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»Die schweren Zeiten haben uns zusammengeschweißt«

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Ingeborg und Helmut Krell aus Traunreut feiern heute Gnadenhochzeit. Sie sind seit 70 Jahren verheiratet. (Foto: Mix)

Traunreut – Ingeborg und Helmut Krell aus Traunreut feiern am heutigen Mittwoch ein sehr seltenes Hochzeitsjubiläum: die Gnadenhochzeit. Sie heirateten am 27. April 1946 und sind somit seit 70 Jahren ein Ehepaar.


»Das ist schon eine Gnade, wenn man so lange zusammenleben darf«, betont Ingeborg Krell, fügt jedoch auch ein Aber an: »So viele Menschen, die uns nahestanden, sind inzwischen nicht mehr da.« Ihr Hochzeitsjubiläum feiern die beiden daher im kleinen Kreis mit ihren Nachbarn im Mehrfamilienhaus an der Breslauer Straße. Zur Diamantenen Hochzeit hatte das Paar noch Besuch aus der früheren Heimat Berlin. Doch die Freunde, die noch leben, sind inzwischen nicht mehr fit genug für die Reise oder wohnen im Seniorenheim, sodass die Feier dieses Mal bescheiden ausfallen muss.

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Das Ehepaar lernte sich auf einer Zugfahrt kennen

Ingeborg und Helmut Krell, beide über 90, wohnen seit 1985 in Traunreut und versorgen sich nach wie vor allein. Beide haben schon schwere Krankheiten überstanden, sind aber soweit noch recht fit. Kennengelernt haben die beiden sich bei einer Zugfahrt. Helmut Krell kann sich noch ganz genau daran erinnern: »Es war am 1. Oktober 1943 im Zug von Berlin nach Königsberg. Der Zug ist um 19 Uhr abgefahren.« Er habe ihr damals geholfen, einen Platz zu finden, und ihr später auch einen Apfel angeboten. Helmut Krell war zu der Zeit auf dem Weg zu seinem Stationierungsort als U-Boot-Fahrer. Ingeborg Krell musste ebenfalls nach Königsberg, wo sie als kriegsverpflichtete Stabshelferin Dienst tat.

Schon bald hat Helmut Krell gewusst, dass diese »flotte Biene« einmal seine Frau werden sollte, erzählt der Ehemann heute. 1945 lebte Ingeborg bei Bekannten ihrer Eltern in Baden-Württemberg. Helmut machte sie nach seiner Rückkehr aus dem Krieg dort ausfindig und nahm sie mit in seine Heimatstadt Kassel. Um aus der sehr beengten Wohnung mit den Verwandten herauszukommen, beschloss das junge Paar, zu heiraten, damit sie bessere Chancen für eine eigene Wohnung hatten.

1947 kam Sohn Jürgen zur Welt und in den Nachkriegsjahren mussten beide Partner viel und hart arbeiten, um sich und ihr Kind durchzubringen. Später siedelte die kleine Familie um nach Berlin. Helmut Krell bekam eine Stelle als Sachbearbeiter beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, Ingeborg Krell arbeitete bei der Landesversicherungsanstalt. Im Rentenalter beschloss das Paar dann, nach Traunreut zu ziehen, wo bereits ihr Sohn lebte. Beide konnten hier ihren Hobbys Langlaufen und Berggehen nachgehen und machten viele schöne gemeinsame Reisen. Eine ist ihnen besonders im Gedächtnis geblieben. 1996 feierten sie im Rahmen einer USA-Reise in Las Vegas in einer kleinen Kapelle ihre Goldene Hochzeit. Ein schwerer Schicksalsschlag war hingegen der Tod des Sohns im Jahr 2009.

Dem Jubelpaar sieht man das Alter nicht an. Für Ingeborg Krell ist es ganz normal, dass man auch im Alter auf sich achtet. Sie ist es von ihrer Arbeit bei der Versicherung gewohnt, immer schick gekleidet und gut frisiert zu sein. Beide sind überaus interessiert, was in der Welt passiert, und diskutieren gerne miteinander das Tagesgeschehen.

»Man muss alles gemeinsam ertragen«

Nach dem Erfolgsgeheimnis einer so langen Ehe gefragt, meinen die beiden: »Man muss sich wirklich gern haben und alles gemeinsam ertragen. Die schweren Zeiten haben uns zusammengeschweißt.« Als Kriegsgeneration seien sie es gewohnt, auch für Kleinigkeiten dankbar zu sein und könnten sich an harmlosen Dingen erfreuen. »Wir sprechen noch heute alles ab und sind so gut wie immer zusammen.«

Wenn dann doch einmal einer von ihnen allein in der Stadt unterwegs ist, werde sofort nach dem Gegenstück gefragt, »wir sind halt ein Duo«. Jetzt wünschen sich die beiden noch einige schöne Jahre zusammen und betonen: »Wir geben nicht auf. Uns geht es gut und wir haben noch jede Menge Lebensmut.« mix