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Drogen und Jugendkriminalität in Traunstein

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Alkohol und betrunken am Steuer – News aus Traunstein und Berchtesgadener Land
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Foto: dpa/Florian Gaertner (Symbolbild)

Traunstein – Welche Möglichkeiten hat die Polizei im Umgang mit Jugendkriminalität? Wie kann eine effektive Kriminalitätsprävention gestaltet werden? Wie ist es um unsere Region bestellt, wenn es um Jugendkriminalität geht? Diese und weitere Fragen stellte sich die Junge Union Traunstein und veranstaltete einen Diskussionsabend mit dem Titel »Drogen- und Jugendkriminalität«. Als Experte kam Martin Neuhauser, Jugend- und Präventionsbeauftragter der Polizei Traunstein.


Martin Neuhauser erklärte, dass die größten Probleme im Bereich Jugendkriminalität in Zusammenhang mit Alkohol- sowie Drogenkonsum bestünden. Besonders bedenklich seien Alkohol und Drogen am Steuer. Die Risikogruppe für Autounfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss seien vor allem die 18- bis 25-Jährigen. Jedoch erlebe er seit einiger Zeit, dass sich die Jugendlichen gerade in der Region verstärkt abends zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen würden, in denen einer nicht trinkt und fährt.

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Sogenannte »harte Drogen« würden in der Region Traunstein eine geringere Rolle spielen, informierte der Polizeibeamte weiter. Jedoch sei gerade Cannabis unter den 15- bis 16-jährigen Jugendlichen weit verbreitet. Martin Neuhauser wies darauf hin, dass unabhängig von einer bei Schülern vielfach geführten Diskussion, ob Cannabis nicht sogar »gesünder« als Alkohol sei, sich viele Jugendliche dabei nicht über die strafrechtlichen Konsequenzen bewusst seien, die sich auch auf ihr späteres Berufsleben auswirken können. Denn Cannabis sei in Deutschland nun einmal nicht legal, gleichgültig wie man darüber denke.

Anschließend erklärte Neuhauser die Wirkungsweise verschiedenster Drogen und ging auf die Problematik sogenannter »Legal Highs« ein. Dabei handelt es sich um psychoaktive Substanzen, die als Kräutermischungen, Badesalze, Reinigungsmittel oder Ähnlichem deklariert werden und nicht ausdrücklich im Betäubungsmittelgesetz erwähnt sind. Aufgrund der unkalkulierbaren Dosierung ginge von diesen Substanzen eine außergewöhnlich hohe gesundheitliche Gefahr aus.

Auf Nachfrage von Sarah Ghasemi, ob tatsächlich viele Dealer aus anderen Bundesländern an den Grenzen zu Bayern haltmachen würden, da hier Drogendelikte schärfer verfolgt würden als in anderen Teilen Deutschlands, führte Neuhauser aus, dass dies tatsächlich der Fall sei. Drogenfahrten nach Bayern seien im Vergleich zu anderen Bundesländern äußerst unbeliebt. Auch in München gebe es im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten keine so offene Drogenszene.

Auf die Frage, inwieweit das »Darknet« bei der Drogenbeschaffung in der Region eine Rolle spielt, sagte Neuhauser, dass dies schwer zu quantifizieren sei. Er habe aber das Gefühl, dass die in der Region häufige Droge Cannabis unter den Jugendlichen hauptsächlich von Hand zu Hand ginge.

Auf die Frage von Benedikt Gschwendner, wo denn Cannabis hauptsächlich herkomme, meinte Martin Neuhauser, dass nach wie vor sehr viel aus den Niederlanden käme. Drogen wie »Crystal Meth« hingegen stammten eher aus Tschechien. Dies mache sich stark in Grenzregionen wie Regensburg bemerkbar, während es im Raum Traunstein mehr um Cannabis ginge.

Auf die Frage einer Mutter, ob nicht präventiv zu wenig gemacht werde in Bezug auf die Abgabe von Alkohol an Minderjährige sowie das Dealen beispielsweise an Bahnhöfen, antwortete Neuhauser, dass den Polizeiinspektionen für eine intensivere Präventionsarbeit und verschärfte Kontrollen Personal fehle. Gesetze seien gut, solange man sie auch durchsetzen könne. Bei der Frage nach mehr Personal sei in den vergangenen Jahren von der bayerischen Staatsregierung viel auf den Weg gebracht worden und man merke deutlich, dass sich die Lage verbessere. Angesichts der großen Anzahl anstehender Pensionierungen im Polizeidienst sei man allerdings noch lange nicht am Ziel.

Im Zusammenhang mit der Alkoholabgabe mancher Wirtshäuser und Supermärkte an Minderjährige, ermutigte Neuhauser zur Eigenverantwortung aller Bürger, dies zu melden: Es sei kein Kavaliersdelikt und werde von den Beamten ernst genommen. fb