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Drei Jahre und neun Monate Haft für Traunreuter

Das Landgericht Traunstein hat gestern einen 42-jährigen Mann aus Traunreut verurteilt, der im vergangenen August einen Juwelier in Rosenheim überfallen hatte. Der Mann muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter – wegen versuchten schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung.

»Her mit den Ringen« – mit diesen Worten war der maskierte Mann mit Spielzeugpistole und Pfefferspray in den Händen am 14. August 2012 in das Geschäft in der Innstraße in Rosenheim gestürmt. Mit dem Spray machte er sofort den 49-jährigen Inhaber kampfunfähig. Dann schnappte er sich einige Schmuckschachteln aus einer Vitrine und verschwand. Drei Tage später klickten die Handschellen.

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Gestern verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs den geständigen Mann. Das Motiv des Rumänen: Er hatte einer Internetbekanntschaft in Russland einen Ring schenken wollen. Dass ihn die Polizei nach dem Überfall so rasch schnappen konnte, war auch dem Juwelier zu verdanken: Er hatte eine Videoanlage im Laden installiert und konnte der Polizei beste Fahndungsfotos liefern.

Der 42-Jährige war für den Geschädigten auch kein Unbekannter. Er hatte sich am 9. August 2012 von ihm schon mehrere Trauringe und einen Herrenring zeigen lassen. Die Preise – zwischen 1000 und 1500 Euro für Eheringe – hätte sich der »Kunde« nicht leisten können. Bei dem Überfall ging der 42-Jährige letztlich allerdings leer aus. Als er seine »Beute« in einem Internetcafé in Rosenheim aus dem Rucksack holte, waren die erbeuteten Schmuckschatullen leer.

Oberstaatsanwalt Jürgen Branz erinnerte in seinem Plädoyer auf viereinhalb Jahre Haft an die »bunte Vita« des Angeklagten – mit wirtschaftlichem Misserfolg, zwei gescheiterten Ehen, einem durchgebrachten Erbe, Leben wieder bei und von den Eltern in Traunreut. Als der Angeklagte die Frau in Russland kennengelernte habe, sei seine Situation weiterhin desolat gewesen.

Der 42-Jährige bereitete nach seinen glaubwürdigen Angaben den Überfall vor, besorgte sich zwei Wochen vorher die Sturmhaube, die einer echten Waffe gleichende Spielzeugpistole und das Pfefferspray. Er fuhr mit dem Zug von Traunreut nach Rosenheim, übernachtete in einem Hotel, trank am Abend reichlich Bier und Schnaps. Gegen 9.25 Uhr kreuzte er bei dem Juwelier auf. Der 49-Jährige kam aus dem hinteren Raum, bekam ohne Vorwarnung eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht gefeuert und zog sich sofort wieder in den Aufenthaltsraum zurück.

Oberstaatsanwalt Jürgen Branz sprach gestern von »dilettantischer Tatausführung« und einem »abstrusen Motiv«. Andererseits habe der Angeklagte die Tat stringent und rabiat ausgeführt. Deshalb liege kein minderschwerer Fall des versuchten schweren Raubs vor. Das Geständnis des Angeklagten, seine Reue und Einsicht, seine Entschuldigung beim Opfer seien positive Aspekte in der Strafzumessung. Der 42-Jährige sei nicht in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt. Allerdings sei er »auch nicht die gefestigte Persönlichkeit«, vielmehr labil. Dazu Branz: »Ich habe sogar etwas Verständnis für seine Schnapsidee.«

Der Verteidiger, Jörg Zürner aus Mühldorf, ging mit dem Anklagevertreter beim Sachverhalt und einigen Argumenten einig, nicht aber hinsichtlich eines »minderschweren Falls«: »Es war keine durchgeplante Tat, sondern eher ein spontaner Entschluss, der Freundin in Russland einen Ring zu schicken. Es ging um einen Ring, nicht um viele Ringe.« Zürner verwies auf die alkoholbedingte Enthemmung und eine depressive Störung seines Mandanten. Eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren sei angemessen.

In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende Richter heraus, das Geständnis des 42-Jährigen sei durch die Beweisaufnahme bestätigt. Der Raub sei nur als Versuch zu werten. Einen minderschweren Fall habe die Kammer nicht angenommen – wegen des konsequenten Vorgehens und des erheblichen Drohpotenzials für den Geschädigten. Erich Fuchs wörtlich: »Und der Angeklagte befand sich in keinerlei Notsituation. Das Ganze diente nur dazu, der tausende Kilometer entfernten Internetfreundin einen Ring mit Brillanten zu schenken.« kd