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»Die Zeit war der Täter«

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Ohne Lanzenspitze und mit eingefatschter Hand: Der stolze Ritter Lindl auf dem Brunnen am Stadtplatz macht derzeit keine gute Figur.

Traunstein. Mehr dem Ritter von der traurigen Gestalt als dem stolzen Symbol Traunsteins gleicht derzeit der marmorne Lindl, der auf dem gleichnamigen Brunnen auf dem Stadtplatz thront. Das obere Stück der Lanze ist weg, die linke Hand ist notdürftig verbunden.


Hans Zillner vermutete in der letzten Stadtratssitzung, dass der Lindl vor einiger Zeit einen nächtlichen Zweikampf ausgefochten haben könnte. »Der steht da mit einem Notverband, wie man ihn im Erste-Hilfe-Kurs lernt«, fügte Zillner an.

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Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege

Oberbürgermeister Manfred Kösterke klärte auf: »Da war die Zeit der Täter.« Man habe das obere Stück der Lanze entfernen müssen, weil die steinerne Hand im Laufe der Zeit brüchig geworden sei. Zur Sicherheit haben Mitarbeiter der Stadt die Hand eingefatscht. »Die Lanze ist gut bei uns verwahrt«, berichtete der Oberbürgermeister.

Die Stadt habe bereits Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege aufgenommen, um die Voraussetzungen für eine fachgerechte Reparatur und Restaurierung des Traunsteiner Wahrzeichens zu schaffen.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein sicherten drei Brunnen auf dem Stadtplatz die Versorgung der Bürger mit Wasser und waren zudem zentrale Orte der Kommunikation und des sozialen Lebens. Einziger Überlebender des historischen Dreigestirns ist der mittlere oder Lindlbrunnen, neben dem Viadukt heute das Wahrzeichen Traunsteins.

Die lebensgroße Figur schuf 1526 der Steinmetzmeister Steffan aus rotem Ruhpoldinger Marmor. Brunnstube und Umgriff aus Eichenholz wurden jedoch erst im Jahr 1646 durch weißen Stein ersetzt. Bekrönt wird der Brunnen vom Ritter in mailändischer Rüstung. -K.O.-