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»Die Nährstoffe im Waginger See müssen zurückgehen«

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Mira Forster vom Wasserwirtschaftsamt nimmt am Waginger See vom Boot aus Wasserproben. (Foto: Wasserwirtschaftsamt)

Waging am See – »Die Tendenz ist durchaus positiv«: Mit dieser Aussage zur Wasserqualität des Waginger Sees beruhigte Susanne Trautwein vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein die Mitglieder des Waginger Umweltausschusses. Anhand von Zahlen aus verschiedenen Messungen zeigte sie Verbesserungen auf: im chemischen Bereich die abnehmende Belastung mit Phosphor und geringere Algenentwicklung, im biologischen Bereich allerdings eine gleichbleibende Bewertung, was dem See unter dem Strich immer noch ein »unbefriedigend«, also die Note 4 von insgesamt fünf Notenstufen, einbringt. So machte Susanne Trautweins Fazit zwar etwas Mut, sie betonte aber ganz klar: »Es kann und muss in dieser Richtung weitergehen. Es gibt noch einiges zu tun.«


Ausschussmitglieder waren angefressen

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Die Ausschussmitglieder nahmen die vorsichtig positiven Botschaften gern zur Kenntnis, umso mehr als eine Radiomeldung am Vormitttag für Aufregung gesorgt hatte. Ein paar von ihnen waren schon gewaltig angefressen in die Sitzung gekommen. Der regionale Radiosender hatte nämlich bereits vorab gesendet, dass die Bilanz von Susanne Trautwein mit der Bewertung »unbefriedigend« ausfallen würde – das Ergebnis eines Kurzinterviews.

Deutlich differenzierter als die Radio-Kurzmeldung war dann natürlich die detaillierte Analyse von Susanne Trautwein im Ausschuss, der sie zudem einen Schuss Aufmunterung beimischte. Es waren demnach vom Wasserwirtschaftsamt sowohl chemische wie auch biologische Untersuchungen angestellt worden, man hatte in den Zuflüssen Messungen vorgenommen und auch auf Pflanzenschutzmittel getestet.

Der Wert, der die Ausschussmitglieder am meisten interessierte, war der Phosphatgehalt, weil dieser das Algenwachstum anregt. In der Langzeitperspektive ist dieser Wert deutlich gesunken: von 1983 bis 2014 von über 50 auf aktuell etwas über 20 Mikrogramm pro Liter – als Ergebnis der Messungen, die zuletzt 2014 durchgeführt worden sind. Susanne Trautwein wollte trotz allem nicht von einer eindeutigen Tendenz sprechen, während Ausschussmitglied Martin Dandl sich über das zweitbeste Ergebnis in den vergangenen 30 Jahren freute.

Auch der Chlorophyll-Gehalt, so Susanne Trautwein weiter, als Anzeige-Merkmal für die Algenentwicklung sei rückläufig, was erfreulich und am Durchschnittswert für die Sichttiefe des Wassers gut zu erkennen sei. Dieser Wert war einer der geringsten seit Beginn der Messungen. Bürgermeister Herbert Häusl nahm dies zufrieden auf: Man müsse, so stellte er fest, zwar dem See weiterhin helfen, aber man sei auf dem richtigen Weg, das Ziel sei sichtbar. Insgesamt zufriedenstellend war auch die Aussage bezüglich des Nitratgehalts: Zwar sei der Wert leicht angestiegen, liege aber auf einem sehr niedrigen Niveau; hier hat interessanterweise der Tachinger See, der sonst stets die besseren Qualitäten aufzuweisen hat, wesentlich höhere Werte.

Die biologischen Werte werden nur alle zwei bis drei Jahre gemessen, weil die Untersuchungen sehr aufwändig seien, wie Susanne Trautwein weiter erläuterte. Hier nahm sie das Ergebnis gleich vorweg: Tachinger See Note 2 (»gut«), Waginger See Note 4 (»unbefriedigend«). Untersucht wurden an der tiefsten Stelle des Sees das Phytoplankton, das vor allem aus Kiesel- und anderen Algen besteht, sowie an zehn Uferabschnitten die Makrophyten, also Pflanzen, die ganz oder teilweise unter Wasser leben, sowie das Phytobentos genannte Algenwachstum auf Steinen. Die Zusammensetzung dieses Pflanzenbewuchses spiegele laut Trautwein die Nährstoffsituation des Wassers wider und zeige im konkreten Fall auf, dass der Nährstoffgehalt doch noch recht hoch sei. Dennoch seien, so schloss sie diesen Punkt ab, auch hier »positive Entwicklungen wahrnehmbar«.

Bei den Zuflüssen sieht es so aus, dass die großen Bäche, der Schinder- und der Höllenbach, eine sehr gute Entwicklung zeigen. Noch relativ hoch belastet seien dagegen einige der kleineren Bäche, die in den See fließen. Dann hat das Landesamt für Umwelt das Wasser der Bäche auch nach Rückständen von 81 Pflanzenschutzmitteln untersucht. Entdeckt wurde nur eines, das Terbuthylazin, ein Herbizid, das im Maisanbau verwendet wird. Als höchster Wert wurden 0,03 Mikrogramm pro Liter gemessen, wobei der Grenzwert gemäß Trinkwasserverordnung bei 0,1 Mikrogramm pro Liter liegt.

»Es muss in diese Richtung weitergehen«

In ihrem Ausblick stellte sie fest, dass die chemischen und biologischen Untersuchungen des Seewassers leichte Verbesserungen anzeigten. Damit könne man annehmen, dass die ergriffenen Maßnahmen in der Landwirtschaft – Kulap-Maßnahmen und intensive Beratung – und die gemeinsamen Anstrengungen »möglicherweise bereits erste Erfolge« zeigen würden. »Es kann und muss in diese Richtung weitergehen«, so Trautwein abschließend. »Die Nährstoffe im See müssen zurückgehen.« Denn es seien  immerhin  noch   zwei Bewertungsstufen nach oben zu erledigen, von Stufe 4 auf Stufe 2. he