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Die Nußdorfer derbleckt und ausg'richt

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Mit einem Sketch über einen Banküberfall zweier Nußdorfer Bürgermeister, die Geld für den Bau der neuen Turnhalle erpressen, vergnügten die »Freunde der fünften Jahreszeit.« (Foto: T. Volk)

Nußdorf – »Grüß Euch, ihr schwarzen Brüder und Schwestern, ihr maximal pigmentierten Christsozialen, ihr von Glück verlassenen, ihr von Ra(h)m sauer geschüttelten, ihr Ver-Steiner-ten und Be-Scheuer-ten…«, so hieß Fastenprediger Bruder Bäda den CSU-Ortsverband beim Starkbierfest willkommen. Vor allem Bürgermeister Hans Gnadl und die Mitglieder des Gemeinderats wurden von Bruder Bäda alias Peter Volk derbleckt. Die »Nußdorfer Combo« aus Anderl Osenstätter, Willi Müller und Christian Niederbuchner gaben dem Abend den musikalischen Schwung und die »Freunde der fünften Jahreszeit« belustigten die Gäste mit einem Sketch.


Mit fünf festen Schlägen zapfte Bürgermeister Gnadl das Fass mit dem von Braumeister Oliver Lange extra gebrauten Starkbier an. Nachdem die erste Maß verköstigt war, trat Bruder Bäda ans Rednerpult, um die kommunalen Politiker zu tadeln, ihnen die Leviten zu lesen, aber auch um zu loben. Seine Rede durchzogen pfiffige Wortspiele rund um die Flüchtlingspolitik.

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Er sprach von einer »Ober«-Grenze im Gemeinderat, denn ein Gemeinderat namens Ober sei genug, und bezeichnete den neuen Radweg zwischen Sondermoning und Matzing als »Balkanroute für ausradelnde Sondermoninger«. Auch die Diskussion rund um den Neubau der Grundschule war Gegenstand der Rede. Die Schulleiterin rede bei der Planung der Schule mit, was sie wo und wie haben möchte, wolle aber gar nicht Schulleiterin in Nußdorf bleiben, sondern nach Seeon. Auch der Sportvereinschef gebe seine Wünsche zum Turnhallenbau kund, doch der Verein wolle sich nicht am Unterhalt der Halle beteiligen. Bruder Bäda meinte: »Das ist wie Heiraten, Zusammenziehen, aber doch noch bei der Mama wohnen, oder wie ledige Kinder machen, aber keine Alimente zu zahlen!«

Er sei sicher, dass Bürgermeister Gnadl alles tue, um nicht als Schuldenbürgermeister in die Geschichte einzugehen, dafür aber vielleicht ein kleines Denkmal am Dorfplatz haben wolle. Eine Büste, von der er in die Gegend lacht, so wie Papst Benedikt XVI. vor der Traunsteiner Stadtpfarrkirche. Auch der zweite Bürgermeister wolle sich mit der Schule ein persönliches Denkmal setzen – er hätte auf dem neuen Schulhaus gerne die Aufschrift »Volksschule«.

Im Mittelpunkt der Fastenrede stand allerdings die bayernweite und kommunale Flüchtlingspolitik. Nach Worten des Fastenpredigers läuft Bürgermeister Gnadl in diesem Punkt total aus der CSU-Spur. Was die Flüchtlingspolitik in Nußdorf betreffe, »ist Gnadl der größte Geisterfahrer auf der schwarzen Autobahn!« Er sei ein gutes Vorbild, denn er setze sich für Willkommenskultur ein und habe als Einziger für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in der Gemeinde gestimmt.

Bruder Bäda sprach einen sehr deutlichen Appell an alle Gäste aus: »CSU heißt doch 'christlich' und 'sozial' und 'Union' – Union ist doch ein anderes Wort für Zamhoitn, Zamsteh, miteinander Opackn und miteinander auch was Aushoitn.« Er forderte, dass viel mehr Bürger aus der Spur laufen sollten, so wie Gnadl, den Flüchtlingen die Hand geben und in die Augen schauen sollten.

Nach seinen deutlichen Worten sang Theresa Volk »Platz do« – ein Lied der Gruppe »Neurosenheimer«. Vor allem der Refrain »Hey, machts an Platz do, geht auf d' Seitn, ruckts a Stückerl, aber bitte ned nach rechts…« brachte viele Gäste zum Nachdenken. Das Publikum belohnte den Fastenprediger und die Sängerin mit kräftigem Applaus.

Auch der Sketch der »Freunde der fünften Jahreszeit« sorgte für Gelächter in den Reihen der Festbesucher. Die gut getarnten Bürgermeister Hans (Gnadl) und Gerhard (Mittermaier), gespielt von Christine und Christian Czogalla, überfielen eine Bank um das fehlende Geld für den Bau der neuen Nußdorfer Turnhalle zu besorgen. Doch aus dem geplanten Banküberfall im großen Stil wurde dank Bankdirektor (Martin Gregor) und der alten Dame (Josef Schauer) nur ein tollpatschiger, verkorkster Versuch eines Raubes, der am Ende völlig misslingt.

Toni Wimmer, der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, würdigte alle Beteiligten für den gelungenen Abend und die »Nußdorfer Combo« unterhielt die Besucher bei Starkbier und Brotzeit bis in die frühen Morgenstunden. tv