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Die Routine des Alltags hinterfragen

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Pfarrer Barthel Pichlmeier

Mit dem gestrigen Tag, dem Faschingsdienstag, endete für manche eine intensive Zeit des Feierns und Ausgelassenseins. Heute, am Aschermittwoch, kommt die Wende. Eine sechswöchige Vorbereitungszeit auf eines der größten christlichen Feste beginnt: Die Passions- oder Fastenzeit genannt.


Diese Zeit im Kirchenjahr thematisiert nach all dem Lichterglanz und der Freude während des Weihnachtskreises nun die Schattenseiten menschlichen Lebens. Wir werden mit Themen wie Enttäuschung, Leid, Schmerz bis zu Sterben und Tod konfrontiert.

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Die Passionswochen sind zum Fasten vorgesehen. Viele Menschen kennen diesen Brauch, auf etwas zu verzichten und das ganz bewusst. Ganz gleich, ob dieser Verzicht einige Tage oder mehrere Wochen dauert, es ist immer eine Zeit des Weges nach innen. Es ist eine Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, der eigenen Spiritualität.

Fasten legt nahe, innezuhalten, zu realisieren, was im Übermaß angeboten und konsumiert wird an Essen und Ware. Es könnte bedeuten: Nachdenken, im Kopf frei werden, sich bewusst werden, worauf es wirklich ankommt für das eigene Leben und die Gesellschaft. Es könnte heißen zu entdecken, welches Übermaß an Reizen, Waren und Produkten längst zu einer seelischen und materiellen Belastung für uns und die ganze Erde geworden sind.

Fasten kann Gewinn an Lebensqualität ermöglichen, an Zeit, an Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Um in diese Richtung weiter zu denken, hilft mir jährlich die Fastenaktion »Sieben Wochen ohne«, eine Initiative der Evangelischen Kirche.

Sieben Wochen lang wird die Routine des Alltags hinterfragt, werden andere Perspektiven eingenommen und darauf geschaut, worauf es wirklich ankommt. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto: »Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort!« Die Aktion lädt zu einer Kur der Entschleunigung ein: Pause machen – einfach so.

Der Prediger in der Bibel verspricht: »Alles hat seine Zeit.« Zeit für schwierige Entscheidungen; Zeit, den Menschen im anderen zu sehen; Zeit, nicht gleich loszupoltern, sondern noch mal durchzuatmen; Zeit, den Dingen und sich selbst eine zweite Chance zu geben. Dieses Innehalten hat uns Gott ganz am Anfang in unsere Zeitrechnung geschrieben: Den siebten Tag segnete der Schöpfer – und ruhte. Dazu sind wir auch eingeladen: Mal nicht funktionieren, nicht Maschine sein, sondern Mensch.