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Digitalfunk auf dem Prüfstand

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Der neue Digitalfunk für Rettungsorganisationen und Hilfsdienste wurde mit einem großen Massentest auf Herz und Nieren geprüft. Die neue Kommunikationstechnik soll in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf ab 2017 den bisherigen Analogfunk ablösen. (Foto: Volk)

Mit einem sogenannten Massentest ist die neue digitale Funktechnik für Behörden sowie Rettungs- und Hilfsorganisationen getestet worden. Dazu waren am Samstag mehr als 270 Einsatzkräfte in einem Konvoi von 83 Fahrzeugen auf der Autobahn zwischen Neukirchen und Felden unterwegs. Während der Fahrt prüften die Einsatzkräfte, ob die Kommunikationstechnik fehlerfrei funktioniert, die Funksprüche störungsfrei empfangen werden können und ob dies auch während eines Zellenwechsels uneingeschränkt gewährleistet ist. Das Resümee von Kreisbrandinspektor Georg König nach dem zweistündigen Test: »Alles bestens, keine großen Probleme.«


Alle Teilnehmer bekamen Protokollbögen

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Vor Beginn des Massentests hatten sich alle Teilnehmer auf dem Gelände der Autobahnmeisterei in Siegsdorf getroffen. Der Betriebshof war zugeparkt mit vielen Einsatzfahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehren aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim sowie Einheiten des Technischen Hilfswerks (THW), der Bergwacht, der Deutschen-Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG), der Wasserwacht und mit Führungsfahrzeugen verschiedener Organisationen. Die Testteilnehmer erhielten zunächst Protokollbögen, auf denen sie die Qualität des Digitalfunks während des Tests dokumentieren sollten.

Inmitten der großen »Testgemeinde« baute sich die UG-ÖEL, die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Traunstein, mit ihrem Einsatzleitwagen auf. In dieser mobilen Funkzentrale gab Kreisbrandinspektor Georg König den Startschuss für den Großtest. Danach machten sich acht Gruppen mit jeweils zehn Fahrzeugen im Minutenabstand auf den Weg. Im Konvoi, begleitet von der Verkehrspolizei, fuhren die Fahrzeuge auf der Autobahn zunächst bis Neukirchen und von dort in Gegenrichtung bis zur Anschlussstelle Felden. Nach einem kurzen Zwischenstopp ging es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Autobahnmeisterei Siegsdorf.

Während der Fahrt wurden über Funk vordefinierte Texte mit einer Dauer von rund 50 Sekunden eingespielt. Die Testteams in den Fahrzeugen dokumentierten, wie diese »Sprachsamples« ankamen, ob sie gehört wurden und uneingeschränkt verständlich waren, ob es Störungen oder Unterbrechungen gab und vieles mehr. Die übermittelten Texte hatten mit der üblichen Funksprache der Einsatzkräfte allerdings wenig zu tun: »Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen« oder »Er wischt den Tisch erst später ab« sind nur zwei Beispiele der »Sprachsamples«, die aus den Funkgeräten zu hören waren.

Auswertung erfolgt in den nächsten Wochen

Während der Aussendung der Texte wurde mehrmals ein Funkzellenwechsel durchgeführt – die Übermittlung erfolgte über wechselnde Sendestationen. Um ausreichendes Datenmaterial zu erhalten, wurden die Sprachdurchsagen mindestens zehnmal eingespielt und von den Teilnehmern bewertet. Die Auswertung des Massentest erfolgt in den nächsten Wochen durch die Mitarbeiter der Taktisch-Technischen Betriebsstelle (TTB) in Traunstein, die für die Einführung des Digitalfunks in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf zuständig ist.

Der erweiterte Probebetrieb für den Digitalfunk läuft seit Oktober. »Seither wird umfangreich getestet, nach Mängeln und Fehlern gesucht und entsprechend korrigiert,« erklärt Martin Schupfner, Leiter der TTB. Für die Hilfs- und Rettungsorganisationen im Zuständigkeitsgebiet der Betriebsstelle wurden rund 4000 Digitalfunkgeräte beschafft. Die Kosten dafür betragen rund 1,4 Millionen Euro; 80 Prozent trägt der Freistaat Bayern. Schupfner ist guter Dinge, dass die vollständige Umstellung auf die neue digitale Funktechnik mit Beginn des nächsten Jahres erfolgen wird.

Zum Abschluss des Digitalfunk-Massentests würdigte Kreisbrandinspektor Georg König das Engagement aller Mitwirkenden, die fast ausnahmslos in ihrer Freizeit an dem Großtest teilnahmen. Mit einer Brotzeit bedankten sich die beteiligten Landkreise bei den Einsatzkräften. pv