Die »Mitmachgemeinde« nimmt konkrete Züge an

Marquartstein – Bei der ersten Veranstaltung zur »Mitmachgemeinde«, das heißt zur aktiven Beteiligung von Bürgern am Marquartsteiner Gemeindegeschehen, kamen gut 60 Bürger in den Gasthof Prinzregent. Bürgermeister Andreas Scheck erläuterte, wie es nach einer Klausurtagung des Gemeinderats in Kochel am See zu der kürzlich im Gemeinderat beschlossenen Satzung der Gemeinde zur Bürgerbeteiligungssatzung gekommen war (wir berichteten). Die »relativ unflexiblen Ausschüsse« des Gemeinderats sollten weitgehend durch Arbeitskreise mit Bürgern ersetzt werden, so der Bürgermeister.


»Wir wollen Ihr Sachwissen und ihre Kompetenz nutzen«, sagte Scheck zu den Anwesenden. Dadurch sollten sich die Einwohner wieder mehr mit ihrem Wohnort und ihrer Heimat identifizieren. Gemeindepolitik werde transparenter und die Akzeptanz erhöhe sich. Marquartstein ist jetzt nach Weyarn die erste Gemeinde in Bayern mit einer geregelten Bürgerbeteiligung.

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Beiräte sollen dem Gemeinderat zur Seite stehen

Anschließend erläuterten die Gemeinderäte Roland Polleichtner (CSU) und Michael Elgass (Bündnis 90/Die Grünen und andere) kurz anhand von Grafiken den Aufbau der künftigen, organisierten Bürgerbeteiligung. Danach wurden viele Fragen aus den Reihen der Anwesenden beantwortet. Vielen unklar war anfangs der Unterschied zwischen Beirat und Arbeitskreis. Einen Arbeitskreis bilden Bürger der Gemeinde zu einem bestimmten Projekt. Er löst sich auf, wenn das Projekt realisiert ist.

Die Beiräte aber bestehen aus fünf Mitgliedern und sind eine gesamte Legislaturperiode, also sechs Jahre lang, tätig. Sie sollen einerseits Ansprechpartner für die Bürger sein, andererseits bei relevanten Themen dem Gemeinderat beratend zur Seite stehen. Dabei gibt es einen Beauftragten pro Beirat.

Anschließend an die Fragerunde arbeiteten die Bürger an fünf verschiedenen Tischen an den Themen Soziales, Ortsgestaltung, Umwelt, Naturschutz und Energie, Kultur und Bildung sowie Wirtschaft und Tourismus. An jedem Tisch wurde zusammen mit einigen Gemeinderäten intensiv diskutiert. Es entstanden Stoffsammlungen für mögliche Projekte. Nach einer Stunde Arbeit erläuterten die Sprecher der jeweiligen Arbeitsgruppen öffentlich die gesammelten Ergebnisse.

Am Tisch »Ortsgestaltung« nannte ihr Sprecher Erich Fuchs neben vielem anderen die Verkehrsberuhigung an der Bundesstraße ebenso wie in der Schloßstraße, die Schaffung von Flächen für Rollatoren und Rollstühle im Ortszentrum und an der Loitshauser Straße oder die Gestaltung des Vorplatzes der Sparkasse.

Idee, einen Kulturverein zu gründen

Zum Thema »Umwelt, Energie und Naturschutz« nannte Peter Lloyd unter anderem die Ortsrandbegrünung, »Flächenmanagement«, das heißt verdichtetes Bauen oder die Nicht-Ausweisung von Bauland oder die Schaffung von Retentions-raum bei Hochwasser für die Tiroler Achen.

Vom Tisch »Kultur und Bildung« berichtete Elke A. Sommer von der Stoffsammlung zu einem Kulturverein, der zum Beispiel Vorträge, Konzerte, Veranstaltungen etc. organisieren könnte, die Unterbringung und Organisation der Gemeindebücherei, Sprachkurse, Computer- und Kreativkurse oder das Lesedorf.

Manche Themen überschnitten sich mit anderen Arbeitskreisen. So berichtete Dagmar Netzer vom Tisch »Soziales« ebenfalls vom Wunsch barrierefreie und breitere Gehsteige an der Loitshauser Straße zu schaffen, Aushänge in großer Schrift in einer Höhe anzubringen, in der auch Rollstuhlfahrer und kleinere Menschen sie sehen können. Die Verkehrssicherheit des Schuldorfs Marquartstein um 8 Uhr morgens und mittags wurde angesprochen ebenso wie die gewünschte Einrichtung einer Bürgerhilfsstelle.

Vom Tisch »Wirtschaft und Tourismus« berichtete Josef Moritz vom Wunsch nach geänderten Öffnungszeiten der Tourist-Info, auch an Samstagen und in der Urlaubszeit. Insgesamt solle das Geschäftsmodell der Zimmervermietung wieder interessanter gemacht werden, damit die Zahl der Gästebetten im Dorf nicht weiter sinkt. Ein »Tag der Betriebe« wurde vorgeschlagen, außerdem die weitere Verbreitung der Regionalwährung »Chiemgauer« im Ort.

Nach einer weiteren, angeregten Fragerunde konnten sich engagierte Bürger als Beiräte auf vorbereitete Blätter eintragen. Der Gemeinderat wird aus den eingereichten Vorschlägen auswählen. gi

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