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Die Reit im Winkler feiern ihre Pfarrkirche

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Mit 43 Metern überragt der Turm der Pfarrkirche St. Pankratius alle anderen Gebäude in der Gemeinde. (Foto: Ostermaier)
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Mitten im Aufbau steckte die Pfarrkirche im Jahr 1912. Für die Kuppel gab es ein Modell, das auf der Baustelle zu sehen war.

Reit im Winkl. Seit hundert Jahren gibt sie dem Ort eine Mitte, sie ist Kennzeichen und Wahrzeichen des Bergdorfes und dies längst nicht nur deshalb, weil sie mit dem 43 Meter hohen Turm das höchste Gebäude in der 2500-Seelen-Gemeinde ist. Vielmehr ist die Reit im Winkler Pfarrkirche St. Pankratius für die Bürger am Ort seit jeher gesellschaftlicher Mittelpunkt, der das dörfliche Leben beeinflusst und geprägt hat.


Innenraum wurde letztes Jahr erneut renoviert

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Heuer wird die Pfarrkirche St. Pankratius hundert Jahre alt. Eine Kirche lässt sich im Bergort an der Grenze zu Tirol freilich schon seit vielen Jahrhunderten nachweisen, in der heutigen Form aber besteht sie erst seit dem 12. Oktober 1913. Aus diesem Anlass wurde der Innenraum des Gotteshauses im vergangenen Jahr gründlich renoviert, zudem hat der Pfarrgemeinderat zusammen mit Ortspfarrer Johann Spiolek ein Festprogramm entworfen, das am kommenden Sonntag beginnt: Zum Patrozinium um 10 Uhr wird Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, erwartet.

Weit reicht die Reit im Winkler Kirchengeschichte zurück: Während vor rund 900 Jahren die Pfarrgemeinde Reit im Winkl noch als Filiale dem Nachbarort Kössen und der Pfarrei Kirchdorf (Tirol) unterstellt war, ist seit dem Jahr 1393 im Bergort eine Kirche nachweisbar. Diese allererste Kirche löste damals eine kleine, hölzerne Kapelle ab. Immer wieder wurde das Gotteshaus im Laufe der Zeit ergänzt und überarbeitet, sie hatte aber auch zwei Katastrophen zu überstehen: So brannte sie nach einem Blitzschlag 1718 völlig nieder.

Beinahe wäre sie 1891 ein zweites Mal Raub der Flammen geworden, nachdem eine benachbarte Tischlerei in Brand geraten war, zerstört wurden dabei der Kuppelturm und das Geläut. Besonders niedergeschlagen schien allerdings Pfarrer Johann Genghammer, der Erbauer der Kirche in seiner heutigen Form, nicht gewesen zu sein. 1901 schrieb er in seinen Aufzeichnungen, dass aufgrund des Feuers die Kirche eilends völlig ausgeräumt worden sei, sie konnte aber »von der Kössener Feuerwehr – soll man sagen leider – gerettet werden. Schade wäre es um sie eigentlich nicht gewesen, denn sie war nicht nur viel zu klein, sondern auch alt, verwahrlost, schmucklos und baufällig.«

Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits intensive Bemühungen, ein völlig neues Gotteshaus zu erbauen, was rückblickend als großes Verdienst des gebürtigen Unterwösseners Genghammer gewertet wird. Um einen Neubau voranzubringen, war schon 1889 ein »Kirchenbauverein« gegründet worden, der sich zum Ziel setzte, genügend Geld für dieses ehrgeizige Vorhaben zu sammeln. Es dauerte bis Mitte Dezember 1911, ehe vermeldet werden konnte, dass der Kirchenbauverein durch eigene Beiträge, aber auch mittels Zuschüssen von verschiedenen Stellen, genau 82 265 Mark angesammelt hatte, was die Neubaupläne erheblich vorantrieb.

Um während der Bauzeit einen geregelten Gottesdienstbetrieb aufrechterhalten zu können, wurde eine Notkirche gebaut und diese im Juli 1911 eingeweiht. Im gleichen Jahr ließ Pfarrer Johann Genghammer die alte Kirche abtragen, um an gleicher Stelle das neue Gotteshaus aufzubauen. Der helle, lichtdurchflutete Innenraum wurde mit Elementen des Barock und Jugendstils gestaltet.

Das ganze Dorf nahm an der Einweihung seiner neuen Kirche im Oktober 1913 teil: Schon um fünf Uhr früh begannen diese Feierlichkeiten, wie in der Heimatchronik nachzulesen ist, im Rahmen der Pontifikalmesse war erstmals auch die neue Orgel zu hören gewesen. Dass die Reit im Winkler vor hundert Jahren also zu einer neuen Pfarrkirche kamen, schreibt man wesentlich Johann Genghammer zu, der 31 Jahre am Ort als Seelsorger tätig war und den die Gemeinde mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet hatte.

Kirchenführungen und ein Vortrag sind geplant

Das Festprogramm zieht sich über die nächsten sechs Monate. Neben dem Patrozinium am Sonntag wird einmal im Monat ein besonderer Gottesdienst in der Kirche stattfinden, den gebürtige Reit im Winkler, Monsignore Christoph Huber und Monsignore, Dompfarrer Wolfgang Huber gestalten. Außerdem sind vom 29. Mai bis zum 11. September jeweils mittwochs um 10 Uhr Kirchenführungen geplant, am 5. September findet ein Vortrag des Katecheten Hans Josef Schmitz über die Geschichte der Kirche statt. Am 13. Oktober schließlich finden die Feierlichkeiten mit einem Festgottesdienst und einem Festzug zum Festsaal ihren Abschluss. ost