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Dokument der Zeitgeschichte aufgetaucht

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Das ist der Befehl, der zum 2. August 1914 die Mobilmachung für die Ruhpoldinger wehrfähigen Männer ausrief. (Repro: Andreas Plenk)

Ruhpolding. Wie spannend Geschichte sein kann, beweist ein Ereignis, das sich kürzlich ereignet hat. Das Original des Telegrams, mit dem die Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg auch in Ruhpolding ausgerufen wurde, tauchte im Zusammenhang mit der 200-Jahr-Feier der Krieger- und Soldatenkameradschaft wieder auf.


Am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger des Österreichischen Kaisers Franz Joseph, Erzherzog Franz Ferdinand, sowie dessen Gattin in Sarajewo ermordet. Genau an jenem Tag fand in Ruhpolding das 100. Gründungsjubiläum des damaligen Veteranen- und Kriegervereins statt. Der Chronist berichtet: »In die Feier platzte die Schreckensnachricht von der Ermordung des Österreichischen Thronfolgers in Sarajewo und die Vereine aus den Nachbarländern Salzburg und Tirol mussten wegen der sofortigen Mobilmachung umgehend nach Hause zurück.«

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Dieses Attentat führte in weiterer Folge zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Am 28. Juli begann dieser mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Drei Tage später, am 31. Juli 1914, verhängte König Ludwig III. über Bayern den Kriegszustand und am 1. August 1914 wurde im Deutschen Reich die Mobilmachung angeordnet, so auch in Ruhpolding. Und dieser »Mobilmachungsbefehl« ist jetzt wieder aufgetaucht.

Wolfgang Heigermoser las im Vorbericht zum 200-Jahr-Jubiläum der Ruhpoldinger Krieger- und Soldatenkameradschaft, das am 24. Mai stattfinden wird, von der Mobilmachung der Österreicher. Er erinnerte sich daran, dass sich im Familienbesitz das Originaltelegram mit dem Mobilmachungsbefehl für die Ruhpoldinger befindet. Dieses wurde damals von der »Königlich Bayerischen Telegraphenanstalt« in München am 1. August 1914 um 8 Uhr an die »Telegraphenanstalt Inzell« übermittelt. Darauf ist zu lesen:

»Mobilmachungsbefehl. Mobilmachung befohlen, erster Mobilmachungstag der 2. Aug. 1914. Dieser Befehl ist sofort ortsüblich bekannt zu machen. Gleichzeitig ist zu dem der Landsturm aufgerufen«.

Wie auf der Rückseite des Telegrams dokumentiert wird, wurde das Fernschreiben an der Kirche St. Valentin ausgehängt. Die Einstiche von Reisnägeln sind noch gut zu erkennen. Heigermoser ist sich sicher, dass dieses Zeitdokument von seiner Urahnin Maria Heigermoser, die beim »Zeller Wirt« als Kellnerin aushalf, schließlich abgenommen wurde und sich seit jener Zeit sich im Familienbesitz befindet.

500 Ruhpoldinger mussten im Laufe des Ersten Weltkrieges einrücken und 130 verloren ihr Leben auf den Schlachtfeldern. Auch ihrer wird beim Jubiläum besonders gedacht werden. hab