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Diskussion über Verkehrsuntersuchung

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Vor allem die Wasserburger Straße hat vom Bau der Traunsteiner Nordumfahrung profitiert. Die Belastung auf dieser einst am stärksten befahrenen Straße Traunsteins ist auf rund 18 000 Fahrzeuge pro Tag gesunken; den Ettendorfer Tunnel dagegen passieren täglich rund 26 000 Fahrzeuge.

Traunstein – Nur relativ kurz diskutierte der Stadtrat über die Verkehrsuntersuchung, die wir bereits in unserer Freitagausgabe kurz vorgestellt haben. Wichtigstes Ergebnis des Gutachtens: Der angestrebte Kreisverkehr an der Wegscheid würde so gut wie keine Verbesserung bringen; eine Verlängerung der Südspange von der Axdorfer Straße zur Chiemseestraße dagegen schon.


Der Stadtrat beschloss mit 18 zu 6 Stimmen, dass aufgrund der vorliegenden Ergebnisse eine mögliche Südwestumfahrung geprüft wird. Die Realisierung eines Kreisverkehrsplatzes an der Wegscheid will eine Mehrheit des Stadtrates trotz der negativen Prognosen. Einem Kreisverkehr werde »höchste Bedeutung beigemessen und eine baldmöglichste Realisierung gefordert.« Dieser Beschluss wurde mit 16 zu 8 Stimmen gefasst.

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Ratsmitglieder von Bündnis 90 / Die Grünen und der Traunsteiner Liste machten deutlich, dass sie gegen den Neubau von Straßen sind. Dr. Christian Hümmer hielt als Sprecher der CSU-Fraktion dagegen, »die Verkehrsinfrastruktur muss standhalten mit der Gesamtentwicklung der Stadt.

Wilfried Schott von den Grünen bedauerte, dass das Gutachten aus dem Jahr 2013 stammt und meinte, es sei »leider schon überholt«. Die Position der Partei verdeutlichte Burgi Mörtl-Körner: »Wir Grünen sind im Stadtrat, um Verkehr zu vermeiden«. Jede Straße ziehe Verkehr an und bedeute einen enormen Eingriff. Deshalb könne man nicht zustimmen, dass die Südspange im Traunsteiner Westen verlängert wird.

Dr. Thomas Graf von der Traunsteiner Liste sagte, »wir sind nicht unbedingt für mehr Verkehr«. Man sei der Meinung, dass die neue Straße nicht gebraucht werde. Man sei aber dafür, dass an der Wegscheid ein Kreisverkehr geschaffen wird.

Dass ein solcher aber so gut wie nichts bringt, erläuterte Stadtrat Josef Kaiser, der als Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet ist. »Ein Kreisverkehr kann nicht auf Verkehrsströme reagieren«, sagte er. Wie schon im Verkehrsgutachten dargelegt, würde man mit dem Umbau der Kreuzung in einen Kreisverkehr auch vorausschauend auf das Jahr 2025 keine Verbesserungen schaffen. Im Jahr 2010 haben Schätzungen ergeben, dass der Umbau der Wegscheid 6,7 Millionen Euro kosten würde. Heute wären es bestimmt schon 10 bis 12 Millionen, meinte Kaiser – »Steuergelder für ein Luxusproblem«. Die neue Spange dagegen würde eine echte Entlastung bringen.

In der Verkehrsuntersuchung kommt die Firma Modus Consult in Ulm zu dem Ergebnis, dass täglich 8700 Fahrzeuge eine neue Verbindung zwischen der Axdorfer Straße und der Chiemseestraße nutzen würden. Ein großer Teil dieser Fahrzeuge würde dann nicht mehr durch Haslach und auf der Rupertistraße fahren, sodass auch die Wegscheid entlastet wird. Laut Gutachten würden täglich 2000 Autos wegiger die Rupertistraße und 2500 weniger die Chiemseestraße belasten.

Es dürfte also alles darauf hinauslaufen, dass die Stadt über kurz oder lang Planungen und Grundstücksverhandlungen für die neue Verbindung aufnimmt. Nach Einschätzung von Oberbürgermeister Christian Kegel werde das aber 15 Jahre dauern. Dass es wesentlich schneller geht, hat das Beispiel Südspange gezeigt. Es hat unter dem damaligen Oberbürgermeister Fritz Stahl nur wenige Jahre gedauert, ehe die Verbindung vom Kreisverkehr Süd zur Axdorfer Straße geplant und gebaut wurde.

Dass der Verkehr bis 2025 stark zunehmen wird, ist keine Überraschung. Dafür hätte man auch sicher keine Untersuchung gebraucht. Aber dass ein Kreisverkehr an der Wegscheid so wenig bringen würde, überraschte doch den einen oder anderen Beobachter. Es gibt für die Verkehrssituation in bestimmten Bereichen Maßeinheiten, die mit den Buchstaben A bis F klassifiziert werden. Die Wegscheid bekam demnach das Prädikat C, das soviel bedeutet wie «zufriedenstellend«. Würde man einen Kreisverkehr bauen, so bekäme der betreffende Bereich im Jahr 2025 bei deutlich mehr Verkehr das gleiche Prädikat. Dank der Installation einer neuen Signalanlage im Mai letzten Jahres hat sich die Situation an der Wegscheid verbessert.

Deutlich verringert hat sich das Verkehrsaufkommen auch auf der Wasserburger Straße. Es sank auf rund 18 000 Fahrzeuge pro Tag, davon nur noch knapp 1900 Lkw. Am Ettendorfer Tunnel wurden dagegen mehr als 26 000 Fahrzeuge binnen 24 Stunden registriert. -K.O.-

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