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Die Not der Ärmsten in Indien lindern

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In einer Leprakolonie konnte Karin Demuth mit der Indien-Nothilfe zuletzt nicht nur fast 40 neue Häuser für die aus ihren Dörfern verstoßenen Bewohner bauen, sondern auch Medikamente, Essen und Kleidung an die zum Teil Unterernährten übergeben.

Grassau. Es war 1994, als Walter Lück plötzlich hohes Fieber bekam. Doch in einer modernen Klinik behandeln lassen konnte er sich nicht. Denn zusammen mit seiner Frau befand er sich auf einer Reise durch Südindien. Schwer krank wurde er von einem indischen Arzt in einem heruntergekommenen Krankenhaus behandelt, wo es an allen Ecken und Enden fehlte. Ohne Röntgengerät stellte der Inder die Lungenentzündung fest und heilte den Deutschen. »Dieses Erlebnis hat uns geprägt und wir wollen den Menschen etwas zurückgeben«, erklärt der heute 71-Jährige.


Zusammen mit seiner Frau Karin Demuth hat er daraufhin den Verein der Indien-Nothilfe gegründet und seit Mitte der 1990er viel Not gelindert. Am kommenden Wochenende stellen die beiden Neu-Grassauer, die vor vier Monaten aus der Nähe von Düsseldorf in die Marktgemeinde gezogen sind, beim Hefter ihre Arbeit in Form von Indien-Tagen vor.

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Hilfe für Leprakranke und diskriminierte Witwen

Ganz oben auf der Agenda stand für das Ehepaar damals die Ausstattung des Krankenhauses, in dem Walter Lück behandelt worden war. »Mit vielen Spenden und Zuschüssen konnten wir nach vier Jahren menschenwürdige Zustände herstellen«, erklärt der Diplom-Psychologe. Auch ein Labor und ein Röntgengerät wurden finanziert. Karin Demuth hatte zu diesem Zeitpunkt ihren Beruf als Büroleiterin bei einer Ärztekammer bereits aufgegeben und sich ganz der Indien-Nothilfe gewidmet.

Zusammen mit Projektpartnern vor Ort, darunter sind neben dem Augustiner- und Jesuitenorden auch private Organisationen, unterstützen beide in den folgenden Jahren noch weitere Projekte in dem Land, in dem fast die Hälfte unter der Armutsgrenze lebt und weder lesen noch schreiben kann.

Ein Projekt, das ihnen sehr am Herzen liegt, ist die Hilfe für Leprakranke. Die Kranken werden von ihrem Familien in den Dörfern häufig fortgeschickt und müssen teilweise auf der Straße leben. Wenn sie Glück haben, finden sie einen Platz in einer der Leprakolonien. In einer dieser Kolonien bei Sendhwa gab es bisher nur zusammengebastelte, desaströse Hütten. »Wir als Indien-Nothilfe haben dort fast 40 neue Häuser gebaut und die Leprakranken mit Medikamenten, Verbandsmaterial und Kleidung versorgt«, erklärt Karin Demuth, die bei ihren Besuchen keine Berührungsängste gegenüber den Infizierten zeigt.

Aber auch gegen die Diskriminierung von Witwen setzt sich die Indien-Nothilfe ein und vergibt Mikrokredite an die Frauen, die sich in Gruppen zusammenschließen. Zudem werden 500 Straßenkinder aus einem Prostituiertenviertel Kalkuttas und fast 300 körperlich und geistig behinderte Kinder schulisch und sozialpädagogisch unterstützt. Auch orthopädischen Hilfen, wie Beinschienen und Krücken haben die beiden organisiert, damit die Schüler nicht mehr die ganze Zeit auf dem Boden sitzen müssen, sondern sich alleine stehend fortbewegen können.

Jedes Jahr überprüfen Karin Demuth und Walter Lück auf mehrwöchigen Reisen, ob die Spendengelder auch ankommen und wie die Hilfe umgesetzt wird. »Wir verbinden das dann jedes Jahr mit unserem Urlaub«, erklären die beiden 71-Jährigen. Gezahlt wird die Reise aus ihrer Privatkasse. »Wir lieben das Land und fahren immer wieder gerne hin.« Im Januar starten beide zu ihrer nächsten Reise. Vorher wollen sie ihren Verein, der seit Kurzem in Traunstein eingetragen ist, beim Hefter in Grassau näher vorstellen.

Bollywood-Disco, Diashow und Spielfilm

Ein großes Programm rund um das Thema Indien erwartet die Besucher dazu am kommenden Wochenende. Neben einer Bollywood-Disco ab 17 Uhr steht am morgigen Samstag auch eine vertonte Dia-Show zu Projekten der Indien-Nothilfe ab 19.30 Uhr im Hefterstadel auf dem Programm.

Praktische Reisetipps zu Indien gibt es am Sonntag um 16 Uhr bei einer weiteren Diashow im kleinen Heftersaal. Dort wird um 18.30 Uhr dann auch noch ein indisch-kanadischer Spielfilm über die Lebenswelt von Witwen in Indien gezeigt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Wer den Ärmsten in Indien helfen möchte, der kann dies über das Spendenkonto des Vereins bei der Deutschen Bank (BIC: DEUTDEDBDUE, IBAN: DE04 3007 0024 0966 1000 00) tun. apo