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Drogen im Darm versteckt

Traunstein. Zwei 38 und 36 Jahre alte Handwerker aus Prien und Eggstätt mussten sich gestern wegen Beschaffungsfahrten nach Holland und wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Das Verfahren gegen einen dritten Mann, einen 45-Jährigen aus Seeon-Seebruck, war kurzfristig wegen dessen Erkrankung abgetrennt worden. Ein neuer Prozesstermin steht noch nicht fest.

Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verhängte gestern gegen die beiden geständigen, einschlägig vorgeahndeten Handwerker hohe Freiheitsstrafen plus Unterbringung in einer Drogenentzugsanstalt.

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Auf die Spur der drei Männer waren die Ermittler aufgrund »interner Erkenntnisse« gekommen, wie es vonseiten der Polizei hieß. Die drei Angeklagten waren am 30. Juni 2013 gegen Mittag auf der B 304 in Zorneding mit ihrem Leihfahrzeug gestoppt worden. Zum Erstaunen der Beamten übergab jeder der drei Beschuldigten in den Diensträumen der Kriminalpolizei freiwillig je zwei Plombenpäckchen mit jeweils rund 40 Gramm Heroin, das sie im Darm versteckt hatten. So konnten die Beamten insgesamt rund 240 Gramm Heroin als Beweismittel sicherstellen. Der Initiator der Schmuggelfahrt, der 38-jährige Priener, räumte bereits bei der Polizei weitere Beschaffungstouren nach Holland mit einem Gesamtumfang von etwa zwei Kilogramm Heroin ein.

Haupttäter legte Geständnis ab

Der 38-jährige Haupttäter wiederholte gestern sein Geständnis über die von Staatsanwalt Björn Pfeifer angeklagten insgesamt 21 Beschaffungsfahrten zwischen Ende Oktober 2012 und Ende Juni 2013. Der unter offener Bewährung stehende 36-Jährige mietete einige der Leihwagen an und reiste auch mehrmals zum Einkaufen mit. Der erkrankte 45-jährige Mann aus Seeon-Seebruck war laut Anklage nur ein einziges Mal mit von der Partie.

Gestern stand im Raum, dass der Täterkreis nicht drei, sondern fünf Personen umfasste. Zwei Polizeizeugen berichteten von entsprechenden Aussagen von einem der Angeklagten nach dessen Festnahme. Gestern hieß es allerdings, es gebe keine weiteren Leute. Gefahren sei man, vom letzten Mal abgesehen, immer nur zu zweit.

Staatsanwalt Björn Pfeifer sah die Vorwürfe der Anklage bestätigt durch die Geständnisse und die Angaben der Polizeizeugen. Bei dem 38-Jährigen verschiebe sich der Strafrahmen nach unten durch möglicherweise verminderte Schuldfähigkeit, nicht aber bei dem 36-Jährigen. Für den Älteren forderte der Staatsanwalt sieben Jahre Haft und Unterbringung in einer Entzugsanstalt. 17 Monate der Freiheitsstrafe seien vor dem Wechsel in eine Therapie zu verbüßen.

Für den Tatbeitrag des 36-Jährigen seien sechs Jahre Haft mit Vorwegvollzug von elf Monaten Gefängnis und Unterbringung angemessen. Bei der Frage der Unterbringung gingen die Verteidiger, Peter Dürr und Harald Baumgärtl, einig. Peter Dürr beantragte darüber hinaus eine unbezifferte Freiheitsstrafe, die keinen Vorwegvollzug nötig mache. Harald Baumgärtl plädierte auf vier Jahre Freiheitsstrafe und auf ebenfalls keinen Vorwegvollzug vor Therapieantritt. Im »letzten Wort« betonten beide Angeklagten ihre Reue. Der 36-Jährige bedauerte, durch Drogen einen großen Teil seiner Lebenszeit vergeudet zu haben.

Drogentherapie angeordnet

Neben der im Urteil angeordneten Unterbringung zum Drogenentzug verhängte die Sechste Strafkammer wegen Einfuhr und Handels mit Betäubungsmitteln beziehungsweise wegen Beihilfe dazu Freiheitsstrafen – von fünfeinhalb Jahren für den 38-jährigen Priener und von fünf Jahren für den 36-jährigen Eggstätter. Davon sind 15 Monate beziehungsweise ein Jahr vor Therapiebeginn im Gefängnis abzusitzen.

Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel begründete die trotz unterschiedlicher Tatbeiträge nicht weit auseinanderliegenden Strafen mit unterschiedlichen Strafrahmen, etwa durch die verminderte Schuldfähigkeit, sowie mit Strafzumessungsaspekten wie der Zahl der Vorstrafen und der Qualität der Geständnisse. kd