weather-image
28°

»Die Vielfalt macht's, wie überall im Leben«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
So sieht ein typischer Vertreter der Rasse Leonharder aus, wie hier der inzwischen Zweijährige Leonhards Baltasar (F1). (Foto: Abfalter)

Grabenstätt. Für ein bisschen verrückt erklärt wurde Hans Abfalter nicht erst einmal in seinem Leben. »Aber das muss dir egal sein, wenn du selber weißt, was du willst«, sagt er selbst dazu. Immer wieder geht er seinen eigenen Weg, den wohl nur wenige gehen würden. Und immer wieder behält er am Ende recht – so auch mit seiner Pferdezucht. Denn nicht jeder schafft es, drei Pferderassen miteinander zu kreuzen und das Zuchtprodukt vom Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen anerkannt zu bekommen.


Schon als Kind hatte er mit Pferden zu tun

Anzeige

Als Sohn eines Landwirts arbeitete er schon als Kind mit den Arbeitspferden seines Vaters – »mit sieben, acht Jahren sind wir am Leonhardiritt in Holzhausen mitgeritten. Wir haben auch Holz gemacht mit den Pferden.« Auch wenn er beruflich zunächst nichts mit Pferden zu tun hatte, so ganz ließen ihn die edlen Tiere doch nicht mehr los. Nach der Landwirtschaftsschule lernte er einen kaufmännischen Beruf in der Molkerei in Piding und der Bank. Dann arbeitete er bei der Bausparkasse als »Finanzierungsspezialist und Problemlöser über viele Jahre«, wie er sich im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erinnert. Den einen oder anderen Hof konnte er retten helfen. In seiner Zeit als Immobilienhändler wurden ihm schließlich das damals gerade abgebrannte Hotel Mauthäusl in Schneizlreuth und die damals völlig marode Quelle bei Rosenheim angeboten – in beide investierte er viel Geld, Arbeit und Liebe, und machte sie schließlich zu florierenden Betrieben.

Durch seine Leonhards-Quelle bereits mit gesunden Lebensmitteln befasst, sprang er auf Zeitungsberichte über Stutenmilch und Ziegenmilch und deren gesundheitsfördernde Wirkung an. »Da war mir klar, irgendwann mach ich das.«

Bei einem Ausflug nach Wels ersteigerte er seine ersten vier Haflinger-Stuten. »Ich wollte einfach sehen, ob ich mich mit den Viechern noch anfreunden kann«, sagt er und lacht. Und ja, er konnte sich mit ihnen anfreunden. Auf einem Bauernhof in Grabenstätt begann er, Pferde zu züchten. Natürlich war ihm klar, dass etwa die Hälfte der Fohlen Hengste sein würden – und Hengstfohlen zu verkaufen, klappt leider nicht immer. »Aber ich wollte sie ja nicht für den Metzger züchten – das tu ich nicht – und so kam ich auf die Idee, eine eigene Rasse zu züchten.«

Inzucht ist ihm von Haus aus ein Greuel

Vom Haflinger wollte er die guten Melkeigenschaften, aber er wollte mehr Farbe. Also kaufte er seinen ersten Welsh-Cob-Hengst, den dunkelbraunen Elitehengst Chery Bronco. An dem inzwischen 23 Jahre alten Hengst schätzt Abfalter besonders sein ehrliches Wesen, das er durchschlagend weiter vererbt.

Inzucht ist ihm von Haus aus ein Greuel: »Die haben oft Fehlstellungen, Gelenkprobleme, sie sind anfällig für Krankheiten. Ich wollte stabile, gesunde Pferde. Ich wollte das Beste von allem durchmischen, und das nicht zwecks der Gaudi. Die Vielfalt macht's, wie überall im Leben.«

Und so mussten weitere Welsh-Cobs her, nur von bester Qualität natürlich. Zum Teil stammen sie vom Meisterhof von Robert Nutz aus Teisendorf – wie etwa der achtjährige »Meisterhofs Meteor«. Der siebenjährige »Nebo Duke« stammt direkt aus Wales. Beide sind selbstverständlich gekört und hengstleistungsgeprüft in München-Riem.

