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Drei Mal Michael beim Inzeller Kirchenmaler

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Meister Michael Stein (links) und Geselle Michael Kroher mit seinem preisgekrönten Gesellenstück, dem heiligen Michael. Mit der Figur setzte er Akzente. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Aufgeregt rannte ein neunjähriger Inzeller Bub vor zwölf Jahren im elterlichen Bauernhaus an der Traunsteiner Straße auf und ab. Fasziniert schaute er den Männern zu, die das um 1500 erstmals erwähnte Anwesen restaurierten. Seit diesem ersten Kontakt von Michael Kroher mit den Kirchenmalern Alois und Michael Stein sind viele Jahre vergangen. Damals schon erwuchs der Wunsch in ihm, beruflich etwas Ähnliches zu machen. Nun lernte der 21-Jährige bei Michael Stein Vergolder und »Fassmaler« und wurde in diesem Beruf bei der Gesellenprüfung bayerischer Landessieger.


Bereits in der Hauptschule orientierte sich Michael Kroher mit Praktika als Zimmerer und Elektriker in die handwerkliche Richtung. Weil es mit der Lehrstelle im Traumberuf Kirchenmaler nicht gleich klappte, lernte er zunächst Maler und Lackierer, absolvierte gleich im Anschluss aber eine zweite Lehre zum Vergolder und Fassmaler.

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Fassmaler hat übrigens nichts mit (Wein- oder Bier-) Fässern zu tun, sondern »fassen« meint das farbige Bemalen einer Figur. Und hier setzte der junge Inzeller in diesem seltenen Beruf, den es vorwiegend noch in Bayern gibt, gegenüber seinen acht Mitbewerbern aus ganz Deutschland Akzente. Bundesweit war er der Zweitbeste nach einer Vergolderin aus Berlin.

Für sein Gesellenstück fasste er eine geschnitzte Holzskulptur seines Namenspatrons, der zugleich der Patron der Inzeller Pfarrkirche und seines Lehrmeisters ist: den heiligen Erzengel Michael. Mit den umfangreichen Vorarbeiten, zu denen viele Experimente mit Gold, Silber und Farben gehörten, investierte er 160 bis 180 Stunden.

Der Rohling aus Lindenholz wurde zuerst mit einem weißen Kreidegrund grundiert und dann in historischen Techniken vergoldet, versilbert und bemalt. Das rötlich leuchtende Flammenschwert erhielt zum Beispiel eine sogenannte »Lüsterfassung«: Über Silber kam lasierende, rote Farbe. Der sich unter den Füßen des Erzengels windende Teufel ist knallrot grundiert mit lasierenden, hellbraunen Farbfassungen darüber, sodass die Farbe lebendig wirkt. Der goldene Schild wurde mit Sand grundiert. Die Jury konnte kaum glauben, dass der junge Mann die Figur selbst gefasst hat.

Meister Michael Stein ist stolz: »Mit Michael hat es so gut geklappt, dass ich jetzt zwei neue Auszubildende eingestellt habe«, verrät Michael Stein. Der Preisträger wurde als Geselle in die, 1961 von Großvater Willibald Stein gegründete, Firma übernommen und darf mit seinem Chef und den anderen neun Mitarbeitern nun in eine neue, größere Werkstatt umziehen. Der heilige Michael soll in den neuen Räumen einen Ehrenplatz bekommen, neben dem Meisterstück von Michael Stein. vm

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