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Drohbriefe verschickt

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Wegen Betrugs, Missbrauchs von Berufsbezeichnungen und versuchter Nötigung muss sich ein 53-jähriger Mann aus Germering vor dem Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer verantworten. Der Mann soll Drohbriefe an Gerichtsvollzieherinnen in Traunstein und Fürstenfeldbruck geschickt haben. Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt.


53-Jähriger forderte hohe Geldsummen

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In den Drohbriefen hat der Angeklagte sechsstellige Schadensersatzforderungen gestellt – alles im Namen einer dubiosen Kanzlei in Baden-Württemberg. Ein »Opfer« war eine verstorbene Grassauerin. In ihrem Namen schrieb der 53-Jährige im April 2013 auf Kanzleipapier einem Richter am Amtsgericht Traunstein, er erkenne »das Angebot eines sogenannten Strafbefehls« nicht an.

Um die gleiche Schuldnerin drehte sich ein Brief an eine 42-jährige Gerichtsvollzieherin aus Traunstein. In den Schreiben kündigte der 53-Jährige in scheinbarer Rechtsanwaltsfunktion im Fall weiterer Zwangsvollstreckungsmaßnahmen an, Schadensersatz in Höhe von bis zu 161 650 Euro geltend zu machen. Sollte die Beamtin nicht zahlen, werde die »internationale Pfändung eingeleitet«.

Nahezu identische Schreiben und finanzielle Forderungen erhielt eine 45-jährige Gerichtsvollzieherin aus Fürstenfeldbruck. Die Zeugin erinnerte sich, der 53-Jährige habe sich bei einem Termin mit der Schuldnerin als Rechtsvertreter vorgestellt. Per Fax sei sie später aufgefordert worden, sich bei der Schuldnerin nicht mehr sehen zu lassen. Dann habe sie das Schreiben bezüglich des »internationalen Strafgerichts« erhalten. Sie habe einen Rechtsanwalt und ihren Arbeitgeber eingeschaltet: »Ich fühlte mich bedroht.«

Der Angeklagte wollte von dem Brief »keine Ahnung« gehabt haben. Das Schreiben müsse wohl aus Augsburg gekommen sein. Ein vierter Anklagekomplex galt einem 67-jährigen Berliner und dessen Entlassung aus einem Anlagefonds gegen einen Betrag von 1650 Euro, eingefädelt von der »internationalen Kanzlei«, für die der Angeklagte tätig war.

Angeklagter fühlte sich »selber geschädigt«

Der 53-Jährige fühlte sich »selber geschädigt«. Die verstorbene Grassauerin habe ihm von der besagten Kanzlei erzählt, für die er dann zeitweise gearbeitet hat. Er habe vorgegebene Texte mit Kanzleibriefkopf vom Server heruntergeladen, Adressen, Geschäftszeichen und Ähnliches eingetragen sowie die Schreiben über andere Büros verschicken sollen. Das habe er gemacht. Später habe er gemerkt, dass von der Zentrale in Stuttgart Schreiben raus gingen, die seine Unterschrift trugen. Die Signatur sei offensichtlich aus PDF-Dateien heraus gescannt worden.

Als Rechtsanwalt habe er sich nie ausgegeben, beteuerte der 53-Jährige. Er habe immer angenommen, der Mann an der Spitze der Kanzlei sei »ein international agierender Rechtsanwalt«. Tatsächlich ist er »ein Schlitzohr« und rechtskräftig verurteilt.

Auf einem Computer wurde der Brief gefunden

Ein Polizeibeamter informierte über die Strafanzeige der Gerichtsvollzieherin und seine Ermittlungen. Wohnungen und Büros seien durchsucht worden. Dabei seien unter anderem auf einem Computer ein Brief an die Traunsteiner Gerichtsvollzieherin gefunden worden sowie Belege zu Zahlungen an den Angeklagten als »Vergütungsvereinbarungen«. Der Angeklagte bat zu unterscheiden zwischen Anteilen für eine seiner Genossenschaften, Honoraren für Vorträge und andere Einkünfte. An die Kontounterlagen komme er derzeit nicht, seien sie doch aktuell vom Zoll beschlagnahmt. kd

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