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Dorfgemeinschaft nur da, wo sich die Bewohner kennen

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Den kirchlichen Segen spendeten der neuen Mietenkamer Ortsmitte und den Bewohnern Diakon Johannes Notter (links) und Diakon Michael Sörgel. (Foto: T. Eder)

Grassau – Mietenkam hat nun eine Ortsmitte in deren Mittelpunkt die Filialkirche Sankt Margareta richtig zur Geltung kommt und eine Ortsmitte, die als Begegnungsstätte prädestiniert ist. Fünf Jahre nach der ersten Planung wurde nun der neue Dorfplatz feierlich geweiht und offiziell eröffnet. Zu ter den Klängen der »Bergmess-Musi« wurde das neue Kleinod von Grassau musikalisch gefeiert.


Seit 1996 wurde in mehreren Bauabschnitten der Ortskern von Grassau im Rahmen der Städtebauförderung saniert, erinnerte Bürgermeister Rudi Jantke. 2009 und 2010 folgte die Ortsmitte-Sanierung von Rottau und nun könne die Fertigstellung der Ortsmitte-Sanierung Mietenkams gefeiert werden. Vom ersten Beschluss 2010 habe es nun fast fünf Jahre gedauert, und bedurfte vieler Sitzungen des eigens gegründeten »Mietenkam-Beirats«, sehr guter planerischer und handwerklicher Leistungen und auch einer nicht unerheblichen Menge an Nerven.

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Bei allen Ortskernsanierungen der Gemeinde sei trotz unterschiedlicher Strukturen immer das Ziel wichtig gewesen, nicht nur bauliche Verbesserungen und Verschönerungen zu schaffen, sondern vor allem das Leben in den Ortsmitten entweder zu erhalten oder wieder neu zu erwecken, betonte Jantke. So wurde vor 15 Jahren der letzte Lebensmittelladen in Mietenkam geschlossen und auch das Gasthaus hatte in den letzten Jahren nur mehr sporadisch geöffnet. Möglichkeiten, sich zu begegnen und zu feiern, waren nicht mehr oder nur eingeschränkt vorhanden.

»Ein Dorfleben, eine Dorfgemeinschaft kann es nur da geben, wo sich die Bewohner noch persönlich kennenlernen, sich austauschen, zusammenkommen können und stolz auf ihr Dorf sind«, sagte Jantke. Es mache große Freude, dass der neue Veranstaltungsraum so gut belegt, der Dorfladen und das Dorfcafé so angenommen würden.

21, Millionen Euro sinnvoll investiert

Die Kosten von 2,1 Millionen Euro wären ohne den Freistaat und dessen finanzielle Förderung mit 54 Prozent nicht zu schultern gewesen. Zudem dankte Jantke den Familien Betzl und Reichert, deren Bereitschaft, Flächen zur Verfügung zu stellen, die Planung erst ermöglichte. Besonders würdigte er Professor Helmut Bielenski, der nicht nur ein anerkannter Ortsplaner sei, sondern auch in Mietenkam wohne, und dem dieses Projekt eine Herzensangelegenheit gewesen sei. Weiter lobte er neben den beauftragten Firmen auch die »Arbeitsgruppe Dorfsaal« und dem Mietenkam-Beirat wie den Geschäftsleiter der Gemeinde, Robert Höpfner, der sich der Maßnahme mit Leib und Seele angenommen habe.

Zum 50. Marktjubiläum und zur gelungenen Ortskernsanierung gleichermaßen, gratulierte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Jetzt könne zum ersten Mal von einer Ortsmitte gesprochen werden, meinte er und verwies auf die ehemalige Lage der Kirche, eingezwängt zwischen zwei Straßen. Für den neuen Platz mussten der Verlauf der Kreisstraße verändert, die Straßenführung des Heidewegs neu organisiert und ein Gebäude ersetzt werden. Mit rund 1,2 Millionen Euro habe sich der Freistaat beteiligt. Diese Steuergelder seien gut angelegt. »Ein kleiner, aber feiner Ortsmittelpunkt wurde geschaffen«, lobte er und meinte zu den vereinzelten Regentropfen während der Feier, dass dies Freudentränen von Petrus seien.

Ortsplaner Helmut Bielenski meinte, was eingeweiht werde, wäre ohne Zusammenarbeit von Auftraggeber, Anwohnern und Planern nicht möglich gewesen. Das Projekt sei vorbildlich. So sei es gelungen, die Situation grundlegend zu verändern und eine Ortsmitte zu schaffen. Hierdurch erfahren die Mietenkamer eine neue Identität und Selbstbewusstsein. Die neue Mauer gab Anlass zu Diskussionen. Doch mit den Scherenschnitten füge sie sich gut ein. Er verwies zudem auf die Pflasterungen nach Mustervorgaben und das »wohldosierte« Lichtkonzept, wobei auf Laternen verzichtet und stattdessen die Gebäude und Anlagen indirekt beleuchtet würden. »Mietenkam strahlt in neuem Licht«, so Bielenski.

Die Marktgemeinde habe viele Gründe zu feiern, so der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser mit Blick auf das Markterhebungsjubiläum. Die Veränderung der Straße kostete den Landkreis zirka 100 000 Euro, sagte er zum Anteil des Landkreises. Schließlich wünschte er, dass die Ortsmitte mit Leben gefüllt werde.

»Stimmt mit an, es lebe unser Mietenkam«

Den kirchlichen Segen spendeten Diakon Johannes Notter und Diakon Michael Sörgel, die auf Neugestaltung und ihre Bedeutung für die Dorfgemeinschaft eingingen. »Freut euch mit uns und stimmt mit an, es lebe unser Mietenkam«, endete das Gedicht von Lisl Schmaus. Viele Jahre führte sie einen Lebensmittelladen in Mietenkam und freute sich über die Neubelebung des Ortsteils. Mit ihrem Gedicht endete der offizielle Teil der Feier.

Bei einem Rundgang konnten dann alle die Neugestaltung bewundern – vom Dorfplatz mit dem Brunnen und Pergola zur Kirche mit dem neuen Eingangsportal über die Pflasterfläche und den Sitzbänken. Nach der Querung der Kreisstraße ging es entlang der Mauer mit den Scherenschnitt-skulpturen der Künstlerin Verena Schmid zum neuen Wassertretbecken und zurück zum Dorfladen und Café bis zum neuen Dorfsaal. tb