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Diskussion über neue Alzbrücke und Ortsumgehung

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Nicht nur mit diesem Protest-Banner in der »Reimerkurve« in Seebruck bringt die »Interessensgemeinschaft pro Seebruck« ihre Abneigung zur etwa 200 Meter flussabwärts angedachten neuen Alzbrücke zum Ausdruck. Sie spricht sich für eine große Ortsumfahrung nördlich von Seebruck aus, die schon vor Jahrzehnten debattiert worden war. Für welche Brücken-Variante (Untere und Obere Variante) man sich am Ende auch entscheiden wird, allen Bürgern wird man es nicht recht machen können.

Seeon-Seebruck – Eine lebhafte, teils auch hitzige Diskussion gab es am Ende der Seebrucker Bürgerversammlung mit rund 200 Besuchern im Restaurant Malerwinkel. Dabei wurde zwei Wochen nach der Info-Veranstaltung von ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für Seebruck) aber erneut deutlich, dass es zu der künftigen Gestaltung und Trassierung der Alzbrücke(n) konträre Meinungen und unterschiedliche Prioritäten gibt, die nur schwer zu vereinbaren sein dürften.


Bei einem Neubau der Alzbrücke etwa 200 Meter flussabwärts könnte die vor 80 Jahren fertiggestellte jetzige Brücke für Radler und Fußgänger umgebaut werden. Alternative wäre eine neue Brücke für Kraftfahrzeuge, Fahrradfahrer und Fußgänger an Stelle der jetzigen Brücke. Aus Platzgründen müssten dann aber auch die von der Gemeinde an der Westseite der Brücke gekauften Häuser weichen.

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Heinz-Georg Plikat regte an, ob man nicht, wie es die Chieminger für die Sommermonate vorgemacht hätten, einen Antrag zur Sperrung der Ortsdurchfahrt für den Schwerlastverkehr stellen könnte. Man könne das Thema im Gemeinderat aufgreifen, so Bürgermeister Bernd Ruth.

Michael Gissibl fragte, ob es in Sachen Alzbrücke die Möglichkeit eines Bürgerentscheids gebe. »Die Entscheidung wird von Sachkriterien und der Regierung von Oberbayern bestimmt«, erwiderte Ruth. ISEK sei nicht bindend, es sei auch noch nichts Konkretes geplant, obwohl die Gemeinde schon vor 15 Jahren beim Straßenbauamt vorstellig geworden sei. Zu Grundstücksverhandlungen meinte Ruth: »Mit wem sollen wir verhandeln, wenn nicht klar ist, welche Brücken-Variante zum Zuge kommt?«. Es sei sehr schade gewesen, dass bei der ISEK-Veranstaltung die vielen Bürger kaum ihre Meinung geäußert hätten, bedauerte Gemeinderat Sepp Hölzl und brach eine Lanze für die neue Brücke flussabwärts. Die einmalige Chance, die sich nun biete, dürfe man nicht verstreichen lassen, gerade mit Blick auf den Fremdenverkehr, denn »wir müssen schauen, dass der Tourismus nicht einschläft«, so Hölzl. Ein Dorfplatz mit Fußgängerbereich, eine Rad- und Fußgängerbrücke und eine beruhigte Ludwig-Thoma-Straße wären eine große Bereicherung für den Ort.

Für die »Interessensgemeinschaft pro Seebruck« brachte Dr. Peter Lämmerhirdt als dritte Variante die seit vielen Jahrzehnten diskutierte Ortsumfahrung ins Spiel, die nördlich des Grabener Mooses und der Firma Regnauer Fertigbau verlaufen würde. Seebruck leide schon jetzt unter dem stetig zunehmenden Durchgangsverkehr. Mit solch einer neuen Schnellstraßenbrücke mit Anschluss an die Reimerkurve würde man den Kur- und Erholungsort sowie wertvolle Naherholungsbereiche an der Alz unwiederbringlich zerstören, warnte Lämmerhirdt.

Er erwarte beim Bau einer neuen Brücke sogar eine weitere Zunahme des Lkw-Verkehrs, betonte Klaus Plenk und schob hinterher: »Für mich hat Seebruck dann keine Zukunft mehr«. Lämmerhirdt zufolge habe die Interessensgemeinschaft bereits über 300 Unterschriften gegen die neue Brücke flussabwärts gesammelt. Auch Protest-Banner »Schnellstraßenbrücke zerstört Seebruck und Alztal-Naturschutzflächen« seien aufgehängt worden.

Diese Argumentation sei scheinheilig, da eine Umgehungsstraße einen viel größeren Eingriff ins Obere Alztal bedeuten würde, hieß es in einer weiteren Wortmeldung. In Sachen Umgehungsstraße sei in den vergangenen 25 Jahren nichts passiert, obwohl die Gemeinde unter seinem Vorgänger Konrad Glück immer wieder mit Nachdruck beim Straßenbauamt darauf gedrängt habe, gab Ruth zu bedenken.

In seinen 21 Jahren als Gemeinderat habe er immer für die Umgehung gekämpft und alle möglichen Überlegungen angestellt, doch leider seien er und seine Mitstreiter »immer gegen Mauern gelaufen«, stellte Rudi Mayer klar und verwahrte sich gegen Kritik, in der Vergangenheit nicht genügend Einsatz für die Ortsumfahrung aufgebracht zu haben.

»Warum müssen wir uns eigentlich immer von anderen sagen lassen, was wir tun dürfen und was nicht«, warf Hotelier Peter Stocker mit Blick auf Straßenbauamt und Regierung von Oberbayern ein. Diplom-Ingenieur und Architekt Erwin Wachter bot seine Expertise an und meinte, dass man sich vor konkreten Planungen erst einmal einig werden müsse, in welche Richtung sich der Ort langfristig entwickeln soll.

»Seebruck soll auf jeden Fall sein touristisches Element behalten«, erwiderte Ruth. Auch von den Überlegungen, den Geh- und Radweg entlang der Uferpromenade im Ortsteil Graben weiter abseits der Traunsteiner Straße zu legen, würden Bürger, Tagesgäste und Urlauber profitieren. Als Attraktionen könnten auch rote Sonnensegel am Chiemseestrand aufgestellt und ein »Erlebnis-Deck« in Richtung Gemeindegrenze zu Chieming über dem See gebaut werden. Die Genehmigungsfähigkeit des Decks ist allerdings noch nicht geprüft. mmü