weather-image
22°

»Die nasse Grenze«

0.0
0.0

Oberndorf – Einen sehenswerten Einblick in das Leben der Laufener und Oberndorfer Schifferfamilien, die gefährliche Arbeit am Fluss und das Elend in den Kriegswirren um 1816 gibt eine neue Ausstellung im Heimatmuseum am Stille-Nacht-Platz in Oberndorf. Sie steht unter dem Thema »Die nasse Grenze«. Viele der Ausstellungsstücke sind erstmals öffentlich zu sehen. Hubert und Franz Standl aus einer alten Oberndorfer Schifferfamilie haben die Sammlung ihrer Vorväter fortgeführt und weiter ergänzt.


1816 war das Jahr der Trennung. Die Salzach wurde von heute auf morgen zur Grenze, und damit begann der wirtschaftliche Niedergang einer ganzen Region. Damit nicht genug: Das Jahr 1816 ging als »Jahr ohne Sommer« in die Geschichte ein. Der indonesische Vulkan Tambora explodierte mit der Energie von geschätzten 170 000 Hiroshima-Bomben und verdunkelte die Erde, mit dramatischen Folgen für Mensch und Tier. Missernten und Hungersnöte verschlimmerten die ohnehin schon schwierige Situation auch der Menschen beiderseits der Salzach.

Anzeige

Brot wurde mit Sägemehl gestreckt. Ein solch trockener Laib ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie Werkzeuge, Ruder und allerhand Arbeitsgeräte. Vor allem die detailgetreuen Schiffsmodelle – Zille, Gams und Plätte – verdeutlichen die Arbeit am und auf dem Fluss. Neben Salz hat man Kalkstein, Adneter Marmor und Gips auf der Lebensader Salzach transportiert. Der Besucher kann unter anderem auch eintreten in einen kleinen, bescheidenen Wohnraum einer Schifferfamilie.

Bilder aus dem vorletzten Jahrhundert dokumentieren die Lebensumstände und die Arbeit. Eine Aufnahme von 1942 zeigt beispielsweise den letzten Treiberzug auf der Salzach. Im Obergeschoß finden sich Waffen aus dieser Zeit; gegenüber sind großformatige Aufnahmen von Altach und Altoberndorf aus der Zeit um 1890 und dem großen Hochwasser 1899 zu sehen. 44 Namen lassen sich den Anwesen direkt am Fluss zuordnen. Ein großer Plan zeigt den ursprünglichen und heutigen Verlauf der Salzach. Ein Video fasst Teile der Geschichte des Landstrichs kompakt zusammen.

Sakrale Gegenstände ergänzen die Ausstellung, darunter ein Flügelaltar des Laufener Bildhauers und Bürgermeisters Gordian Guckh aus dem Jahr 1520. Ganz oben im Dachgeschoß kann der Besucher selbst zum Schopper (Schiffbaumeister) werden, darf mit Moos, Holzleisten und Klammern die Fugen zwischen den Bootsplanken abdichten.

Bei der Eröffnung der Ausstellung betonten die Bürgermeister von Laufen und Oberndorf, Hans Feil und Peter Schröder, sowie Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer ihren Wunsch nach einer weiteren Brücke zwischen Salzburg und Burghausen. Besonders Feil hofft, dass die Ausstellung dazu beitragen möge, diese Problematik noch mehr ins Bewusstsein zu rücken.

Die Ausstellung ist noch bis 24. September von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet. höf