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Die Traunreuter Brücke stellt ihre Arbeit ein

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Vera Scheffler, auf deren Initiative hin 2001 die Traunreuter Brücke gegründet wurde, hört auf. Für ihre Nachfolge hat sich bislang niemand gefunden, weshalb die Brücke ab Januar ihre Arbeit einstellt. (Foto: Mix)

Traunreut – Eine segensreiche Einrichtung in Traunreut steht vor dem Aus: die Traunreuter Brücke stellt ihre Arbeit ein, ab Januar wird es vorerst keine Sprechstunden der Brücke mehr geben. Die im März 2001 auf Initiative von Vera Scheffler gegründete Brücke hat seither vielen Menschen geholfen, die in Not geraten waren oder Unterstützung der unterschiedlichsten Art brauchten. Nun hört Vera Scheffler auf und hat bisher niemand gefunden, der ihre Nachfolge antreten kann und will.


Die Traunreuter Brücke war von Anfang an als Hilfseinrichtung für alle gedacht, egal welcher Herkunft oder Religion, sie wollte »eine Brücke schlagen zwischen den Behörden und den Menschen«. Vera Scheffler war lange Jahre im Sozialamt der Stadt und anschließend im Steueramt tätig. Sie kennt sich von Berufs wegen bestens mit den Bestimmungen aus und hat gute Kontakte zu den Behörden.

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»Wollte den Menschen Unterstützung geben«

Damals vor mehr als 16 Jahren wurden immer wieder Anfragen von Bürgern an sie herangetragen, ob sie nicht helfen könne beim Ausfüllen eines Antrags oder sonstigen Belangen. »Ich wollte nicht nur meinen Job am Schreibtisch erledigen, sondern den Menschen helfen und Unterstützung geben, die niemanden haben«, erzählt sie heute. Pfarrer Thomas Schlichting habe ihre Idee zur Gründung der Brücke mit regelmäßiger Sprechstunde im Pfarrheim damals ausdrücklich begrüßt und sie darin voll unterstützt.

Nachfrage nahm stetig zu

Die Nachfrage nach den Hilfen der Brücke, zu der neben Vera Scheffler vier bis fünf weitere Ehrenamtliche gehörten, nahm stetig zu, der Andrang in den wöchentlichen Sprechstunden war oft enorm. Zwischen 15 und 20 Familien kamen mit den unterschiedlichsten Anliegen. Manches Mal mussten einige unverrichteter Dinge nach Hause gehen, weil sie bei dem Andrang nicht dran kamen. Für aufwändigere Beratungen wurden zusätzliche, separate Termine vereinbart, wo sich die Ehrenamtlichen mehr Zeit für die Einzelnen nehmen konnten.

Manchmal waren es große Probleme, manchmal auch nur Kleinigkeiten, die die Menschen in ihrer Not einfach nicht mehr selber regeln konnten, weil sie nicht wussten, wohin sie sich wenden konnten, oder nicht die Kraft dazu hatten. Dabei kamen die Hilfesuchenden nicht nur aus dem Stadtgebiet, sondern teils auch aus umliegenden Gemeinden. Neben der Hilfe im Umgang mit Behörden konnten die ehrenamtlichen Helfer auch immer mal die ärgste Not mit gespendeter Kleidung lindern, übernahmen mitunter die Stromkosten, bevor ihre Klienten in der dunklen und kalten Wohnung sitzen mussten, halfen bei Räumungsklagen und bei vielen anderen Sorgen und Nöten.

Eingeführt wurde auch die jährliche Aktion, bei der Pfarreiangehörige über 80 Jahre im Advent einen Weihnachtsstern bekommen, und die Kinder der betreuten Familien freuten sich immer über die Geschenke bei der eigens für sie ausgerichteten Weihnachtsfeier. Dank der im Laufe der Zeit immer mehr werdenden Spenden für die Brücke hatten Vera Scheffler und ihr Team die nötigen Mittel, um auf vielfältige Weise zu helfen. Sie ist allen diesen Spendern überaus dankbar dafür.

Die Arbeit hat Vera Scheffler über die Jahre hinweg Freude gemacht und bei allen auftretenden Schwierigkeiten auch viel gegeben: »Ich hatte von Anfang an eine große Liebe zu diesen Menschen, habe sie getröstet, sie verstanden, auch mal in den Arm genommen.« Viele schlimme Schicksale habe sie gesehen, den Menschen aber auch immer vermitteln können: »Hier bist du richtig, hier wirst du angenommen.« Schön sei es immer wieder, wenn sie auf der Straße von Menschen angesprochen wird, denen sie helfen konnte und die sich überschwänglich bei ihr bedanken. 2010 erhielt sie den Bürgerpreis des Landkreises Traunstein als Anerkennung für ihr großes, ehrenamtliches Engagement.

Würde Nachfolger einarbeiten

In den letzten beiden Jahren wurde es jedoch für Vera Scheffler zunehmend anstrengender und beschwerlicher, oft war sie nach der Sprechstunde völlig kaputt und hatte teilweise auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Da sie nun in Rente gegangen ist, möchte sie auch mehr Zeit mit ihrem Mann Gerd verbringen, der schon länger nicht mehr arbeitet, und mit ihrer Familie. Schon seit Wochen hat Vera Scheffler versucht, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden, hatte jedoch keinen Erfolg. Nach wie vor wäre sie aber bereit, jemanden einzuarbeiten, der die Brücke übernehmen will, und hofft noch immer, dass sich jemand findet.

»Es entsteht hier eine große Lücke«

Auch Pfarrer Tauchert weiß im Moment nicht, ob und wie es mit der Brücke weitergeht. »Es wird nicht leicht, jemanden zu finden, der sich so einsetzt wie Vera Scheffler. Wir können das nicht auffangen, es entsteht hier eine große Lücke«, betont er. Auch er wäre froh, wenn es weiterginge: »Natürlich brauchen wir solche Leute, die sich um Bedürftige kümmern.« Allerdings sei es generell sehr schwierig, jemanden zu finden, der ehrenamtlich in der Pfarrei mitarbeiten will. Das merkt der Pfarrer derzeit auch bei der Suche nach Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl.

Unklar ist außerdem, was mit den Geldern passiert, die als Spenden für die Brücke eingegangen sind und noch immer eingehen. Sie sind zweckgebunden und können nur für Bedürftige ausgegeben werden. »Ich denke, wir werden eine Lösung dafür finden«, betont Thomas Tauchert zuversichtlich und ist dankbar für jeden Hinweis auf Menschen in der Stadt, die Hilfe brauchen und die man damit unterstützen könnte. mix

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