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Die neue Hauptorgel von St. Oswald erklingt erst im Oktober 2021

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Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Restauratorin Selina Heintz zeigt das Soft-Granulat und die Schwämme, mit denen der Stuck gereinigt wird. Eine arbeitsintensive Prozedur.

TraunsteinDie Sanierungsarbeiten in der Stadtpfarrkirche schreiten voran. Das Traunsteiner Tagblatt hat mit Stadtpfarrer Georg Lindl und Hermann Koch von der Kirchenverwaltung die Baustelle in St. Oswald besucht.


Mehr als ein Jahr nach Beginn der Arbeiten im Juli 2018 reinigen derzeit Kirchenmaler die Raumschale der Kirche in aufwändiger Detailarbeit von Ruß, Dreck und Staub. Bis unter das Dach ragt das Gerüst im Innenraum von St. Oswald. Auch wird die Dispersionssilikatfarbe, die vor 20 Jahren in gut gemeinter Eigenregie bis zu den Gesimsen angebracht wurde, wieder entfernt. Sie nimmt dem Kalkputz darunter die Luft zum Atmen.

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»Wir kommen gut voran«, sagen Stadtpfarrer Georg Lindl und Hermann Koch unisono – schieben aber nach, dass es doch zu einer wesentlichen Verzögerung kommt. Die neue Hauptorgel wird erst 2021 eingebaut. Das haben die Verantwortlichen in einer Sitzung am 7. August final beschlossen. »Das ändert aber nichts daran, dass wir den Weihnachtsgottesdienst 2020 in St. Oswald feiern werden – nur eben ohne die große Orgel«, betont Lindl.

Eine Sanierung in dieser Größenordnung muss laufen wie ein Schweizer Uhrwerk, wenn es zu keinen Verzögerungen kommen soll. Doch während bei der eidgenössischen Präzisionsarbeit in der Regel ein Rädchen ins andere greift, tauchten in St. Oswald unvorhergesehene Herausforderungen auf, die das Zeitmanagement durcheinanderbringen. »Die Abstützung der Leute-Empore ist sehr wackelig, es müssen daher Metallträger eingebaut werden«, beschreibt Koch das Problem. Dies habe man aber erst herausgefunden, als der Boden geöffnet wurde. Statikgutachten, Ausschreibung und Gewerkevergabe – all das dauert. Man setzt darauf, alle Maßnahmen bis Oktober über die Bühne gebracht zu haben. Die nicht eingeplanten Kosten bereiten Lindl hingegen weniger Sorgen. »Wir haben im Gesamtbudget einen Puffer, und hoffen, das auffangen zu können.«

Doch die zusätzlichen Arbeiten haben ganz konkrete Auswirkungen auf die Arbeit der Restauratoren und letztlich auf den Einbau der Orgel. Denn der Stuck im letzten Joch – dem Emporenbereich – kann erst restauriert werden, wenn die Metallstützen eingebaut und das Gerüst dort aufgebaut ist. So lange die Restauratoren die Raumschale mit Granulat säubern, werden aber Staub und Dreck aufgewirbelt – Gift für jede Orgel.

Orgelbauer lehnte Einbau im Herbst/Winter ab

Die Verzögerung hätte dazu geführt, dass die Orgelbauer erst im September 2020 mit dem Einbau begonnen hätten. »Die dafür geforderten 15 Grad Mindesttemperatur können wir im Herbst und Winter nicht gewährleisten«, sagt Lindl. Da habe der Orgelbauer abgelehnt, mit dem Einbau noch 2020 zu beginnen.

