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»Drahdiwaberl und Springinkerl«

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Musik ist die Sprache, die weltweit verstanden wird, und daher ein hervorragendes Kommunikationsmittel auch für Kinder von Asylsuchenden. »Drahdiwaberl und Springinkerl« heißt der Verein, den Margot Wingruber gründen möchte, um ihr bereits begonnenes Projekt auf eine breitere Basis zu stellen. Unser Bild zeigt die beiden Profi-Musiker Michaela Dietel und Laye Mansa aus München mit zwei Flüchtlingskindern, die diese Abwechslung vom Alltag sichtlich genießen. (Foto: Schmidhuber)

Grabenstätt. »Drahdiwaberl und Springinkerl« heißt das neue Projekt der Grabenstätterin Margot Wingruber, die am Montag im Landtag die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold erhält (siehe nebenstehenden Bericht). Das Ganze soll am Ende ein Verein werden, der Einheimische und Flüchtlinge zusammenbringt, als erstes einmal die Kinder. Und da es mit dem Verständnis der Sprache des anderen meistens hapert, nutzt Wingruber dazu die Sprache, die jeder versteht, weltweit: die Musik.


»Es geht um Flüchtlingskinder, beladen mit Erlebnissen, von denen wir gar nichts wissen wollen. Aber sie und wir haben was gemeinsam, was unmittelbar wirkt auf unsere Angst voreinander, auf das ganze Packerl an widersprüchlichen Gefühlen von Fremdheit, Bedrängung, Mitleid und Abwehr«, erklärt Wingruber. Die Gegend zwischen München und Salzburg sei voll von Musik und Rhythmus, und diese Kinder seien begabt »mit heller Freude an allem, was klingt und tönt und in die Glieder fährt«.

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»Drahdiwaberl und Springinkerl« steht für Bewegung und Tanz, Singen und Musizieren für und mit diesen Kindern, gestaltet von professionellen Musikern. Erste Treffen gab es schon im Pfarrheim in Staudach-Egerndach, eines mit Michaela Dietl und Laye Mansa aus München. »Bayern und Senegal, einzeln unverwechselbar, 'mitnand' unwiderstehlich«, schwärmt Wingruber. »Mit Musik, Tanz und Gesang heben wir die Schätze dieser Kinder, damit sie sich wertvoll fühlen und gestärkt in unsere Welt hinausgehen.«

Traumatisierungen werden gelindert, Druck abgebaut und wenigstens zeitweise wird ein Ventil für den eklatanten Platzmangel in der Unterkünften geboten, hat Wingruber beobachtet. »Alle Theorie ist schön, aber ich bin ein Praktiker. Ich muss erst einmal ausprobieren, was funktioniert«, erklärt die frühere Sozialpädagogin im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Kinder und Eltern sollen sich in Unbeschwertheit und unabhängig von fehlender Sprachkompetenz als kommunikationsfähig auch außerhalb der Familien erleben.«

In einer weiteren Phase des Projekts »Drahdiwaberl und Springinkerl« sollen auch einheimische Kinder und Eltern teilnehmen können. Wingruber denkt etwa an Workshops in Erholungseinrichtungen in der Region, verbunden mit musischen Programmen und sozialpädagogischer Begleitung.

Hier soll der Verein weiterführen, was schon zur Gründungsversammlung im Überseer Gasthaus D'Feldwies – deren Termin noch nicht feststeht – begonnen wird: die Kontaktsuche- und -pflege zu heimischen Musik- und Tanzgruppen, Theater- und Sportvereinen. Erste Erfolge hat sie schon: LaBrassBanda signalisierte Interesse, ist aber derzeit noch sehr beschäftigt. Mona Freiberg-Helfrich vom Chiemgauer Volkstheater sagte zu, für Sprache, Musik und Theater zur Verfügung zu stehen. Fragen wolle sie auch noch die Cuba-Boarischen oder den Keller-Steff. Konzert-Pianistin Katharina Antonova aus Übersee lehrt bereits einem kleinen Mädchen das Klavierspielen.

Margot Wingruber ist bewusst, dass es bereits viele ehrenamtlich engagierte Menschen in der Flüchtlingsarbeit gibt. Ihre Angebote würde sie gern ergänzen, zunächst vor allem im Raum Grabenstätt, Grassau und Übersee. »Dezentralität ermöglicht mehr Nähe«, hat sie festgestellt. Der Verein soll sich auch um Anschaffungen kümmern, etwa von Instrumenten oder Sportartikeln, Lernmaterial, Fahrten oder auch mal Eintrittskarten.

Wingruber sucht nun also Mitstreiter, die gern singen, ein Instrument spielen, eines zu verschenken oder zu verleihen haben. Wer Musikunterricht geben kann oder sich an der Finanzierung beteiligen möchte, ist ebenso willkommen wie Leute, die mit den Kindern Fußball spielen oder ihnen das Schwimmen beibringen, mit ihnen basteln oder – ganz wichtig – Fahrdienste übernehmen. Zur Unterstützung der asylsuchenden Familien sucht sie des Weiteren händeringend einen Anwalt, der bereit wäre, sich in das Ausländerrecht einzuarbeiten. Wer Margot Wingruber und den Verein »Drahdiwaberl und Springinkerl« unterstützen möchte oder Fragen hat, kann sie anrufen unter der Nummer 08661/1398. coho