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Die turbulenten Jahre von 1990 bis 2002

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Die kommunalpolitischen Herausforderungen der Jahre 1990 bis 2002 dokumentiert ein neuer Film über den Landkreis. Damit wird die Arbeit von Altlandrat Jakob Strobl gewürdigt. Weitere Fotos von der Erstaufführung der Dokumentation gibt es im Internet unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Die teils doch sehr turbulente Zeit des Landkreises Traunstein in den Jahren 1990 bis 2002 wurde in einem Film festgehalten. Am Mittwochabend fand die Erstaufführung der Dokumentation, die gleichbedeutend mit der Amtszeit von Altlandrat Jakob Strobl ist, vor gut 100 geladenen Gästen im Landratsamt Traunstein statt.


Im vergangenen Jahr wurde das Buch »Der Landkreis Traunstein von 1945 bis 1990« von Gerd Evers neben einem dazugehörigen Film vorgestellt, in dem es auch um die Ära von Altlandrat Leonhard Schmucker geht. Der 94-Jährige sah nun auch die Dokumentation über seinen Nachfolger.

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»Wende zum Guten«

Der scheidende Landrat Hermann Steinmaßl sagte mit Blick auf die Weltgeschichte und die deutsche Geschichte, das vergangene Jahrhundert habe mit zwei Weltkriegen und zwei Diktaturen in Deutschland und später auch in der DDR dramatische und schlimme Entwicklungen gebracht. Ab dem 9. November 1989 habe es eine »Wende zum Guten« gegeben. Für den Landkreis seien es aber zum Teil sehr turbulente Jahre gewesen – und das nicht nur, weil auf den Straßen im Landkreis plötzlich Trabis »heimisch« wurden. Gerade in den 1990er Jahren habe es für Landrat Strobl viele Probleme gegeben, die gelöst werden mussten. Exemplarisch nannte Steinmaßl das Fertigwerden mit den dramatisch zunehmenden Müllbergen, die schließlich in dem Bau der Müllverbrennungsanlage in Burgkirchen endeten oder den Zusammenschluss der Kliniken in Traunstein und Trostberg. Auch der Kosovokrieg und seine Folgen, die bis in den Landkreis hineinreichten, wurden in dem Film gestreift.

Steinmaßl zeigte sich von der Notwendigkeit des Befassens mit der Geschichte überzeugt: »Wer die Gegenwart und die Zukunft gestalten will, muss sich mit der Vergangenheit befassen«. Die nun durch ein Team um die Filmemacher Eva Maria Borgard und Gerhard Guggenbichler vorgenommene filmische Dokumentation sei kein Selbstzweck, sondern ein Bildungsauftrag. Er hoffe, dass der Film für zukünftige Generationen wertvoll sei.

Eva Maria Borgard sagte, sie habe sich zwei Jahre mit dem Thema beschäftigt. Akten und Kreistagsprotokolle wurden gewälzt sowie 60 Gespräche mit Zeitzeugen geführt, von denen im Film 33 mitwirkten. Sie lobte die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Altlandrat Jakob Strobl und seiner Ehefrau Heidi, aber auch der im Film maßgeblich zu Wort kommenden Expertenrunde mit Fachleuten aus der regionalen Politik und Wirtschaft. Die Mitarbeiter im Landratsamt bekamen genauso ihr Lob, wie auch Siegi Götze (Erzählstimme) und Thomas Hartmann, der die passende Musik zu dem Film beisteuerte.

Unter dem Schmunzeln und dem Applaus gab es zum Schluss in der Dokumentation fast noch eine kleine Liebeserklärung von Heidi Strobl an ihren Ehemann: »Er ist ehrlich und pünktlich – und I mogn einfach!« Der Applaus der Anwesenden galt einerseits der gelungenen Dokumentation über den Altlandrat als Person und der Zeit von 1990 bis 2002 im Landkreis im Allgemeinen, andererseits aber auch dem erfolgreichen Wirken des beliebten ehemaligen Kommunalpolitikers. Vor seiner Zeit als Landrat war Strobl 1. Bürgermeister in Reit im Winkl.

»Wohlwollender Bericht und sagenhafte Entwicklung«

Dieser bedankte sich in seiner kurzen Ansprache für den »wohlwollenden Bericht« und stellte die »sagenhafte Entwicklung« des Landkreises heraus. Er habe in seiner Tätigkeit auf die Leistungen seines Vorgängers Leonhard Schmucker aufbauen können. Er hoffe, dass der künftige Landrat Siegfried Walch eine Dokumentation über den Zeitraum von 2002 bis 2014 in Auftrag gibt, was dann ja mit der Amtszeit seines Nachfolgers Hermann Steinmaßl identisch ist.

Der Landkreis Traunstein plant, neben dem Film, die Berichtszeit auch in einem Buch zusammenzufassen. Mittelfristig sollen beide dann auch zu Dokumentations- und Bildungszwecken in der Region eingesetzt werden. Der Film kostete rund 30 000 Euro und wurde von Landrat Hermann Steinmaßl in Auftrag gegeben. Das Budget ist aus dem Kultur- und Heimatpflegehaushalt. awi