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Die Mücke wird vom Hubschrauber aus bekämpft

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Thomas Förner ist seit 15 Jahren Hubschrauberpilot. Im Auftrag der Firma Icybac bringt er das Mückenbekämpfungsmittel am Chiemsee aus, »vor allem in Überschwemmungsgebieten«, sagt der 39-Jährige. (Fotos: Reiter)
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In diesem Behälter wird das Mückenmittel transportiert.
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Biologe Dirk Reichle ist zufrieden, denn sein Team ist gut eingespielt.
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Hier wird gerade das Granulat aus dem Kühltransporter geholt. In den braunen Kugeln aus Eis ist der Wirkstoff Bti gebunden.

Übersee – Die Bedingungen sind bestens: Keine Wolken am Himmel, kein Wind und gute Sicht. Thomas Förner landet mit »seinem« Hubschrauber am Campingplatz der Familie Ebner in Übersee. Er wird bereits von einem großen Team erwartet, darunter fünf Biologen der Fachfirma Icybac Mosquitocontrol GmbH. Der Pilot ist spät dran, deshalb muss es nun schnell gehen. 20 Starts und Landungen sind heute geplant, um Mückenlarven am Chiemsee zu bekämpfen.


Kurz nach dem Hubschrauber trifft auch der große Kühltransporter ein. In ihm sind Eisgranulate gelagert. Der Lastwagenfahrer fährt rückwärts möglichst nahe an den Hubschrauber heran, an dem ein großer Behälter hängt. Trotzdem bleibt es harte Arbeit für die Mitarbeiter des Überseer Bauhofs und der Firma Icybac, die in ganz Deutschland Mücken bekämpft.

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Mit Schaufeln müssen die Arbeiter zunächst die Eisgranulate mit dem darin gebundenen Wirkstoff Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) in eine Maschine bugsieren. So soll verhindert werden, dass das Eis verklumpt. Im Anschluss kommt es in den Behälter am Hubschrauber – auch das per Handarbeit. Pilot Thomas Förner wartet derweil mit laufenden Propellern auf den nächsten Start. Eine Unterhaltung ist aufgrund der Lautstärke kaum möglich. Das Team von rund 15 Leuten verständigt sich deshalb fast ausschließlich mit Zeichensprache. Sie sind sehr gut eingespielt, das merkt man. Das Beladen dauert etwa fünf Minuten, nach 15 Minuten kommt der Pilot zurück und das Prozedere beginnt von vorne. Pro Flug kann Thomas Förner maximal 500 Kilogramm Eisgranulat mitnehmen.

Für die Mückenbekämpfungsaktion wurden rund um den Chiemsee drei Stellen eingerichtet, von wo aus der Hubschrauber mehrmals startet und landet: In Übersee, in Chieming und in Rimsting.

»Die Bekämpfung richtet sich speziell gegen die Überschwemmungsmücke«, sagt Thomas Weimann vom Abwasser- und Umweltverband Chiemsee, der die Flüge in Auftrag gibt. Maximal zweimal im Jahr darf am Chiemsee die Behandlung mit dem biologischen Wirkstoff Bti durchgeführt werden. Die Kosten richten sich nach der Fläche, die mit dem Protein behandelt wird. Heuer rechnet Thomas Weimann mit rund 120 000 Euro. Den Betrag teilen sich die zehn Mitgliedsgemeinden am Chiemsee. Seit 1997 wird die Stechmückenbekämpfung nun am Chiemsee durchgeführt. Ziel ist es, die Plagegeister für Einheimische und Touristen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Einer, der von Anfang an dabei ist, ist Biologe Dirk Reichle. »Der Wirkstoff ist für andere Tiere und für den Menschen unbedenklich«, betont der 50-Jährige. »Denn er wirkt selektiv auf Mückenlarven.« Auch andere Organismen würden das Bti aufnehmen, doch nur im Darm der Mückenlarve wirke es toxisch (giftig). Der Biologe aus der Nähe von Heidelberg ist mit seinen vier Kollegen bereits seit gut einer Woche am Chiemsee. Sie haben anhand der Anzahl der Mückenlarven ermittelt, wo im Uferbereich des Chiemsees der Wirkstoff ausgebracht werden muss und wo nicht. Auf dieser Basis haben sie eine Kartierung erstellt. Die Daten wurden Pilot Thomas Förner aufs GPS-Gerät gespielt, das im Cockpit des Hubschraubers angebracht ist. So weiß er, an welchen Stellen er das Eisgranulat ausbringen muss.

»Leider können wir Mückenlarven nicht langfristig bekämpfen«, sagt Biologe Matthias Beck. »Sie entstehen immer wieder. Deshalb wird die Aktion auch jedes Jahr auf Neue durchgeführt.« KR