Doch das ging Abfalter alles noch nicht weit genug, und er beschloss, zur Veredelung noch spanische Pferde mit einzukreuzen. So hat er also derzeit etliche Haflinger-Welsh-Cob-Mischungen im Stall, Stuten der sogenannten F1-Generation also, von denen er die Milch gewinnt. Es sind freundliche Pferdchen mit stabilen Rücken, darunter viele hübsche Braune und ein paar Rappen.

Die Fohlen der F2-Generation – ihr Vater ist der 14-jährige spanische Schimmelhengst Naviero 3, sowohl bayerisch als auch spanisch gekört und hengstleistungsgeprüft in München-Riem – werden wie ihre Mütter etwa eineinhalb Stunden vor dem Melken im Stall angebunden, damit sie nicht saugen können. Am Putzplatz ruhig stehen bleiben und sich benehmen, wird für sie sicher mal kein Problem sein. Auch achtet Abfalter darauf, dass sie von Anfang an lernen, ihre Hufe brav aufzuheben und sich am ganzen Körper berühren zu lassen. »Die müssen ja später beim Tierarzt und beim Schmied auch anständig sein.«

Kurz bevor das Melkzeug ans Euter der Stute gehängt wird, dürfen die Fohlen ganz kurz einen Schluck nehmen, um die Milchproduktion anzuregen, werden dann aber wieder angebunden. Etwa ein Liter Milch pro Stute wird gemolken, ehe sie und ihr Fohlen wieder hinaus dürfen auf die Weide. »Gute Stuten geben etwa 20 Liter Milch am Tag, wir melken sie vier- bis fünfmal, der Rest bleibt den Fohlen« – die nicht aussehen, als müssten sie irgendetwas entbehren. Zumal sie in den ersten vier bis sechs Wochen die Milch völlig für sich haben. »Die Fohlen müssen ja erst ein bissl Fleisch ansetzen«, sagt Abfalter.

Natürlich war man am Anfang beim Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen nicht begeistert von Abfalters Plänen, da könnte ja jeder kommen. Aber Abfalter ist eben nicht jeder: »Zuchtleiterin Claudia Sirzisko war offen dem Ganzen gegenüber, als ich ihr erklärt habe, warum ich das machen möchte«. Und so erfolgte 2011 die offizielle Anerkennung der Rasse Leonharder. Auch andere Pferdezüchtern waren erst einmal skeptisch. Doch selbst seine Kritiker müssen zugeben, dass er schafft, was vielen von ihnen verwehrt bleibt – Hengstfohlen statt zum Metzger zur Aufzucht und Ausbildung verkaufen zu können. Zum Teil sind sie sogar bereits vorbestellt.

Die junge Rasse muss sich erst noch bewähren

Um künftig auch ausgebildete Jungpferde anbieten zu können, will er bald noch eine Reithalle bauen. Denn die noch junge Rasse muss ihre Reiteigenschaften erst einmal auf lange Sicht beweisen. Zuchtziel ist ein gutmütiges und vielseitiges Freizeitpferd, das sich auch für Kinder eignet. Käufer und Ausbilder seien bisher sehr zufrieden, sagt Abfalter. »Aber ich muss ja auch selber etwas nachweisen können.«

So langfristig, wie der bald 72 Jahre alte »Hans Dampf in allen Gassen«, wie er sich selbst lachend bezeichnet, plant, darf man gespannt sein, was ihm als Nächstes einfällt. »Das ist noch lange nicht alles. Die Geschichte von morgen hab ich schon im Kopf.« Am Ende wird er sicher recht behalten mit seiner Einschätzung: »Du musst aus Interesse etwas machen, dann läuft's von selber.« Wie er mit seiner Pferdezucht bewiesen hat. coho