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Die Tenglinger machen wieder Theater

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Leisa Marotti (Julia Helminger) verdreht Toni (Wolfgang Mayer, links) und Karl-Otto Klippenstein (Markus Comes) im Handumdrehen gehörig den Kopf. (Foto: Aßmann)

Taching am See – Alles neu bei der Theatergruppe Tengling: Mit neuer Bühne, neuem Standort und neuem Stück begeistern die Akteure nach einjähriger Abstinenz derzeit ihr Publikum. Regisseurin und Darstellerin Renate Frisch hat das Lustspiel »D’Moral is beim Deifi« von Ulla Kling hinreißend in Szene gesetzt und führt das gesamte Ensemble zu schauspielerischen Glanzleistungen. Von den Zuschauern gab es dafür immer wieder spontanen Szenenapplaus. Der Andrang im Bergwirt in Taching war so riesig, dass zusätzlich bestuhlt werden musste.


Veit (Rainhart Neumann), ein ortsbekannter Moralapostel, und Fanni (Roswitha Wagner) bewirtschaften gemeinsam seit vielen Jahren eine Almhütte. »Wo keine Sitte herrscht im Haus, geht da Deifi ein und aus, den hau´n ma naus« steht in großen Lettern über der Eingangstür. Die Unterkünfte sind deshalb streng geordnet nach Manner-, Weiber- und Eheleut´. Doch drei fröhliche Pärchen stellen Veits Sittenstrenge auf eine extrem harte Probe. Gretl (Jutta Kraller) und Michi (Christoph Wamsler), Franzi (Stefanie Zehentner) und Toni (Wolfgang Mayer) sowie Paula (Renate Frisch) und Peter (Stefan Fellner) scheinen geradezu auf die Moral zu pfeifen.

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Als hätte Veit mit dem »unsittlichen« Sextett nicht schon genug Ärger, stolpern auch noch Rosine und Karl-Otto Klippenstein (Monika Gierlinger und Markus Comes) in die Hütte herein. Das Urlaubspaar aus dem hohen Norden möchte in den Bergen seinen Urlaub verbringen, doch insbesondere Rosine – aufgezäumt wie eine Kuh beim Almabtrieb mit Festtagsdirndl und Stöckelschuhen – hadert mit der Umgebung und den Einheimischen, was nicht nur auf die Sprachbarrieren zurückzuführen ist. »Man weiß ja, wo man ist: in Bayern«, stänkert sie mit piepsiger Stimme ohne Unterlass.

Nach einer turbulenten Nacht drängen Peter, Michi und Toni ihre Begleiterinnen am Morgen zum zeitigen Aufbruch. Doch als urplötzlich die aufgetakelte, völlig überdrehte »Leisa Marotti« (Julia Helminger) vor ihnen steht, haben es die drei Männer gar nicht mehr eilig. Im Gegenteil: Sie täuschen alle möglichen Wehwehchen vor, um nicht weiterwandern zu müssen und dem vermeintlichen Hollywood-Filmsternchen, das gerade an dem epochalen Werk »Lodernde Flammen in heißem Sand« arbeitet, schöne Augen machen zu können. Auch Veit ist völlig außer sich – allerdings aus anderem Grund: »Heilige Dreifaltigkeit, das ist ja die leibhaftige Lasterhaftigkeit«, poltert er.

Mit Hilfe der resoluten Fanni hecken Paula, Franzi und Gretl einen listigen Plan aus, um ihre Partner wieder auf den richtigen Pfad der Tugend zu bringen. Als dann auch noch der »Holzhacker-Casanova« Gustl (Hans Steiner) aufkreuzt, ist d’Moral wirklich beim Deifi...

Die Aufführung ist gespickt mit feinem Wortwitz und hintersinnigem Humor und die Theatergruppe Tengling agiert mit leidenschaftlicher Spielfreude. Für deftige Situationskomik sorgen Rainhart Neumann als knurriger Veit und Roswitha Wagner als charmant-spröde Fanni. Ebenfalls stets die Lacher auf ihrer Seite haben die herrliche Monika Gierlinger als ewig lästernde Rosine und Markus Comes als geschwätziger Karl-Otto Klippenstein. Julia Helminger überzeugt als aufgedonnerte und total überspannte »Leisa-Lisl« und Hans Steiner mimt authentisch den spitzbübischen Gustl.

Äußerst wandlungsfähig zeigen sich Renate Frisch, Stefanie Zehentner und Jutta Kraller, wenn sie energisch und mit starker Ausdruckskraft um ihre Männer kämpfen, während Stefan Fellner, Wolfgang Mayer und Christoph Wamsler listig-durchtrieben und schelmisch-verschmitzt die »Krönung der Schöpfung« verkörpern.

Dem Publikum wurde ein gelungener Theaterabend voller Frohsinn und Heiterkeit geboten. Für die Maske zeichnete Renate Oppacher-Babl verantwortlich und Katharina Bauer war als Souffleuse immer auf der »Höhe des Geschehens«, musste aber keinem der Darsteller »auf die Sprünge« helfen. »D’Moral is beim Deifi« wird nochmals an diesem Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr aufgeführt.

Da beide Termine aber so gut wie ausverkauft sind, schiebt die Theatergruppe am ersten Adventsonntag noch eine Aufführung nach. Dann hebt sich der Vorhang im Bergwirt bereits um 18 Uhr. Plätze können montags bis freitags von 18 bis 21 Uhr bei Kathi Frank unter Telefon 0151/25793491 reserviert werden. mia