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Diskussion um Ausbau der Fridtjof-Nansen-Straße

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Traunreut – Kontrovers diskutiert wurde in der Stadtratssitzung die Entwurfsplanung zum Ausbau der Fridtjof-Nansen-Straße in Traunreut. Der bereits beschlossene, einseitige Gehweg wurde infrage gestellt, ebenso die Empfehlung der Lenkungsgruppe, anstatt eines überfahrbaren Kreisverkehrs auf Höhe der Werner-von-Siemens-Mittelschule die Fahrbahn an dieser Stelle durch einen anderen Belag optisch herauszustellen, um die Geschwindigkeit auf der 30er-Zone automatisch zu drosseln. Auch Forderungen nach einer zusätzlichen Querungshilfe im Bereich der Schule wurden laut.


Kritik an Kurzzeit-Parkplätzen

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Kritisch gesehen werden auch die geplanten Kurzzeitparkplätze vor der Bus-Bucht auf der Schulseite und an der Robert-Koch-Straße. Vorrangiges Ziel müsse es sein, die Schüler sicher zur Schule zu bringen, lautete der Tenor.

Wie berichtet, hatte die Stadtplanerin Professor Anne Beer in der Sitzung der Lenkungsgruppe einen Gestaltungsplan vorgestellt, der Voraussetzung für eine Bezuschussung der Baumaßnahme über die Städtebauförderung ist. Bei der Erstellung des Gestaltungsplans wurde anhand des Ausbauentwurfs des Ingenieurbüros an einigen Stellen nachjustiert. Anstatt eines überfahrbaren Kreisverkehrs auf Höhe der Schule schlug die Architektin eine sogenannte Mischfläche vor. Auf Nachfrage von Andrea Haslwanter (CSU) weshalb man von einem Kreisverkehr abgewichen sei, erklärte Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann, dass nach Ansicht eines mit in die Planung einbezogenen Verkehrsplaners ein Kreisverkehr den Bereich zu sehr überbewerten würde, während eine Mischfläche verkehrsberuhigender wirke.

Keine Radschutzstreifen notwendig

Der Verkehrsplaner vertritt auch die Ansicht, dass wegen der 30-km/h-Zone entlang des Straßenverlaufs keine Radschutzstreifen notwendig wären. Solche hatte Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) gefordert, der die Entwurfsplanung ohnehin für »unausgegoren« hält. Er beklagt, dass die Konstruktion viel zu aufwendig und zu teuer sei. In einem Antrag bekräftigte er seine Forderung, bis zum Beginn der Baumaßnahme als Sofortmaßnahme links und rechts der Fahrbahn vom Bauhof Radschutzstreifen anbringen zu lassen. Der Antrag wurde jedoch mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Diese Sofortmaßnahme hätte zur Folge gehabt, dass entlang der Straße nicht mehr geparkt werden dürfte. Auch nicht vor dem Museum »Maximum«. Dort wird auch nach dem Ausbau des Gehwegs kein Parken mehr möglich sein. Im Moment parken viele Besucher entlang der Fridtjof-Nansen-Straße und nicht auf dem Museumsgelände. Die Aussage der Verwaltung, die Parksituation des »Maximums« mit Fingerspitzengefühl zu behandeln, zumal es sich dabei um eine bedeutende kulturelle Einrichtung handle, teilte Ernst Biermaier (FW) nicht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das Museum theoretisch Stellplätze nachweise, sie aber in der Praxis nicht zur Verfügung stelle, kritisierte Biermaier. Auch Bernhard Seitlinger (CSU) appellierte für mehr Kooperation. Nach Angaben von Bürgermeister Klaus Ritter ist das »Maximum« nicht bereit, die vorhandenen Hecken zu versetzen, um an der Straßenkante Parkplätze zu schaffen.

Einseitiger Gehweg infrage gestellt

Generell infrage stellte Günther Dzial (SPD) den einseitig geplanten Gehweg. »Wir sollten noch einmal überlegen, ob es richtig ist und nach anderen Möglichkeiten auch im Hinblick auf die Entwicklung der Firma Heidenhain zu suchen.«

Nach über zwei Stunden wurde der Gestaltungsplan, der jetzt zusammen mit dem Ausbauentwurf bei der Regierung von Oberbayern eingereicht werden soll, mit 20 zu 6 Stimmen abgesegnet. Ritter wies darauf hin, dass die seitens der Planer Stück für Stück aufgestellten Konzepte noch keine konkrete Ausführungsplanung darstellen.

Anlieger müssen sich am Ausbau der Straße beteiligen

Die Kosten für den Ausbau werden auf rund eine Million Euro geschätzt. Aufgrund des Urteils des Verwaltungsgerichts München ist auch davon auszugehen, dass der Umbau der Nansen-Straße nach dem Ausbaubeitragsrecht abgerechnet werden muss. Die 2. Kammer des Verwaltungsgerichts München hatte die Klage der Stadt Traunreut gegen die rechtsaufsichtliche Beanstandung der Abschaffung der Straßenausbaubeträge durch das Landratsamt abgewiesen.

Deshalb müssen nach Angaben der Verwaltung auf Grundlage des aktuellen Planungsstands die voraussichtlichen Kosten für den Ausbau der Straße ermittelt werden. Anschließend seien die voraussichtlich Beitragspflichtigen zu einer gemeinsamen Versammlung einzuladen, in der die Planung und die Kostensituation erörtert werden.

Parkplätze zugunsten eines neuen Cafés streichen?

Mehrheitlich sprach sich das Gremium auch dafür aus, zwei Stellplätze vor der ehemaligen Bäckerei und Konditorei Rieger (zuletzt Lehrbachfiliale) zugunsten von Außensitzplätzen für ein mögliches Cafe zu streichen, dafür aber Ersatzstellflächen zu schaffen. Nach Angaben der Eigentümer gebe es Interessenten, die in dem 130 Quadratmeter großen Laden ein Café oder Bistro mit zusätzlichen Außensitzplätzen betreiben möchten. Die Lenkungsgruppe hatte sich darauf verständigt, den Sitzbereich als eine Art mobile Lounge zu konstruieren, die in der kalten Jahreszeit zurückgebaut werden könnte. Gegen die Empfehlung der Lenkungsgruppe hatten aber die Anrainer, die Firmen Trieb Optik-Hörgeräte OHG sowie Wein & Genuss Schmidtner Widerspruch eingelegt, zumal es in der Straße ohnehin an Parkplätzen mangle.

»Es dürfen keine Parkplätze verloren gehen«

Reinhold Schroll (CSU) schlug deshalb vor, in Richtung Werner-von-Siemens-Mittelschule Ersatzstellflächen zu schaffen. Ziel müsse sein, dass keine Parkplätze verloren gehen, so Schroll. Alfred Wildmann (FW) begrüßte das Ansinnen eines Cafés an der Straße. Er gab aber auch zu verstehen, dass nicht unbedingt vor der Haustür geparkt werden könne und erinnerte daran: »Wir haben in Traunreut ausschließlich kostenlose Parkplätze.« ga