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Die Welt in Kirchanschöring scheint in Ordnung zu sein

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Gestaltung mit Blick auf die Zukunft ist ein prägendes Leitmotiv Kirchanschörings. Dafür steht auch das »Haus der Begegnung«, das von aktiven Bürgern für Mitbewohner errichtet worden ist und im April eingeweiht wird. (Foto: Caruso)

Kirchanschöring – In Kirchanschöring ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest machte es in der Bürgerversammlung im Saliterwirt den Eindruck: Es gab nur drei Wortmeldungen, die auch eher als Anregung zu verstehen waren, nachdem Bürgermeister Hans-Jörg Birner seinen Rechenschaftsbericht beendet hatte.


Ein Besucher bat darum, dass die Gemeinde bei der Sanierung des Kernwegenetzes auf dem Streckenabschnitt Röhrmoos – Hausen darauf achten solle, dass sich die Straße ans Gelände anpasst. Ob in nächster Zeit mit einer Sanierung des Feuerwehrhauses zu rechnen ist, wollte ein weiterer Zuhörer wissen. Birner musste ihn enttäuschen, denn »vor dem Jahr 2021 wird diesbezüglich nichts unternommen«. Eine Wortmeldung kam von einem Bürger, der sich über den Flächenfraß in den Dörfern und Städten der Region beklagte. Man müsse die Betonflut eindämmen, die die Dörfer verschandelt. »Unser Bayernland soll erhalten bleiben«, sagte der Mann, der auch genauer erklärt haben wollte, was Birner mit seinem eingangs vorgestellten Projekt »Anders bauen in Kirchanschöring« konkret meine.

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Laut Bürgermeister Birner zwingt die Begrenztheit der Ressource Boden zum Handeln: zur Sparsamkeit des Verbrauchs durch Belebung der Ortskerne. In vielen Dörfern und vor allem in den Ortskernen stünden immer mehr Gebäude leer. Dabei könnten neue Wohnformen für Familien, Ältere oder auch Wohngemeinschaften die Zentren wieder aktiv beleben. Die Entwicklung und Gestaltung des Dorfs sei die Aufgabe der Zukunft.

Leerstände und nicht bebaute Flächen erfasst

Daher habe sich der Gemeinderat im Frühjahr 2017 einverstanden gezeigt, Geld bereitzustellen, um in Kirchanschöring ein Modell zu erarbeiten, das eventuell auch auf die übrigen ILE-Gemeinden am Waginger See übertragbar ist. Geplant ist, mehrere Familien unter ein Dach zu bringen in ortsverträglichen Dichten und zeitgenössischen Bauten, die zugleich ein Bindeglied zur regionalen Tradition herstellen. So könne man zum Beispiel an Stelle von Einfamilienhäusern Gebäude nach dem Vorbild alter Höfe bauen, in denen einst für mehrere Generationen Platz war. Die Gemeinde arbeite seit mehreren Monaten daran, das Projekt vorzubereiten, und habe sowohl Leerstände als auch innerörtliche Entwicklungsflächen, wie etwa nicht bebaute aber erschlossene Baugrundstücke, in einer Datenbank erfasst. Im Mai wolle man laut Birner auch die Bürger ins Boot holen und bei einer Bürgerwerkstatt gemeinsam erste Pläne, Vorschläge und Ideen dafür sammeln.

Auf der Suche nach ähnlich innovativen Wohn- und Entfaltungskonzepten haben Gemeinderäte aus Kirchanschöring und in der Gemeinde tätige Architekten eine Fahrt in den Bregenzer Wald unternommen. Dort lernten sie neben der allgemein geschätzten Holzbauarchitektur dieser Gegend auch spezielle neue Wohnbauprojekte als Alternative zum Einfamilienhausbau kennen. Die machten den Kirchanschöringern Mut, das demnächst an der Hipflhamer Straße entstehende kommunale Wohnhaus in Form eines zweigeschoßigen Gebäudes nach den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens in Hybridbauweise zu verwirklichen. Das passt sich ins Gefüge ein, da auf der anderen Straßenseite mit der ebenfalls in Holz gehaltenen Hans-Straßer-Halle schon ein ähnliches Bauwerk steht.

Acht Mietwohnungen für junge Familien geplant

In dem neuen Geschoßbau bringt man dann acht Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 50 und 100 Quadratmeter unter, die vorwiegend von jungen Familien zur Miete genutzt werden können, erklärte Birner. Das Vorhaben erhält einen großzügigen Zuschuss vom kommunalen Wohnraum-Förderungsprogramm des Freistaats. »Der ist schon fix.« Nun liege der Eigenanteil des Bauvorhabens (ohne Grundstück und Erschließung) nur bei rund 200 000 Euro. »Gut, dass die Gemeinde so frühzeitig reagiert und die Förderung beantragt hat«.

Birner informierte auch über weitere Investitionen. Die wohl größte sei die modernisierende Umgestaltung der Sportanlagen für rund 750 000 Euro. Das Vorhaben sei in keinster Weise gefährdet, obwohl die Finanzlage für 2018 und 2019 vom bisher gewohnten Niveau der vergangenen Jahre mit sehr guten Einnahmen abweiche. »Denn der zweitgrößte Gewerbesteuerzahler in Kirchanschöring hat Insolvenz angemeldet.« Man könne zwar den Verwaltungshaushalt immer noch vernünftig ausgleichen, aber die Zeit der großen Rücklagenbildung sei für die nächsten zwei Jahre wohl vorbei.

Zu den größten Maßnahmen, die der Finanzplan 2019 bis 2021 vorsieht, gehören auch die Sanierung des Schulgebäudes samt Turnhalle (2,8 Millionen Euro), der Hochwasserschutz (1,25 Millionen Euro) und der Grunderwerb (1,5 Millionen Euro).

»Haus der Begegnung« wird bald eingeweiht

Mit dem »Haus der Begegnung« stellt man das bislang umfangreichste Bauprojekt in der Geschichte Kirchanschörings demnächst fertig. Das Haus wird am 20. April offiziell seiner Bestimmung übergeben. Am Tag darauf findet ab 10 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.

Gegenstand der Rede Birners waren unter anderem auch der Hochwasserschutz in Rothanschöring und am Rodingbach, das Instandsetzen von Straßen und Wegen samt der Kernwegesanierung, die Umgestaltung des Alten Schulhauses in Kirchstein, das Beheben des kommunalen Kassenproblems, der Breitbandausbau und die Begegnungen mit Bürgern aus Lichnowy.

Alle weiteren kommunalpolitischen Themen können im kommunalen Jahrbuch 2017, das die Gemeinde Kirchanschöring heuer zum ersten Mal herausgegeben hat, im Detail nachgelesen werden. Die knapp 80-seitige Broschüre liegt im Rathaus aus und kann kostenlos mitgenommen werden. ca