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»Diese Geschichte hat Gräben aufgerissen«

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Um die Rektorenstelle an der Grundschule in Seeon wird derzeit heftig gestritten. Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts steht noch aus. (Foto: Reiter)

Seeon-Seebruck – Um die Rektorenstelle an der Grundschule in Seeon wird heftig gestritten. Zwei Frauen aus der Gemeinde haben sich beworben: Sabine Pfaffenzeller (45) und Sigrid Rudolph (53). Offiziell ins Amt eingeführt wurde die jüngere der beiden – und das, obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen war. Zweimal hat Sigrid Rudolph erfolgreich Einspruch gegen die Entscheidung der Regierung von Oberbayern eingelegt. Nach erneuter Prüfung der Aktenlage entscheidet diese, dass doch Sigrid Rudolph Rektorin in Seeon werden soll. Dagegen klagt nun wiederum Sabine Pfaffenzeller. Entscheiden wird das Verwaltungsgericht.


Die ganze Geschichte beginnt vor genau einem Jahr. Nach dem Ausscheiden der langjährigen Rektorin Luitgard Schöftenhuber wird die Stelle neu ausgeschrieben. Zu der Zeit ist Sabine Pfaffenzeller stellvertretende Schulleiterin in Seeon, Sigrid Rudolph ist Rektorin in Nußdorf. Im März bekommt Sabine Pfaffenzeller die Zusage der Regierung von Oberbayern, dass sie neue Rektorin in Seeon wird. Dagegen legt Sigrid Rudolph, die viele Jahre Lehrerin in Seeon war, fristgerecht Einspruch vor dem Verwaltungsgericht ein. »Dass Konkurrenten klagen, kommt immer mal wieder vor«, sagt dazu Schulamtsdirektor Otto Mayer. Doch dieser Fall sei schon eher ungewöhnlich.

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»Das ist eine denkbar unangenehme Situation«

Denn nach dem Einspruch von Sigrid Rudolph, dem vom Verwaltungsgericht stattgegeben wird, werden die beiden Frauen nach München zu einem Auswahlgespräch geladen. Erneut kommt die Regierung von Oberbayern zu dem Ergebnis, dass Sabine Pfaffenzeller die Richtige für die Stelle in Seeon ist. Sigrid Rudolph legt erneut Einspruch vor dem Verwaltungsgericht. Während das Verfahren läuft, wird Sabine Pfaffenzeller nach den Sommerferien von Schulrat Klaus Biersack offiziell ins Amt eingeführt – um dann zwei Monate später wieder abgezogen zu werden.

»Das ist natürlich eine denkbar unangenehme Situation«, sagt Sabine Pfaffenzeller, die ebenfalls seit vielen Jahren in Seeon Lehrerin ist. »Die Leute fragen natürlich nach, was da los ist. Man muss klarstellen, dass man nichts falsch gemacht hat und sich nichts zu Schulden hat kommen lassen«, sagt die 45-Jährige. Sie habe kurz vor der offiziellen Amtseinführung sogar noch einmal beim Schulamt nachgefragt, ob das jetzt schon sicher sei. »Irgendwie hatte ich so ein Gefühl.«

Von einem »bedauerlichen Kommunikationsfehler« spricht Regierungsdirektorin Christina Rölz. Sabine Pfaffenzeller sei als Schulleiterin installiert worden, »obwohl der Einspruch aufschiebende Wirkung hatte und eine Installation nicht hätte erfolgen dürfen«. Es sei hier zu einem Missverständnis zwischen der Regierung von Oberbayern und dem Staatlichen Schulamt in Traunstein gekommen, so Rölz. »Als dieser Fehler bemerkt wurde, wurde er umgehend korrigiert.« – Also Sabine Pfaffenzeller wieder von ihrem Amt enthoben.

Doch wie kann es sein, dass die Regierung von Oberbayern zweimal zu einem anderen Ergebnis kommt als das Verwaltungsgericht? »Die erste Entscheidung basierte auf der bis dahin gängigen Praxis, Entscheidungen für Stellenbesetzungen an eine Mindestverweildauer in der Funktionsstelle an einer Schule zu knüpfen, um eine Kontinuität in der neuen Funktion zu gewährleisten«, sagt dazu Regierungsdirektorin Christina Rölz. Heißt konkret: Die Regierung hatte in ihrer Besetzungsentscheidung berücksichtigt, dass Sigrid Rudolph eine Rektorenstelle in Nußdorf hat und diese erst 2013 angetreten ist. »Diese Beurteilung wurde vom Verwaltungsgericht als unzulässig angesehen, sodass die Regierung von Oberbayern diesbezüglich ihre Praxis umgestellt hat«, so Christina Rölz.

Warum sich die Regierung nach dem Auswahlgespräch erneut für Sabine Pfaffenzeller entschieden hat, »können wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen«. Fest stehe allerdings, »dass das Verwaltungsgericht die Auffassung vertrat, dass wir andere Gesichtspunkte hätten heranziehen müssen als wir herangezogen haben«, erklärt die Regierungsdirektorin. Unter Berücksichtigung der rechtlichen Maßgaben des Verwaltungsgerichts habe man sich dann für Sigrid Rudolph entschieden. Diese Entscheidung wurde nun wiederum von Sabine Pfaffenzeller angefochten, »sodass die erneute Entscheidung des Verwaltungsgerichts abzuwarten ist«.

Dieses teilte auf Nachfrage schriftlich mit: »Derartige Konkurrentenstreitverfahren können dazu führen, dass umstrittene Stellen längere Zeit nicht besetzt werden können. Sie sind aber nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung geboten, um einem unterlegenen Bewerber effektiven Rechtsschutz hinsichtlich der Durchsetzung seines Anspruchs auf verfahrensfehlerfreie Vergabe eines Dienstpostens zu gewährleisten.« Mit einer Entscheidung des Gerichts wird in gut acht Wochen gerechnet.

»Wir wollen, dass das Ganze fair abläuft«

»Wir halten uns da raus und schlagen uns auf keine Seite, denn wir wollen, dass das Ganze fair abläuft«, sagt Bürgermeister Bernd Ruth im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Hier gehe es nicht um persönliche Vorlieben, sondern um gesetzliche Vorschriften, die eingehalten werden müssten. Die Gemeinde als Träger der Grundschule sei in regelmäßigem Kontakt mit dem Schulamt und der Regierung von Oberbayern. Ruth findet es schade, »dass das Ganze jetzt so hohe Wellen schlägt und von den Beteiligten Stimmung gemacht wird«. Die Schule habe einen sehr guten Ruf und »diese Geschichte hat Gräben aufgerissen – zwischen Eltern, Lehrern und dem Elternbeirat.«

Derzeit leitet Anita Vorsamer, die Rektorin der Kienberger Schule, die Seeoner Schule mit. »Das ist nicht einfach, denn sie hat ja bereits eine Schule«, sagt Schulamtsdirektor Otto Mayer. Das Ganze sei wirklich ungut. Er hofft, dass es bald eine Entscheidung gibt, damit an der Seeoner Schule wieder Ruhe einkehrt.

Sigrid Rudolph wollte sich zu der Sache nicht äußern und verweist auf das offene Verfahren. »Diese Entscheidung sollten wir abwarten.« KR