weather-image
22°

»Die Mittelschule ist unsere Lebensversicherung«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Landtagsabgeordneter Klaus Steiner (links) und Kultusminister Ludwig Spaenle standen bei einem Fachgespräch in Seeon Rede und Antwort. (Foto: Mix)

Seeon-Seebruck. Es könne nicht oberstes Ziel sein, dass möglichst viele Schüler das Gymnasium besuchen, ihr Abitur machen und später studieren. Auch die bayerischen Mittel- und Realschulen seien von großer Bedeutung. Gerade die mitunter als »Restschule« titulierte Mittelschule müsse gestärkt und unbedingt erhalten werden, so das Fazit eines Fachgesprächs zum Thema »Schule mit Zukunft – Zukunft für das Handwerk« mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Steiner und Kultusminister Ludwig Spaenle in Seeon.


Steiner wehrte sich gegen eine einseitige Diskussion in Richtung akademische Bildung. Vielmehr brauche Bayern das mehrgliedrige Schulsystem mit individueller Förderung: »Das Gymnasium ist nach wie vor eines der Herzstücke im bayerischen Bildungssystem, aber eben nicht das einzige.« Er wünsche sich wieder mehr Wertschätzung für die Mittelschulen und die daraus hervorgehenden Handwerker, die später als Gesellen oder Meister auch ihren Weg machten und erfolgreich seien. Sepp Daxenberger von der Seeoner Schreinerei, in der das Fachgespräch stattfand, drückte ganz deutlich aus: »Die Mittelschule ist unsere Lebensversicherung, wir brauchen sie ganz dringend für unseren Nachwuchs.«

Anzeige

Kultusminister Spaenle ging auf die veränderten Anforderungen im Bildungssystem ein. Früher seien 80 Prozent der Schüler nach der Grundschule auf die Hauptschule gewechselt. Inzwischen schicken Eltern ihre Kinder lieber aufs Gymnasium. »Darauf mussten wir reagieren«, so Spaenle. Während die übrigen Bundesländer die Hauptschule weitestgehend abschafften, gestaltete Bayern die neue Mittelschule, die als Alleinstellungsmerkmal eine intensive Vorbereitung auf den Weg ins Berufsleben biete.

40 Prozent wechseln nach der Grundschule ans Gymnasium

»Wir haben heuer zum fünften Mal hintereinander stabile Einschreibzahlen bei den Mittelschulen«, betonte der Minister. Nach der Grundschule wechselten durchschnittlich 40 Prozent ans Gymnasium und jeweils rund 30 Prozent an Realschule oder Mittelschule. Ein Vorteil der Mittelschulen seien die vielen Standorte und damit die Wohnortnähe für die Schüler sowie die Anschlussgarantie an weitere Bildungseinrichtungen. Als zusätzliche Pluspunkte nannte der Minister die Praxis-Klassen für Schüler, die noch nicht ausbildungsreif sind und deren Stärken eher im praktischen Tun liegen sowie den M-Zug, der den mittleren Schulabschluss als Ergänzung zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss biete.

Franz Freutsmiedl, Rektor der Heinrich-Braun-Mittelschule in Trostberg, nannte die Mittelschule einen »Riesenerfolg«. Durch den Schulverbund mit Tacherting und Altenmarkt könnten die Schüler gehalten werden und es gebe eine vertiefte Berufsorientierung in enger Zusammenarbeit mit Betrieben in der Region. »Diese Schule ist wichtig«, so das Fazit des Schulleiters.

Otto Manzenberger, Rektor der Grund- und Mittelschule Unterwössen, konnte dies nur bestätigen: »Die Mittelschulen leisten Enormes für die Berufsvorbereitung. Keine andere Schulart begleitet die Schüler so intensiv.« Schulamtsdirektor Otto Mayer betonte: »Wir haben bei uns im Landkreis Traunstein nichts zu mäkeln.« Ein Problem sieht Mayer beim Thema Migration und Asylanten: »Wir haben derzeit 250 Schüler, die nicht deutsch sprechen und in den Klassen sitzen.« Um sie vernünftig unterrichten zu können, fehlten Ressourcen, sprich vor allem Lehrer, um Übergangsklassen bilden zu können, wo auf diese Kinder speziell eingegangen werden kann.

Über Lehrermangel klagten auch der Leiter der Traunsteiner Berufsschule I, Willi Barke, und Martin Brunnhuber, stellvertretender Leiter der Berufsschule III. Um die Qualität an Ausbildung zu gewährleisten, auf die die Handwerksbetriebe ein Recht haben, seien mehr qualifizierte Lehrkräfte notwendig.

Forderung nach Entrümplung der Lehrpläne

Über teils mangelhafte Bildung bei den Mittelschülern klagte Otto Zach, Innungsmeister für Elektrotechnik. Die jungen Leute würden in den Schulen mit Wissen überschüttet, das sie nicht mehr verdichten könnten, lernten nur noch für Prüfungen, danach werde vieles wieder vergessen. Er wünschte sich, dass die Lehrpläne entrümpelt und wieder mehr dauerhaftes Wissen und Allgemeinbildung vermittelt werden.

Klaus Steiner sprach Ausbildungsbetriebe direkt an: »Die Betriebe müssen die Ausbildung attraktiv machen, sich um ihre Auszubildenden kümmern, sie motivieren und ihnen Anerkennung zukommen lassen.« Leider sei dies nicht immer der Fall und es gebe auch Branchen, wo die Lehrlinge abbrechen, weil sie nicht gut behandelt werden. Sepp Daxenberger stimmte zu: »Das ganze Umfeld muss passen, die jungen Leute müssen mit dem Klima im Betrieb zufrieden sein.« mix