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Asylbewerber gibt jeden Samstag Djembe-Unterricht im Haus am See in Petting

Die Musik ist Seydous Trost

Petting – »Musik ist meine Leidenschaft, ich lebe für die Musik«, so Seydou Assane Ba, der mit 15 anderen jungen Männern aus dem Senegal im Haus am See in Kühnhausen lebt.« Ich nutze jede Gelegenheit, mit meiner Djembe, einer afrikanischen Bechertrommel, zu spielen und zu singen«.

»Ich will nicht, dass andere für mich bezahlen müssen«, sagt Asylbewerber Seydou Assane (Mitte) aus dem Senegal. Er gibt inzwischen den Einheimischen Djembe-Unterricht in seiner Unterkunft im Haus am See in Petting.

So kam es auch zu einem Gastauftritt von Seydou mit der Band MD Rocks im Dezember bei der Veranstaltung »Schrecklich schönes Pakistan« vom Helferkreis Asyl im vollbesetzten Salitersaal in Kirchanschöring. Eine der Besucherinnen der Veranstaltung war Ellen Schütte aus Kirchanschöring. Sie war so begeistert vom Djembespiel Seydous, dass sie ihn nach Djembe-Unterricht gefragt hat. »Das mache ich sehr gerne«, so Seydou »ich mache gerne etwas für andere.«

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Seydou ist der Sohn eines Imamen, des geistlichen Oberhaupts einer muslimischen Gemeinde im Senegal. Schon sein Vater und Großvater waren Imame. Seydou aber wollte nicht Imam werden, sondern Musiker: »Das habe ich im Blut.« Er ist bereits seit 42 Monaten in Deutschland, spricht sehr gut Deutsch und hatte eine Arbeitsstelle in einem Hotel im Chiemgau. Die Arbeitsstelle hat er leider durch das Arbeitsverbot für Senegalesen im Landkreis Traunstein verloren. »Das macht mich sehr traurig, denn ich will das Geld für mein Leben selber verdienen und ich will nicht, dass andere für mich bezahlen müssen. Dann kann ich nicht mehr aufrecht gehen«, berichtet Seydou.

Auch seine Mitbewohner im Alter zwischen 20 und 30 Jahren hatten fast alle Arbeitsstellen. »Ich war in einer Bäckerei«, so Abdou M'Baye »und hätte sehr gerne eine Bäckerlehre gemacht.« Hamadou Ndiaye war in einer Reinigung beschäftigt: »Wir sind alle traurig und können alle nicht mehr aufrecht gehen.« Alle drei wünschen sich sehnlichst ein »gutes Leben ohne Angst«.

Die Musik ist ein Trost für Seydou, der Lieder in seiner Heimatsprache Wolof schreibt und in Französisch, der Amtssprache im Senegal. Sein neues Werk wird zum ersten Mal in deutscher Sprache sein, ein Lied vom tragischen Liebeskummer eines jungen Mannes um seine große Liebe »Mimi«.

Sonntags kann Seydou ab und zu in Altötting in einem Café Musik machen. Immer wieder kommen Frauen aus dem Helferkreis Asyl in Petting zu Besuch und helfen. Und ab und zu kommen alte Freunde vom Helferkreis in Bergen, wo Seydou früher lebte. Und jetzt gibt es jeden Samstag um 15 Uhr Musik mit der Djembegruppe, die Ellen Schütte organisiert hat. Sie ist inzwischen gemeinsam mit ihrer ganzen Familie, Ehemann Helmut und den Töchtern Maria und Sahra, Patin im Patenprojekt von Startklar Soziale Arbeit für Seydou geworden. Das Patenprojekt unterstützt auch die Djembegruppe. Seydou freut sich sehr über die besondere Zuwendung der ganzen Familie Schütte: »Das ist schön.«

Wer Interesse am Djembespielen hat, kann sich bei Ellen Schütte melden oder bei Seydou, Telefon 0152/19 17  18, oder samstags kommen. fb