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Die Segge ist die Staude des Jahres 2015

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Die »Bowles Golden«-Segge leuchtet bei Sonnenlicht am Teichrand und harmoniert mit der intensiven Blütenfarbe der Sumpfdotterblume.
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Ein Gras, das für Botaniker kein »echtes Gras« ist, als Staude des Jahres? Was hat sich der Bund deutscher Staudengärtner denn dabei gedacht! Das könnte man im ersten Moment denken, denn prächtige Blüten oder einen zarten Duft sucht man bei der Gattung der Seggen vergeblich. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch schnell klar, wie die Staudenprofis zu ihrer Entscheidung gelangt sind.


Seggen sind Weltenbummler und das schon seit mehr als 30 Millionen Jahren, wie fossile Pflanzenfunde beweisen. Besonders viele der geschätzten 1000 Arten stammen allerdings aus Nordamerika und Ostasien. Zu den vielen Vorzügen der Seggen gehören ihr malerischer Wuchs, ihre Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit.

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Vielseitig in Gestalt und Standortansprüchen

Jede Segge ist für sich ein kleines Kunstwerk. Die dreireihig angeordneten schmalen bis breiteren Blätter wachsen elegant bogig überneigend. Sie bilden dichte Horste, dank derer sie als Einzelpflanze im Topf ebenso attraktiv aussehen wie am Beetrand oder mitten in der Rabatte. Und das, obwohl die Zwerge unter den Seggen gerade einmal 5-10 Zentimeter hoch werden, etwa die Haarstielige Segge. Selbst die gerne als »Riesen-Segge« bezeichnete Hänge-Segge, die mit ihren bis zu 120 Zentimetern hohen Blütenständen als eine der größten Arten gilt, ist im Gräserreich größentechnisch eher Mittelmaß.

Dafür bietet die Gattung eine unglaubliche Palette an Grüntönen in allen nur erdenklichen Abstufungen. Neben Gelbgrün und sattem Dunkelgrün bis hin zu Blau- und Graugrün gibt es auch rötliche Varianten, etwa die Sonne liebende Fuchsrote Segge. Die Weißbunte Zwerg-Segge und die Japan-Gold-Segge punkten mit ihrem auffälligen Farbenspiel und sind noch dazu, wie viele Seggen, immergrün. Wie alle gestreiften und immergrünen Sorten mögen sie keine intensive Sommersonne und bevorzugen deshalb einen Standort im lichten Schatten von Gehölzen.

Fast alle hierzulande erhältlichen Arten und Sorten zeichnen sich durch eine gute Forsthärte aus. Vor allem aber findet sich für nahezu jeden Platz eine Art, die dort exzellent wächst. Die meisten Seggen bevorzugen zwar frischen Boden, also ein gutes Mittelmaß an Feuchtigkeit, aber es gibt auch Arten für die Extreme: Der zart anmutenden Winkel-Segge machen nasse Füße gar nichts aus, im Gegenteil. In der Sumpfzone am Teichrand fühlt sich die Blattschönheit wohl. Die Sand- oder Nähmaschinen-Segge hingegen liebt trockene, durchlässige Standorte.

Im Garten und in Grünanlagen haben Seggen vor allem deshalb viele Fans, weil zahlreiche Arten und Sorten selbst im tiefsten Schatten von Bäumen und Gehölzen noch gedeihen. Für Flächenpflanzungen kommen ausläuferbildende Exemplare wie die weiß gestreifte Japan-Segge »Icedance« infrage. Die meisten Arten setzen jedoch – mit etwas Abstand einzeln oder in losen Gruppen gepflanzt – mit ihrer klar strukturierten Form sowohl in puristisch gestalteten als auch in naturnahen Pflanzungen Akzente.

Neben Seggen pflanzt man Frühblüher wie Schneestolz oder Hasenglöckchen sowie niedrige Bodendecker, wie die Haselwurz, die mit ihren rundlichen immergrünen und glänzenden Blättern einen reizvollen Gegensatz zu den filigranen Halmen bildet. Auch Waldmeister, das schwachwüchsige Weiße Immergrün oder flach wachsende Elfenblumen bilden einen dichten Blätterteppich, über dem sich die fontänenartige Gestalt der Seggen gut abhebt. Auch mit Funkien oder den in vielen Farbvarianten erhältlichen Purpurglöckchen lassen sich reizvolle Kontraste erzielen – auf dem Beet ebenso wie in Pflanzgefäßen auf Balkon oder Terrasse.

Keine aufwändige Pflege notwendig

Seggen sind ausgesprochen robust und langlebig. Wer eine zum Standort passende Art gewählt hat, muss sich um die Pflege keine größeren Gedanken machen. Wo Seggen unter Gehölzen wachsen, genügt es oft schon, das im Herbst herabfallende Laub liegen zu lassen, sodass es sich zu wertvollem Humus umwandeln kann. Oder man verteilt im Frühjahr etwas Kompost zwischen den Pflanzen. Ein Rückschnitt ist oft nicht erforderlich: Wenn die alten Halme und Blätter stören, der kann sie einfach »auskämmen«, indem er mit den Händen wie mit einem Rechen hindurchfährt und die Pflanze ausputzt oder »rauft«. Weil die Blattränder scharfkantig sein können, sollte man dabei Handschuhe tragen.

Insbesondere Seggen in Pflanzgefäßen sollten an frostfreien Tagen von Zeit zu Zeit gegossen werden. Da sie ihre Blätter behalten, benötigen sie auch im Winter ausreichend Feuchtigkeit. Braune Blätter sind in der Regel nicht nur Kälte-, sondern vor allem Trockenschäden.

Diesen und viele weitere Artikel mit hilfreichen Tipps unserer Serie »Gartenleben« finden Sie online unter www.traunsteiner-tagblatt.de/gartenleben im Internet.