aber auch die Ausstellung und Darstellung. Wie Götze betonte, war zwar allerorts der Glaube tief verwurzelt, dennoch wurde auch auf heidnische Bräuche zurückgegriffen, um sich vor bösen Geistern zu schützen. So war es nicht ungewöhnlich, dass neben einem Drudenhax oft auch ein Kreuz zu finden war.

Bürgermeister Rudi Jantke informierte zum Abschluss, dass diese Ausstellung nun bereits die dritte in Folge sei. Sie sei eine große Bereicherung für den Grassauer Advent. tb