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Diesen Karfreitag klappert eine neue Ratsche

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Die fleißigen Ratschenbauer bei der Arbeit (von links): Simon Fenninger, Simon Lankes, Kilian Ostermaier, Daniel Glaner, Jakob Fenninger und Lukas Poller. Nicht auf dem Bild, aber genauso fleißig waren Andreas Warislohner, Luis Bogner und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Poller. Dass sie alle stolz sind auf ihre schöne Arbeit, beweist die Tatsache, dass sie ihre Namen auf der Ratsche verewigt haben. (Foto: privat)

Wonneberg. Nachdem im vergangenen Jahr die große alte Karfreitagsratsche der Kuratie St. Leonhard den Kräften der Ministranten nicht mehr standgehalten hat, ist eine neue gebaut worden. Am kommenden Karfreitag wird die neue Ratsche vormittags um 10.30 Uhr zum Kinderkreuzweg und nachmittags um 15 Uhr zur Karfreitagsliturgie laut klappern und die Pfarreiangehörigen zum Gottesdienst einladen.


Eine Reparatur der Ratsche, dieses überlieferten, lautmalerischen, technischen Wunderwerks, war als nicht mehr sinnvoll erschienen. Daher hatte Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans Poller den Entschluss gefasst, eine neue Ratsche zu bauen. Unter der großen Ministrantenschar der Kuratie fand er dann auch acht handwerksbegeisterte Buben, die voller Tatendrang mit dabei waren.

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Als erstes war zu klären, wie die neue Ratsche aussehen sollte und wie groß sie werden soll. Zwei Muster standen zur Auswahl und wurden den kritischen Blicken der Junghandwerker unterzogen: Was kann an den Vorlagen vielleicht verbessert werden, und was scheint gut und kann übernommen werden? Über die Größe der Ratsche waren sich die Buben gleich einig: natürlich die größere Variante. Hans Poller wollte eigentlich eine kleinere Ratsche bauen, weil der Lagerplatz in der St. Leonharder Kirche sehr begrenzt ist, konnte sich aber nicht durchsetzen. Letztendlich aber ist die neu geschaffene Ratsche jetzt zerlegbar und nimmt somit auch nicht so viel Platz ein.

An zehn Treffen und bei rund 85 Arbeitsstunden werkelten die jungen Schreiner in der Werkstatt von Hans Poller und an der Drehbank von Thomas Poller. Die größte Herausforderung bestand bei den Treffen darin, dass auch immer alle eine Aufgabe haben sollten. Dank der Holzspenden von Alois Maier-Fenninger, Leonhard Schuhbeck, Andreas Warislohner und Anton Wimmer hielten sich die Materialkosten im Rahmen. Und so gedieh das gemeinsame Werk und wird nun am Freitag seine Premiere erleben – unüberhörbar.

Der Hintergrund dieser Karfreitagsratschen: Ab dem Gloria der Messe am Gründonnerstag bis zur Ostermette in der Nacht auf Ostersonntag schweigen in den katholischen Pfarreien die Kirchenglocken. Stattdessen wird zu genau festgelegten Zeiten geratscht. Und so funktioniert eine (Kasten-)Ratsche: Eine Walze mit unterschiedlich langen Noppen setzt Holzlamellen mit Hammerköpfen in Bewegung, die mit einem Ende an dem »Klangkörper«, also dem Kasten, befestigt sind. Die Hämmer werden beim Drehen der Walze nach oben gedrückt, die Lamellen geraten unter Spannung und federn dann zurück. Der Hammerkopf knallt auf den Resonanzboden und erzeugt dabei erheblichen Lärm – was den Ministranten zu allen Zeiten immer großen Spaß gemacht hat und immer noch macht. he