weather-image

Doch keine Kehrtwende in Sachen Schulküche

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Die Traunsteiner Stadträte sprachen sich zwar für ein Gesamtkonzept in Bezug auf den Umbau der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule aus, der Bau der zweiten Schulküche wird aber nicht gestoppt. (Foto: Reiter)

Traunstein – Heiß diskutiert wurde im Stadtrat über den Bau einer zweiten Schulküche für die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Diese war eigentlich beschlossene Sache, doch nach dem Beschluss des Finanzausschusses (wir berichteten) stand im Raum, das Ganze zu überdenken und ein Gesamtkonzept für einen Umbau oder Anbau zu erstellen, »denn die Schule braucht mehr Platz«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel. Diese Kehrtwende ärgerte viele Stadträte. Mit 18:6 Stimmen wurde der Antrag abgelehnt, den Bau der zweiten Schulküche zu stoppen.


Bau der Küche wird von der Regierung nicht gefördert

Anzeige

Zum Hintergrund: Im Mai hatte der Stadtrat beschlossen, dass die zweite Schulküche gebaut wird. Diese hätte spätestens zu Beginn des Schuljahres 2016/2017 fertig sein sollen. Allerdings lehnte die Regierung von Oberbayern eine entsprechende Förderung der Baumaßnahme ab.

Im Zuge der Planung für die zweite Schulküche war in den Decken ein Dämmstoff festgestellt worden, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem wurde in einigen Räumen im Fußboden Guss-asphalt entdeckt. Dieser muss ausgebaut und entsorgt werden, so die Verwaltung. Die Kosten für die Schadstoffbeseitigung könnten noch nicht abgeschätzt werden, doch es bestehe kein Zweifel, dass sich der Gesamtbetrag für den Umbau von 520 000 Euro noch erhöhen werde, hieß es im Stadtrat. Dieser Betrag liegt allerdings bereits 220 000 Euro über den im Haushalt eingeplanten Kosten. Die Berechnung für den Neubau der Schulküche und des Speiseraums einschließlich der Sanierungsmaßnahmen war ursprünglich mit 300 000 Euro angesetzt.

»Mir reicht die Begründung nicht, dass es eh teurer wird«, sagte Stephan Hadulla (Grüne) im Hinblick auf ein von der Verwaltung angestrebtes Gesamtkonzept, das dann förderfähig wäre. Und Christa Fuchs (CSU) sagte: »Mich verwundert es sehr, dass die Kosten für die Schulküche innerhalb von sieben Wochen so gestiegen sind.« Als Gründe nannte Oberbürgermeister Christian Kegel die Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes und die erforderliche Erweiterung des Leitungsnetzes.

»Es ist irritierend, wenn wir vor der Sommerpause einen Beschluss fassen und danach ist plötzlich alles anders«, sagte Dr. Christian Hümmer (CSU).

Es sei wichtig, für die Erweiterung der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule ein Konzept zu erstellen, »doch die Schulküche kann nicht warten, die sollten wir jetzt bauen«, betonte Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste), die stellvertretende Schulleiterin der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule.

»Mein Vertrauen in eine Gesamtlösung, die ganz schnell kommt, ist verloren«, sagte Ursula Lay (UW). »Wir haben die Klosterkirche, die Güterhalle, da diskutieren wir seit Jahren.« Wenn das beim Umbau der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule ähnlich laufe, »dann haben wir 2018 sicher keine Lösung.« Dann aber gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Ganztagsplatzgarantie, für die die Mittelschule zusätzliche Räume braucht. Ursula Lay betonte, die Schulküche sollte jetzt gebaut werden. »Es muss doch möglich sein, das dann in ein Gesamtkonzept zu integrieren.«

»Ich mache mich stark für eine Gesamtlösung«

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte, es sei besser, das ganze neu zu planen, als lauter kleine Einzelprojekte zu machen. »Dann hätte die Schule für Jahre Ruhe.« Außerdem würde bei einem Gesamtkonzept auch der Einbau der zweiten Schulküche von der Regierung gefördert.

»Ich mache mich stark für eine Gesamtlösung«, betonte auch 3. Bürgermeisterin Wiesholler-Niederlöhner (SPD). »Denn wir wissen, dass wir mehr Räume brauchen«. Sie dachte laut darüber nach, dass die Musikschule, die direkt an die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule angrenzt, umziehen könnte. »Die Mittelschule ist eine Pflichtaufgabe, sie hat Vorrang.« So sieht das auch Josef Kaiser (UW): »Für mich gibt es nur eine Lösung. Wir müssen uns für die Musikschule was anderes überlegen und die Räume der Schule zuschlagen.«

Oberbürgermeister Christian Kegel fände einen Umbau oder Anbau besser, »dann könnten wir die Musikschule dort lassen, wo sie jetzt ist.« Karl Schulz (CSU) sagte, dass bei der Suche nach einer Lösung auch der relativ neue Hartplatz an der Schule kein Tabuthema sein dürfe.

Der Stadtrat beschloss – anders als noch der Finanzausschuss – die Baumaßnahmen für die zweite Schulküche nicht zu stoppen. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, »einen Vorschlag für ein Gesamtkonzept für einen Um- und Erweiterungsbau vorzulegen, das es ermöglicht, die zweite Schulküche nach Maßgabe der bisherigen Planung fortzuführen und den Erweiterungsbau so zu bauen, dass weder in baulicher noch in förderrechtlicher Hinsicht ein Schaden für die Stadt entsteht«, wie es Dr. Christian Hümmer (CSU) formulierte. Die Ideen müssen dem Stadtrat dann in der Novembersitzung präsentiert werden. KR