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Die Pflege alter Streuobstwiesen fördern

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Der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes Traunstein, Markus Fröschl (von links) nimmt vom Vertreter der Schloßbrauerei Stein, Reinhold Steinberger, den symbolischen Scheck über 7500 Euro entgegen, mit dem die Brauerei die Pflege von Streuobstwiesen im Landkreis unterstützt. Die Übergabe fand auf dem Obstanger von Johann Leitner in Reichsberg statt, wo Carsten Voigt einige Bäume mit einem ökologischen Auslichtungsschnitt versehen hat. Rechts im Bild LPV-Geschäftsführer Jürgen Sandner. (Foto: Oberkandler)

Traunstein. Der Landschaftspflegeverband Traunstein (LPV) bietet Besitzern alter Streuobstwiesen auch heuer an, deren Obstbäume zu schneiden. Die Schlossbrauerei Stein unterstützt die Aktion wie jedes Jahr und stellt heuer 7500 Euro zur Verfügung. Bei einem Ortstermin auf der Streuobstwiese der Familie Leitner in Reichsberg bei Traunstein überreichte Reinhold Steinberger als Vertreter der Brauerei einen symbolischen Scheck an den Vorsitzenden des LPV Markus Fröschl und an Geschäftsführer Jürgen Sandner.


Die alten Obstbäume brauchen von Zeit zu Zeit einen Auslichtungsschnitt, bei dem ein Teil des alten Holzes entfernt wird. Carsten Voigt vom LPV ist seit Wochen in der Region unterwegs, um die oft 10 Meter hohen und teils noch höheren Bäume zu schneiden. Es ist eine nicht ganz ungefährliche Arbeit, in etlichen Metern Höhe auf einer Leiter stehend oft armdicke Äste abzusägen.

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Johann Leitner in Reichsberg, der Obstbau gelernt hat, hat die Bäume auf seiner Streuobstwiese über Jahrzehnte selbst gepflegt. Nun ist er 82 Jahre alt und er sieht sich nicht mehr in der Lage, seine etwa 30 Hochstammbäume selbst zu schneiden. Willkommener Helfer ist Carsten Voigt vom LPV. Dank des Zuschusses der Schlossbrauerei Stein hält sich der finanzielle Aufwand für den Besitzer in Grenzen.

Die alten Streuobstwiesen sind nicht nur ein prägendes Landschaftselement im Voralpenland, sondern auch wertvoller Lebensraum für unzählige Insektenarten und andere Tiere. Die Apfel- und Birnensorten, die hier wachsen, sucht man in Supermärkten vergeblich. Die Früchte sind zwar meist deutlich kleiner und schorfig, haben aber einen unverwechselbaren Geschmack. Besonders gut geeignet sind sie zur Herstellung hochwertiger Säfte und sorten- und regionaltypischer Obstbrände. Durch den Wegfall des Deutschen Branntweinmonopols im Jahr 2018 wird es für Brenner aber schwieriger, den erzeugten Alkohol zu verkaufen. Deshalb werden wohl viele darauf verzichten, das Obst zu brennen, wodurch auch der Bestand von Streuobstwiesen gefährdet ist. Hier hofft der Pflegeverband mit dem Angebot, die Bäume zu schneiden, einen Beitrag zum Erhalt der alten Obstanger zu leisten.

Stolz präsentierte beim Ortstermin in Reichsberg Johann Leitner ein Steigerl mit Äpfeln von seiner Streuobstwiese. »Weißer Winterkalvill«, »Kaiser Wilhelm«, »Maunzen«, »Schöner von Nordhausen« oder »Rheinischer Bohnapfel« heißen einige der Sorten, die hier wachsen.

Ziel des ökologischen Auslichtungsschnittes ist es, die alten, für den Naturschutz besonders bedeutenden Bäume für die Zukunft zu erhalten. Würde man sie nicht zuschneiden, würde die Baumkrone immer dichter und es bestünde die Gefahr, dass Äste bei starkem Fruchtbehang oder durch Schneedruck bzw. bei Sturm abbrechen. Durch den Schnitt wird auch die Qualität der Früchte besser. - K. O. -