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Die Tafel im Achental hat ab sofort neue Räume

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Die neuen Räume der Achental-Tafel sind am nördlichen Ortsausgang an der Hauptstraße in Marquartstein untergebracht. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Ab dem heutigen Samstag kann die Achental-Tafel zum ersten Mal ihre neuen Räume am Ortseingang in den ehemaligen Schlecker-Räumen nutzen. Die Gemeinde hat die neue Bleibe in diesem Jahr für das soziale Projekt gekauft, da die bisherigen Räume im Untergeschoß des Rathauses schon lange zu eng geworden waren und vor allem der Transport der Lebensmittel für die Mitarbeiter über eine kleine Außentreppe am Rathaus sehr beschwerlich war. Eigentlich war geplant, die Tafelräume im künftigen Bürgerhaus unterzubringen, dies konnte jedoch aus Kostengründen nicht realisiert werden.


VR-Bank spendet 1400 Euro für neuen Kühlschrank

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Die neuen Räume an der Hauptstraße sind mit 170 Quadratmetern ebenerdig, hell und großzügig angelegt. Mindestens fünf große Kühlschränke, die im Laufe der Zeit durch Spenden angeschafft werden konnten, sind in Betrieb, um die Lebensmittel besser aufbewahren zu können. Pünktlich zum Einzug in die neuen Räume haben die Achental-Filialen der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee 1400 Euro für die Anschaffung eines neuen Kühlschrankes gespendet.

Bereits seit über neun Jahren gibt es die Achental-Tafel wie Dieter Pick erzählt, der die Einrichtung von Anfang an organisiert hat. Zu Beginn waren es rund 60 Nutzer, die sich mit gespendeten Lebensmitteln versorgten. Doch die Zahl erhöhte sich schnell in den darauf folgenden Jahren. Heute werden durch die Tafel etwa 160 Personen, vom Baby bis zum Senior, versorgt.

Diakon Michael Soergel von der Erlöserkirche ist dafür zuständig, Berechtigungsscheine auszustellen. Alle Personen, die nachweisen, dass sie kein höheres Einkommen als den derzeit gültigen Sozialhilfesatz haben, können Gebrauch von der Tafel machen. »Die Dunkelziffer der Leute, die die Tafel eigentlich bräuchten, ist viel, viel höher«, davon ist nicht nur der Diakon überzeugt. Die Scheu aber, gerade im dörflichen Umfeld, wo jeder jeden kennt, ins Gerede zu kommen, ist offensichtlich immer noch groß. »Manche hätten es dringend notwendig, aber trauen sich nicht«, sagt Dieter Pick.

Träger der Achental-Tafel ist die Diakonie; die Gemeinde Marquartstein stellt die Räume, Strom und Heizung zur Verfügung. Jeden Samstag ist Essensausgabe. Schon mehrere Stunden vorher müssen die Helfer bereits kräftig zulangen. Alles ist genau organisiert: Die Nahrungsmittel werden kurz vor Geschäftsschluss am Samstag, bei manchen auch schon am Freitagabend, von den Geschäften abgeholt, aussortiert und in dem großen Ausgaberaum möglichst appetitlich präsentiert.

35 ehrenamtliche Helfer im Einsatz

Die insgesamt etwa 35 ehrenamtlichen Helfer zwischen 30 und 75 Jahren, großteils Frauen, sind in vier Gruppen eingeteilt, sodass alle vier Wochen eine Gruppe dran ist. Durchschnittlich werden sieben Helfer pro Schicht benötigt, die dann auch alle Hände voll zu tun haben.

Dank der Mitarbeit vieler Geschäftsleute im Achental und auch in Reit im Winkl gibt es meistens genügend Nahrungsmittel, sodass es für alle Bedürftigen reicht. Die Tafel gibt dabei nur Lebensmittel weiter, die nach den EU-Richtlinien nicht mehr in den Handel gelangen dürfen, aber noch einwandfrei brauchbar sind.

Neu ist, dass die Tafelbenutzer pro Essensausgabe einen Euro bezahlen müssen. »Der Grund ist, dass wir Ausgaben haben, die gedeckt werden müssen«, erklärt Brigitte Sperling, die von Anfang an bei der Tafel mitgearbeitet hat. Zum Beispiel muss das Verpackungsmaterial bezahlt werden. Für den Normalverbraucher schwer verständlich – es dürfen zum Beispiel keine gebrauchten Eierkartons verwendet werden – wegen der Hygienevorschriften.

Besonders wichtig ist es Tafelleiter Dieter Pick, dass alle Helfer strikt vertraulich arbeiten, sowohl Kunden als auch Lieferanten betreffend. Trotz der anstrengenden Arbeit sind viele Helfer seit Jahren mit Freude dabei, weil sie erleben, dass sie etwas Sinnvolles tun und wirklich helfen können, hat Brigitte Sperling erfahren.

Generelles Ziel ist es, vorübergehende Hilfe zu leisten, damit die Leute wieder ohne Tafel leben können. Das gelingt allerdings nicht immer. Viele Tafelbenutzer kommen zwar nur vorübergehend, bis sie sich ihre Situation geändert hat oder sie eine neue Arbeit gefunden haben. Es gibt aber auch alte Leute, die seit Jahren regelmäßig kommen und wohl ohne die Tafel nicht auskommen könnten. gi