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»Dieser Weg wird kein leichter sein«

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Fastenprediger Bastolomäus (Bastian Starflinger) wetterte über die Weltpolitik und wusste auch über die Verfehlungen der Gemeindebürger Bescheid. (Foto: T. Eder)

Staudach-Egerndach – Mit einem kritischen Blick auf die Weltpolitik, aber auch auf die Gemeindebürger predigte Pater Bastolomäus im Gasthof »Mühlwinkl« und deckte dabei einige Schandtaten und Verfehlungen auf. Wer verschont wurde, war dankbar, die anderen lachten trotzdem. Die Heimatbühne organisierte den Starkbierabend mit Musik, Theaterstück und Fastenrede.


Mit dem Einakter »der verwechselte Brautwerber« heizte die Heimatbühne die Stimmung richtig an. Das Publikum bog sich vor Lachen, einige Besucher mussten sich sogar die Lachtränen aus dem Gesicht wischen. Florian Höglauer brillierte als Bauer, der seine Tochter (Theresa Guggenbichler) dem Sohn seines Freundes zur Frau versprochen hatte. Da konnte selbst die Bäuerin (Maria Lässing) nichts dagegen unternehmen. Als der Bauer dann den Brautwerber Sepp Kracher (Thomas Bauer) erwartet und stattdessen den richtigen Freund Seppi (Stefan Lentner) willkommen heißt, nimmt die Verwechslung ihren Lauf. Weder mit Gesten, noch mit derben Sprüchen wurde da gespart und ebenso wenig mit dem begeisterten Beifall des Publikums.

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Mit der Devise »dieser Weg wird kein leichter sein«, sei er Bastolomäus (Bastian Starflinger) vom Vatikan aufgebrochen. Er wurde hinausgeschmissen, weil er sich eine goldene Badewanne »tebartzen« wollte und wurde deshalb nach Staudach-Egerndach versetzt, erklärte er.

Die billige Flugreise habe lange gedauert. Der erste Stopp war in Athen. Die Fluggesellschaft Ikarus Insolventus flog zunächst nicht weiter – die Maschine konnte erst nach einem Brüsseler Geldgeschenk wieder abheben. Von Berlin ging es nach Moskau zum demokratisch gewählten Demagogen Putin, der mit Obama Risiko spielt. Die zwei Lausbuben bräuchten einmal eine saubere »Fotzn«, damit sich die beiden Rotzlöffel endlich vertragen, meinte er. Auch erklärte Bastolomäus den Unterschied zwischen »Watschn«, »Schelln« und »Fotzn«, wobei man sich eine Watschn einfängt, eine Schelln ein Geschenk sei, weil man diese bekomme und eine Fotzn zur Dislokation führe, weil man danach nicht mehr an der Stelle stehe, wo die Fotzn stattfand.

Über das Mittelmeer sei er dann geflogen und angesichts der vielen Flüchtlinge in den Nussschalen forderte er eine gemeinsame europäische Asylpolitik. Zudem kritisierte der Mönch auch das Essen an Bord der Flugzeuge, das dank TTIP aus aller Welt komme. Der italienische Chianti wurde im Kreisverkehr von Manhatten angebaut, die Schwarzwälder Kirchtorte stamme aus Texas. Schließlich habe er es bis nach Staudach-Egerndach geschafft.

Hier am Stammtisch habe er erfahren, dass der letzte Fastenprediger das Mönchsdasein an den Nagel hängte, weil er in die Selbstständigkeit wechselte und nun arbeiten müsse. Zudem sei er wohl mit der Feuerwehr verbandelt und es gelang, ein neues Fahrzeug mit Anhänger zu besorgen. Blitzschnell, es dauerte nur zwei Jahre, sei auch der Anhänger dann da gewesen. Zudem wusste er, dass das Feuerwehrfahrzeug gerade auf Bewegungsfahrt war, als es einmal wirklich gebraucht wurde. »Da schauten die Feuerwehrler, als sie im Feuerwehrhaus das Fahrzeug nicht finden konnten!«

Ihm kam auch zu Ohren, dass der wichtigste Ort in der Gemeinde wohl nicht mehr lange da sein werde. Denn angeblich würden mehrere Wertstoffhöfe zusammengelegt. Im ersten Moment höre sich das ja gut an. »Die Staudacher bringen ihren Müll rüber ins Endlager nach Grassau, dahin, wo kein Staudacher tot über den Zaun hängen möchte. Da ist der richtige Platz für den Müll.« Doch der Wertstoffhof sei für die Bürger mehr als ein »Graffiplatz«. Er sei ein Ort der Zusammenkunft und Kommunikation. Seit der Heigenhauser-Jo aufpasse, herrsche auch Ordnung. Ein Bürger, der noch Papier beim Glas gelassen habe, wurde nie wieder gesehen und die Bürgerin, die 257 Teebeutel entsorgen wollte, »sitzt heute noch und entfernt die Metallklammern«. Der Jo führe ein strenges Regiment und wäre der ideale Manager für den neuen zentralen Wertstoffhof.

Er lobte den Trachtenverein für das schöne Gaufest und erinnerte an das Debakel des Peter Schützinger, der sich im Adrenalinrausch im Brückengeländer verfing. Den Bürgermeister schickte Bastolomäus zum Bierzapfkurs zum Üben, »damit das nächste Anzapfen besser gelingt«. Außerdem monierte er, dass das Festbüro zur Dauereinrichtung wurde. Weiter berichtete er von dem renitenten Gratisgockel im Mühlstetter Feld und beschrieb seinen täglichen Weg vom Gasthof Mühlwinkl über das Einkaufszentrum (Bäckerei) vorbei am Kulturzentrum (Atelierfenster) durch parkende Autos zur Werkstatt beim Heizungsbauer und dem Klinikum (Arztpraxis) über den Zebrastreifen zum Schulzentrum, wobei ein herrenloser Jagdhund den Weg kreuzt. »Dieser Weg wird kein leichter sein«, schloss der Fastenprediger seine Rede mit einem Prost. tb