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Die Wüste wurde lebendig

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Miteinander auf der Bühne standen in der Klosterkirche Frank Stadler (links) und Hossam Mahmoud. (Foto: B. Heigl)

Traunstein. Wenn man eine Karte für das Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele hat und man kurz davor feststellt, dass just an diesem Tag eine beruflich bedingte Doppelbelegung im Kalender steht, ist das normalerweise bedauernswert. Nicht aber, wenn man weiß, dass die Alternative auch nicht ohne ist. Denn Frank Stadler, ein Sohn Traunsteins, der Konzertmeister des Mozarteum Orchesters Salzburg und Gründer des Stadler Quartetts ist, hat sich sozusagen antizyklisch von Salzburg nach Traunstein bewegt, um gemeinsam mit dem Ägypter Hossam Mahmoud in der Klosterkirche ein Konzert mit dem Titel »Atem der Reinheit« für Violine, Oud und Elektronik zu geben.


Nicht ganz überraschend, aber in erfreulicher Weise, entwickelte sich das Konzert in der Klosterkirche hin zu einer Schöpfungsgeschichte arabischer Herkunft. Mit vom Band zugeschalteten, rhythmisch-archaischen Sufi-Gesängen, die auf hunderte Arten den Namen Allahs preisen, beschallte Frank Stadler etwa 20 Minuten das Auditorium, die gefühlte Zeit war aber durchaus länger.

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Nach dieser musikalischen Kartharsis kamen die Musiker in der Klosterkirche unaufgeregt, konzentriert auf die Bühne, zupften und strichen zu Beginn eher verhalten, den Ton scheinbar suchend, auf ihren Instrumenten und atmeten dabei konzentriert abwechselnd hörbar ein und aus. Dazu klang Stadlers Geige manchmal wie eine Schrutibox.

Mit der Zeit wurden die Melodienbögen aber größer, und die Kompositionen – alle von Hossam Mahmoud – gewannen immer mehr an filigraner werdender Komplexität. Die Komposition entstand während seines Aufenthalts in seiner Heimat Ägypten, wo er für das Projekt die Musik und die Gesänge der Sufis aufgenommen hatte.

Immer mehr wurde die Musik zu einer jubelnd erzählten Schöpfungsgeschichte, bei der Frank Stadler seiner Geige die Klänge der geschmeidigen, arabischen Tonsprache entlockte und einem direkt in das Herz hinein spielte. Der trockene, kurze, flirrende Ton der Oud dazu machte den einsamen, geheimnisvollen Klang der Wüste lebendig. Auf seiner Geige spielte Stadler Töne mit großem, langem Atem und atmete selbst nur wenig während seiner musikalischen Versenkung. Die Musik wurde immer kunstvoller und verschlungener.

Und dann, einer der Höhepunkte des Abends in der Klosterkirche, eine Komposition des Nubiers Hamza El Din: Das wunderbare »Mwashah«, das zum Schönsten gehört, was auf dem zur eigenen CD-Sammlung gehörenden Sampler »Desert Blues« mit Musik rund um die Sahara zu finden ist. Die Wiedererkennungsfreude ist groß, und das Stück wurde von den Musikern ohne Abstriche zelebriert, wobei das Tamburin von Hossam Mahmoud kunstvoll zum Einsatz kam.

Das Publikum bestürmte die Musiker mit enthusiastischem Schlussapplaus, erklatschte sich zwei Zugaben und durfte die Komposition des Nubiers noch einmal hören – das zweite Mal aber von Geige und Oud gespielt. heib