Die Restauratoren stört die Änderung des Zeitplans indes weniger. »Kalk verzeiht viel, er braucht nur Zeit, Luft, Feuchtigkeit und mindestens fünf Grad«, sagt Selina Heintz, eine der Restauratorinnen. Mit der neuen Wandheizung, die ab Oktober laufen soll, können konstante zehn his zwölf Grad erreicht werden. Stück für Stück arbeiten sie sich in Zweierteams an den Stuckelementen aus Kalk ab. »Die Verschmutzung ist schon sehr stark«, konstatiert Heintz. Daher werden die Decken und Wände im Trockenverfahren mit Soft-Granulat abgestrahlt und mit Schwämmen nachbehandelt. Ein zeitaufwändiges und teures Verfahren, das aber das beste Ergebnis hervorbringt: helle, strahlende Farben. In einem nächsten Schritt werden dann die Fresken von Max Fürst gereinigt.

Kirchweih 2021 erklingt die Orgel

Die gute Nachricht ist, dass für den Einbaubeginn und die festliche Orgeleinweihung bereits zwei fixe Termine feststehen: der Einbau beginnt am 13. April 2021, zum ersten Mal für die Öffentlichkeit feierlich erklingen soll die Orgel am Kirchweihsonntag, 17. Oktober 2021. »An beiden Tagen wird es je ein Fest geben«, verspricht der Stadtpfarrer.

Auf Orgelmusik müssen die Kirchgänger bis dahin aber nicht verzichten. Die Chororgel wird bereits beim geplanten Weihnachtsgottesdienst 2020 erklingen. Allerdings an einem neuen Ort. »Sie wird künftig auf der linken Seite im Chorraum stehen«, sagt Lindl. Die Apsis wird neu gestaltet: künftig wird es ein Chorgestühl mit 27 Sitzplätzen geben, in das die Chororgel eingefasst wird.

Nur über die Farbgestaltung des eichenhölzernen Chorgestühls ist man sich noch nicht ganz einig. »Unser Ziel war es, eine frischere, hellere und freundlichere Erscheinung zu erreichen«, sagt Hermann Koch. Der Architekt möchte das Chorgestühl farblich den Kirchenbänken anpassen und damit eher dunkel halten. »Mir ist das zu hart im Kontrast zur hellen Apsis«, gibt Stadtpfarrer Lindl offen zu. »Es besteht hier noch Diskussionsbedarf, aber ich bin mir sicher, dass wir eine Lösung finden.«

Gelöst ist bereits das Statikproblem des Hochaltars. Die äußeren Sockelstützen aus Tegernseer Marmor waren instabil, es bestand das Risiko, dass das deckenhohe Gebilde umstürzt. Doch der Steinmetz hat gute Arbeit geleistet und die Steine einzeln ausgetauscht. Man hatte Glück, dass es den Steinbruch, aus dem die ursprünglichen Steine stammen, noch gibt – wenn auch aufgelassen. Aus Restbeständen konnte genügend Ersatzmaterial gewonnen werden. »Künftig muss ich also nicht mehr mit Schutzhelm zelebrieren«, scherzt Lindl.

Reliquie eines unbekannten Heiligen

Dafür kann der Pfarrer künftig an einem neuen Altar die Messe feiern. Der Bildhauer Prof. Nikolaus Gerhart wird die neuen liturgischen Orte – Altar, Ambo, Taufbecken und Priestersitz – aus Kelheimer Jurakalk gestalten. »Allein der Altar wird 4,3 Tonnen wiegen«, berichtet Lindl. Das Design der vier neuen Stücke wird modern-reduziert und sollen sich so harmonisch in das Gesamtbild einfügen.

Dazu fällt Lindl noch eine kuriose Geschichte ein. Die Reliquie aus dem bisherigen Altar aus den 1970er Jahren wurde entfernt und soll in den neuen eingebracht werden. »Wir wissen allerdings nicht, die Reliquie welches Heiligen wir überhaupt vor uns haben, es gibt im Pfarrarchiv dazu keine Unterlagen.« Lediglich das intakte Siegel an der Reliquie ist erhalten und weist auf Weihbischof Johannes Neuhäusler hin. »Vielleicht hat man im Ordinariat Unterlagen dazu«, hofft Lindl. Noch hat man zur Recherche Zeit, der Kalkstein wird im Oktober gebrochen.

Verena Wannisch